Vergangene Woche machte Tesla die Full Self Driving-Software auf seinen Autos für Interessierte in Deutschland zugänglich und ließ Teslas durch deutsche Städte fahren. Die Reaktionen sind überwiegend positiv und zugleich ein Schock für die Szene. Die meisten hatten bislang keine persönliche Erfahrung damit, nur wenige hatten die Gelegenheit in den USA oder in Kanada dieses rechtlich als Level 2+ zugelassene, aber als Level 4-System designte und darauf hinzielende Fahrsystem selbst zu testen.
Viele kannten nur die Online-Videos von Teslabesitzern, die ihre Fahrten aufnahmen und veröffentlichten. Und ebenso viele kennen vor allem die Videos, auf denen Zwischenfälle mit oder Unzulänglichkeiten des System zu sehen sind. Na klar, die sind auch viel interessanter als stundenlange und langweilige Fahrten, auf denen nichts passiert, außer, dass die FSD die Situationen souverän meistert.
Selbst wenn diese Fahrten souverän waren, blieb doch die Skepsis, ob die Videos mit fahrten auf amerikanischen Straßen überhaupt vergleichbar mit der Straßensituation in Deutschland wäre. Und da war die einhellige Meinung ein Nein, weil es doch so viele Unterschiede gäbe.
Doch mit den ersten eigenen Erfahrungen hat sich diese Skepsis in Luft aufgelöst. Die vorwiegend negative Berichterstattung der letzten Jahre zur Tesla FSD hat sich komplett gewandelt und es wird durchgehend von positiven Erfahrungen berichtet. Die Tester sind sowohl begeistert als auch geschockt, wie gut die FSD ist. Und das nur mit Kameras. Diese Tatsache war einer der Hauptkritikpunkte der „Experten“ und Sesselphilosophen, die ohne eigen Erfahrung aus vom bequemen Sofa vermeintlich kluge Ratschläge gaben und alle Gründe anführen konnten, warum diese (amerikanische) Technologie nie funktionieren könnte. Schon gar nicht in Deutschland.
Und nun sitzt man vor dem Scherbenhaufen. Jahrelang wurde hinausposaunt, dass autonomes Fahren nie kommen würde und wenn, dann erst in 10 oder 20 Jahren, und dass Teslas Ansatz, der nur auf Kameras basiert, noch weniger Chancen hätte. Das wurde mit einer Selbstsicherheit von Experten aus den Automobilunternehmen, Autojournalisten wiederholt, von Fahrerlehrern und Sicherheitsbeauftragten bestätigt, und von skeptischen Kunden mit einem Anti-Amerika- oder Anti-Teslareflex gerne so hingenommen.
Leider führte das zu einigen nun sich als fürchterlich herausstellenden Konsequenzen. Nicht nur tat man die Bemühungen von Tesla & Co. als völlig irre oder irre geleitet ab, man unternahm selbst auch keine ernsthaften Anstrengungen, autonome Fahrsysteme zu entwickeln. Diese waren immer nur ein Compliance-Projekte, damit man den Aktionären und der Presse was zeigen konnte.
„Sorgt euch nicht, wir arbeiten daran und wir sind ohnehin besser. Und eigentlich will es keiner haben, weil die Leute gerne selber fahren, als gefahren zu werden.“
Und jetzt fallen sie alle aus den Wolken, weil die Tesla FSD so gut funktioniert. Die Tesla FSD, die heute definitiv noch Aufholbedarf gegenüber beispielsweise der Waymo Driver hat. Doch den Waymo Driver hat man in Deutschland bislang noch nicht selbst erfahren dürfen.
Dabei ist es nicht so, dass es unvorhersehbar war. Ich selbst habe mit meinem Buch und auf dieser gleichnamigen Website seit mittlerweile fast einem Jahrzehnt darauf hingewiesen und die Entwicklungen vorgezeichnet. Auf haben etliche in Deutschland davor gewarnt und eigene Aktivitäten gefordert. Doch das half alles nicht, zu sehr ist man in der deutschen Automobilindustrie mit hirnrissigen Gespinsten wie Technologieoffenheit und Bewahren des Verbrennungsmotors beschäftigt. Ein Beispiel für einen dieser Vertreter ist dieser Audi-Betriebsrat mit seinem LinkedIn-Post von vor ein paar Tagen.
Quintessenz
Die Quintessenz aus diesem besserwisserischen Gehabe der letzten Jahre: man hat in Deutschland auch bei autonomen Autos nichts vorzuweisen. Nichts, womit man am Markt bestehen könnte. Nichts, außer der Erkenntnis, dass man schon wieder bei einer Technologie – und dieses Mal in der deutschen Kernindustrie schlechthin – keine Karten hat, und die anderen den Bluff aufgedeckt haben. Unser Großmaul fällt uns nun auf den Kopf. Hart! Sehr hart!
Berichte
Nun aber zu ein paar Berichten aus den letzten Tagen. Hier ein Kommentar von Bild Journalist Robin Hornig:

Tesla FSD Supervised sieht mehr als ich. Es lässt sich nicht ablenken und ist nie erschöpft. Ich bilde mir ein, gut zu fahren, aber an die Rundumsicht dieses Systems komme ich nicht heran. Am stärksten wird es, wenn beides zusammenarbeitet: meine Erfahrung und die permanente Aufmerksamkeit des Tesla.
Hier von Vanessa Lisa Oelmann auf LinkedIn:

Ich hatte meine allererste Tesla FSD Demo Fahrt – und bin fassungslos!😳
Fassungslos darüber. wie gut dieses System inzwischen fährt. Die üblichen Tücken des europäischen Autopiloten? Nada. Stattdessen habe ich ein System erlebt, das über 48 Kilometer hinweg viele knifflige Situationen gemeistert hat. Die Fahrt fand übrigens im Dunkeln statt, das habe ich gar nicht erwähnt🌝
Vier Fehler traten insgesamt auf:
Hier von Jonas Weckerle:

Ist das der „iPhone-Moment“ für deutsche Straßen?
Während wir in Deutschland noch über das Verbrenner-Aus und Spaltmaße diskutieren, ist es passiert: Die erste offizielle, genehmigte Fahrt mit Tesla FSD (Supervised) im realen deutschen Stadtverkehr in Gießen. 🤯
EFIEBER hat gezeigt: Das System kommt mit unseren komplexen Straßen klar. Aber was mich in den Kommentaren wirklich bewegt hat, ist nicht die Technik, sondern der Mensch.
Videos
Hier eine kleine zufällige Auswahl Videos von Berichterstattern aus den letzten Tagen. Der Tenor ist überall ähnlich: die Tester sind geflasht, wie gut die FSD in Deutschlandfunktioniert.
Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.
Also meine Skepsis hat sich nicht in Luft aufgeloest. Es fehlen bislang jegliche Statistiken zu Abbruechen und Unfaellen.
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Bist Du selbst schon mal mit der Tesla FSD gefahren? Lass uns dann mal weiterreden. Ohne eigene Erfahrung führt eine Diskussion nirgendwohin…
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