Nicht nur vermutet, sondern deutlich zu sehen war der Widerstand, den traditionelle Autobauer gegen die Umstellung weg von Verbrennungskraftfahrzeugen auf Elektroautos geleistet haben. Die jüngste Widerstandsmaßnahme war das Verbrenner-Aus-Aus, das die deutschen Hersteller von Öltimern bei der EU durchgeboxt haben.
Eine Gemeinschaftsstudie mehrerer Universitäten, die in ScienceDirekt veröffentlicht wurde, zeigt deutlich auf, wie deutsche , amerikanische und japanische Hersteller in ihrem Widerstand vorgegangen sind und immer noch vorgehen. In der Studie mit dem Titel „Die zeitliche Entwicklung von Widerstandsstrategien während der Umstellung auf kohlenstoffarme Technologien: Einblicke in die Strategien der US-amerikanischen, deutschen und japanischen Automobilhersteller im Zuge der Umstellung auf Elektrofahrzeuge (1990–2025)“ unterteilen die Studienautoren den untersuchten Zeitraum von 1990 bis 2025 für jedes Land in fünf Widerstandsphasen:
| Phase | Widerstandsstrategien |
|---|---|
| 1. Untätigkeit | Informationsstrategie (z. B. das Problem leugnen, die Wissenschaft angreifen, Unsicherheiten hervorheben) |
| 2. Inkrementelle Innovation | a) Framing-Strategien (z. B. Behauptung, dass ein Problem nicht so schlimm ist oder schrittweise angegangen werden kann) b) Organisierte Druckstrategien (z. B. Schaffung einer „geschlossenen Branchenfront”) |
| 3. Absicherung | a) Framing-Strategien (z. B. Behauptung, dass politische Maßnahmen nicht erforderlich sind, radikale Lösungen zu teuer sind) b) Lobbying-Strategien zur Verhinderung/Gestaltung von Gesetzgebung c) Konfrontationsstrategien (z. B. Klagen gegen politische Maßnahmen) d) Innovationsstrategien (einschließlich radikaler) |
| 4. Diversifizierung | a) Innovationsstrategien b) Strategien zur wirtschaftlichen Positionierung (z. B. Investitionen in Fabriken, Produkte) c) Framing-Strategien (z. B. Behauptung, dass die Geschwindigkeit und die Kosten des Wandels zu hoch sind) d) Lobbyarbeit (z. B. um Ziele zu schwächen und politische Unterstützung zu fordern) |
| 5. Vollständige Neuausrichtung | a) Innovationsstrategien b) Strategien zur wirtschaftlichen Positionierung |
Für die einzelnen Länder kamen die Autoren auf folgende Perioden:
USA
Periode 1 (1970–1988): Anfänge der Klimawissenschaft und Untätigkeit der Unternehmen in allen drei Ländern.
Periode 2 (1988–1997): Leugnung und Anfechtung.
Periode 3 (1997–2003): Vorläufige, aber gescheiterte Neuausrichtung.
Periode 4 (2003–2016): Absicherung mit mehreren Technologien.
Periode 5 (2016–2025): Neuausrichtung der Elektroautos und politische Schwankungen.
Deutschland
Periode 2 (1983–1995): Freiwillige Verpflichtungen als Reaktion auf erste Klimabelastungen.
Periode 3 (1995–2007): Absicherungsstrategien als Reaktion auf klimapolitische Maßnahmen.
Periode 4 (2007–2015): Weitere Absicherung bei zunehmendem politischen Druck.
Periode 5 (2015–2025): Diversifizierung von Elektrofahrzeugen in sich rasch wandelnden politischen und wirtschaftlichen Kontexten.
Der Auslöser für den Beginn der fünftem Periode war in Deutschland natürlich der Dieselskandal, der die ganze Industrie beschädigte.
Japan
Phase 2 (1990–1997): Experimentieren mit verschiedenen Elektrifizierungswegen.
Periode 3 (1997–2009): Beschleunigte Neuausrichtung auf Hybridfahrzeuge.
Periode 4 (2009–2022): Widerstand gegen Elektroautos und Verteidigung von Hybridfahrzeugen.
Periode 5 (2022–2025): Ernsthafte, aber zögerliche und langsame Diversifizierung hin zu BEVs bei gleichzeitiger Absicherung.
Schlussfolgerung
Die Studienautoren kommen zum Schluss, dass die Fallstudien und vergleichenden Analysen zeigen, dass etablierte Automobilhersteller in den USA, Deutschland und Japan seit langem den Übergang zu batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen mit geringem CO2-Ausstoß ablehnen und verzögern, indem sie eine Vielzahl von Widerstandsstrategien einsetzen, darunter Informationskampagnen, Framing, Lobbyarbeit, Konfrontation und organisierte Druckausübung. Die Verbreitung der verschiedenen Arten von Widerstandsstrategien variierte, wobei US-amerikanische Automobilhersteller eher offen antagonistische Strategien (z. B. wissenschaftliche Anfechtung, Rechtsstreitigkeiten) einsetzten, während deutsche und japanische Unternehmen eher auf Lobbyarbeit, Konsultationen und Drehtür-Effekte setzten.
Bemerkenswert finden die Autoren, dass die Automobilhersteller in allen drei Fällen auch in der fünften Phase weiterhin auf Widerstandsstrategien setzten – obwohl sie gleichzeitig erhebliche Diversifizierungsbemühungen unternahmen und große Investitionen in Elektroautofabruken und Lieferketten tätigten. Der Schwerpunkt der Widerstandsstrategien verlagerte sich in späteren Phasen von der Ablehnung der Richtung des Wandels hin zur Verlangsamung des Wandels.
Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.
1 Kommentar