Die IAA mobility wird ihrem Namen gerecht – Autos und Beweglichkeit. Geht man allerdings auf den griechisch-lateinischen Ursprung des Begriffs „auto mobil = selbst beweglich“ zurück, zeigt sich ein großer Widerspruch auf. Der überwiegende Teil der ausgestellten Produkte zielt nicht darauf sich „selbst zu bewegen“. Die gigantische Open Space – Show zielt weiter auf unzählige Privatkäufer ab und um weiter die „Freude am Selbst-Fahren“ zu zelebrieren.
Mit der Platzierung des kostenfreien Marketingjahrmarktes in der Münchner Innenstadt ist den Veranstaltern und auch den genehmigungsgebenden Institutionen ein Volltreffer gelungen. Besser kann man historisch geprägte Mobilität nicht an Kinder, Jugendliche, an Frau und Mann bringen. Da die Innenstadt nicht überdacht ist, hat man ganze Autopaläste für sechs Tage errichtet und ganze Straßenzüge gesperrt. Das Thema Nachhaltigkeit spielt bei diesem Aufwand überhaupt keine Rolle. Es ist schon beachtlich, was für so eine rettungssehnsüchtige Branche veranstaltet wird. Selbst die Innenhöfe des ehrwürdigen Residenzschlosses wurden mit Glas und Plastik zugebaut. Allerdings hatte die Auswahl der Innenstadt auch einen sehr praktischen Zweck. Die angebotenen Probefahrten konnten somit in der permanent zugestauten Innenstadt unter realen Bedingungen stattfinden.

Das schnöde Messegelände am Rande der Stadt war dafür nicht mehr gut genug, denn private Autos braucht man ja genau dort – in der Innenstadt. Dafür legt man auch gern ein paar Buslinien um und sperrt Straßenbahntrassen. Im großzügigen multiplen Messegelände am Rande der Stadt belegte die Fachmesse Summit lediglich sechs Hallen. Etwa ein Drittel des verfügbaren Spektrums, das Freigelände nicht inkludiert. Neben den Hauptacts VW, BMW, ZF und MAHLE, waren dort sehr viele asiatische Aussteller zu sehen. Viele Produktnamen die ich bisher nie gehört oder gelesen hatte. Hervorheben möchte ich den Stand von „QLX“ mit den Produkten ROBOBUS und ROBOSHOP.
Deutsche/europäische Vertretungen, wie AVL Mobility, MOIA, Technische Hochschule Ingolstadt und die Technische Universität München waren immerhin mit verschiedenen Testfahrzeugen für das autonome Fahren vertreten.
Obwohl auf einem zentralen Werbeplakat der IAA Mobility auch Busse und Trucks im futuristischen Design abgebildet waren, konnte ich kein Fahrzeug über drei Tonnen entdecken. In der Fachmesse hingen zumindest personentransportfähige Drohnen an der Hallendecke. Davon sind wir hier noch sehr weit entfernt.

Bestandteil von Mobilität sind auch Bahn und ÖPNV, nach der Messebeschreibung viel diskutierte Themen. Einen entsprechenden optischen Blickfang konnte ich nicht erkennen.
Noch nie hatte ich eine Messe mit so vielen Gesprächsarenen und Podien erlebt. Förmlich im Minutentakt gingen Scheinwerfer auf Bühnen und Foren an und aus. Moderatoren und Manager stritten um die „Rolle der Bedeutung“ und verkündeten den Stein der Weisen gefunden zu haben.
US-Firmen konnte ich nur wenige ausmachen. Google Germany und Compal USA Inc präsentierten ihre Softwarelösungen und Lucid Motors seine Raumwunder. Der Pionier der Elektromobilen Konstruktion und Fertigung wurde offenbar gar nicht eingeladen – die Gründe dürften divers sein.
Mein Fazit zur IAA Mobility 2025 basiert rein auf meiner subjektiven Konstruktion der Wirklichkeit. Insgesamt 4/5 des gesamten Messevolumens habe ich gesehen. Ich habe keine Statistiken verwendet.
Den Run um den Standort Frankfurt/Main oder München hat letzterer klar gewonnen. Dabei nutzten die Veranstalter Mittel und Wege, die ich nicht mit Fakten belegen kann. Jedenfalls ist es somit gelungen die Münchner Innenstadt zu einer mega Marketingshow für jedermann zu missbrauchen, um unter dem Deckmantel – spät erkannter Elektromobilität – alte Strategien marktfähig zu halten.
PKWs werden in der Tendenz immer leistungsfähiger, größer und schwerer. Der E-Antrieb hat seinen Platz gefunden, aber es ist auch deutlich zu erkennen, dass große Marken nach wie vor auf Verbrenner, Sportwagen und Unvernunft setzen. Das Ziel die Innenstädte durch weniger privat genutzte PKWs zu entlasten, wird mit dieser Präsentation langfristig verfehlt. Ein Umdenken in der Mobilität findet bisher nur in Randbereichen statt. E-Bikes, Lastenräder und Mikromobilität sind dafür einige Beispiele. Ich konnte keine Präsentationen von Fahrzeugvermietungen oder Sharing-Unternehmen wahrnehmen.
Die Faszination eigenes Auto ist hier noch ungebrochen. Das Publikum, welches noch vor wenigen Jahren die Nase vor der Elektromobilität rümpfte, kriecht heute genau in die selben Formate, die noch vorgestern mit Verbrennern angetriebenen wurden. Hauptsache, dass Lenkrad ist in ständiger Reichweite.
Es wird ein schwieriges Unterfangen menschliche Vernunft Wirklichkeit werden zu lassen.
Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.
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