Autos blockieren Straße und Feuerwehrwagen in Birmingham

Wenn die Sprache auf autonome Autos kommt, wird von Behördenseite und Regulatoren mit Regelmäßigkeit auf das scheinbar größte Vergehen von Robotaxis hingewiesen. Nämlich, dass sie Straßen und Einfahrten blockieren würden, sowie gesperrte Bereiche zu durchfahren versuchten. Eine Zeitlang führten Aktivisten sogar eigene Listen, in denen sie sich bemühten, vermeintliche und echte Vergehen von Robotaxis aufzuzeichnen. Diese Liste wurde Anfang 2024 aufgegeben.

Verkehrsverantwortliche sehen vor allem das Verhalten von Robotaxis beim Warten zum Ein- und Aussteigen von Passagieren als problematisch und ungelöst Städte wie San Francisco sehen zum Beispiel vor, dass ein Fahrzeug, dass Passagiere zusteigen lässt, nicht mehr als 12 inches (etwa 30 Zentimeter) entfernt von der Gehsteigkante anhalten darf. Wer die Parksituation in San Francisco kennt, weiß, wie unrealistisch das ist.

Deshalb bemühen sich die Städte um dedizierte Pick-Up und Drop-Off-Zonen (PUDO-Zonen), wo Taxis und auch Robotaxis Passagiere aufnehmen können. Dieses hehre Ziel geht jedoch an der eigentlichen Ursache vorbei. Die Frage sollte nämlich sein, warum es so viele Privat-PKWs gibt, die gratis oder um einen viel zu niedrigen und der Allgemeinheit subventionierten Preis öffentlichen Raum zum Parken ihres Privatbesitzes benutzen dürfen? Der sechsmal wiedergewählte Bürgermeister der spanischen Stadt Pontevedra, Miguel Anxo Fernández Lores, führte 1999 eine autofreie Innenstadt ein und hat damit die Stadt international berühmt und für die Bewohner viel lebenswerter gemacht. Dabei wird er mit folgendem Argument zitiert:

Es gehört nicht zu meinen Aufgaben als Bürgermeister, dafür zu sorgen, dass Sie einen Parkplatz finden. Für mich ist das so, als hätten Sie eine Kuh oder einen Kühlschrank gekauft und würden mich dann fragen, wo Sie die unterbringen sollen.

Zwischenzeitlich versuchen die Stadtverantwortlichen allerdings die Vergehen der Robotaxis zu erfassen und dokumentieren. So wurden 2024 von San Francisco 589 Strafzettel gegen Waymo wegen Falschparken ausgestellt, also in den Momenten, wo das Auto auf die Passagiere wartete, denn die Fahrzeuge fahren ansonsten leer weiter, wenn keine Passagiere im Auto sind.

Was völlig untergeht ist dagegen, wie häufig menschliche Fahrer mit ihren Autos Straßen blockieren. Doppeltes Parken, Einfahrtparken, „nur kurz auf einen Sprung etwas abholen oder abgeben“, „ich bin eh gleich wieder weg“, ja selbst vor Feuerwehreinfahrten wird fleißig geparkt. Erfasst man diese Vergehen? Geht man gegen diese streng vor? Weiß man überhaupt, wie groß diese Problematik ist? Sie ist jedenfalls viel größer als es die Robotaxi heute darstellen.

Bezeichnend ist folgendes Video aus Birmingham, wo voll geparkte Straßen und rücksichtslose Autofahrer die Straße für einen im Einsatz befindlichen Feuerwehrwagen blockieren und Hilfe verzögern. Auch kennen wir alle die Beispiele, wo rücksichtslose Autofahrer Rettungsgassen als private Spur verwenden und damit Einsatzfahrzeuge blockieren.

Die Prioritäten liegen manchmal etwas völlig an der Realität vorbei.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

1 Kommentar

Hinterlasse eine Antwort