Nicht schon wieder! Tesla erneut von Daimler (und BMW) gerettet

Die Hiobsbotschaften um Tesla reißen nicht ab. Wir können die schlechte Lage des Unternehmens nicht mehr leugnen. Neben den allseits bekannten Produktionsproblemen bei Tesla, den langen Wartezeiten, die Verwirrung mit immer neuen Funktionen die Teslabesitzer erhalten und die von allen Fehlern ablenken sollen (Furzkissen-App und Hundemodus, echt jetzt?), den massiven Verlusten die Tesla seit Jahren schreibt, die lächerliche Zahl von viel weniger als 400.000 ausgelieferten Autos (Vergleich: Daimler und BMW mehr als 2(!) Millionen; das nennen wir Produktion), den Verzögerungen beim Bau der Gigafactory 3 in Schanghai, die mehr als 357 Tage von Spatenstich bis Auslieferung gedauert hat (eine Ewigkeit in unserer immer schnelllebigeren Zeit), und die krasse Fehlentscheidung, in Berlin-Brandenburg eine Gigafactory 4 zu bauen, verlieren selbst die Hardcore-Tesla-Fanboys den Glauben an das Unternehmen.

Da kommt die Nachricht vom Rettungsplan gerade richtig, den die deutschen Traditionshersteller Daimler und BMW gemeinsam durch ihr Ridesharing-Unternehmen Free Now geschmiedet und zügig umgesetzt haben. Free Now hat sich erbarmt, Tesla ein paar Elektroautos abzukaufen. 60 Tesla werden gnadenhalber unter Freunden der Free Now-Flotte beigefügt.

Die ersten Auswirkungen sind schon sichtbar. Heute sprang der Tesla-Aktienkurs gleich um mehrere Prozentpunkte. Mercedes-Chef Ola Källenius wird zitiert, dass Tesla von Daimler schon einmal vor dem Aus gerettet worden war. 2010 hatte Daimler noch unter dem Elektroauto-Visionär Dieter Zetsche einen zehn-Prozent-Anteil am jungen kalifornischen Start-Up um kolportierte 50 Millionen Dollar gekauft. Man war sich auch nicht zu schade, von Tesla ein paar elektrische Antriebsstränge zu erwerben und in einigen B-Klasse Modellen einzubauen. Jahre später konnte Daimler dann endlich die Tesla-Anteile gerade noch gegen Gewinn abstoßen, und man war froh darüber. Zu sehr hatte die elektrifizierte B-Klasse Unruhe unter den eigenen Kunden gestiftet, weil die Mercedes-Billigkutsche jeden AMG-getunten Mercedes in Grund und Boden gefahren hatte.

Die Beweggründe für die Beteiligung von BMW wiederum sind andere. Der bayrische Traditionshersteller, der seine Innovationskraft durch immer größere Verbrenner-SUVs unter Beweis stellt, sieht seine Chancen in einer Umstellung des Geschäftsmodell und Produktionsprozesses. BMW-Chef Harald Krüger erklärte, dass BMW plant, seine eigene Produktion, die eigentlich schon seit Jahrzehnten nichts als Kosten und Kopfweh verursacht, gegen ein Reselling- und Upgrading-Modell austauschen will. „Mit jedem Over-the-air-Update bei Tesla werden diese wertvoller, weil sie mehr können„, sagte der Chef-BMW’ler, „Wenn wir also Teslas kaufen, einige Zeit verrinnen lassen und immer brav alle Updates machen, können wir die Teslas mit Gewinn weiterverkaufen.“ Krüger bezog sich auf eine Aussage von Tesla-CEO Elon Musk (dem die eigentlich Schuld an der katastrophalen Lage Tesla zuzuschreiben ist) der gemeint hatte, dass Teslas die einzigen Autos sind, die nicht an Wert verlieren – also abgeschrieben werden – sondern an Wert gewinnen – Wert wird ihnen zugeschrieben).

BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter rechnet gerade die Gewinnzuwächse durch den Ankauf- und Verkauf von Teslas durch, und Gerüchten zufolge sollen die möglichen Gewinne astronomisch sein.

Ob Elektroautos die Zukunft sind, ist hingegen noch offen. Free Now kämpft beispielsweise mit der Reichweite eines seiner hauseigenen Elektroautos, dem Mercedes EQC. „Wir wollten unseren Kunden Elektromobilität schmackhaft machen und den EQC in unser Angebot aufnehmen„, sagte Free Now-Chef Marc Berg, „allerdings blieben die Fahrzeuge von der Ladestation im ersten Stock, wo sie über die ganze Woche vollgeladen worden waren, auf dem Weg zur Garagenausfahrt wegen leerer Batterie liegen.“ Experte wiesen wiederholt darauf hin, dass die in Deutschland üblichen hohen Geschwindigkeiten der Reichweite einen Strich durch die Rechnung machen. „Von 5 auf 15 km/h in der Garage, und die Batteriekapazität sinkt schon mal rasch um 90 Prozent„, meinte ein Elektromobilitätsexperte.

Bei einem anderen Elektroauto in der Flotte, dem BMW i3, hat Free Now seine eigenen Erfahrungen gemacht. „Und deri3 ist so hässlich, dass wir ihn immer im letzten Kellergeschoß verstecken„, erläuterte Berg, während er sich angeekelt in den Spucknapf übergab.

Ob Tesla dieses Rettungspaket allerdings vor dem langfristigen Überleben bewahrt, wird von vielen bezweifelt. In Berlin-Brandenburg richten sich die Behörden bereits darauf ein, dass die Gigafactory 4 niemals fertig werden wird. „Ich bin ganz froh darüber, dass wir da nicht die Gesamtverantwortung haben, sondern Tesla auch seines eigenen Glückes Schmied ist“ und „Sie [Tesla, Anm. d. Red.] müssen die Unterlagen so vollständig und hoch qualitativ einreichen, dass auch eine schnellstmögliche Prüfung gegeben ist“ drohte unverblümt Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) mit dem erprobten Brandenburger Catenaccio.

Und wenn nicht, dann finden wir schon auf dem zukünftigen Fabriksgelände ein paar seltene Grottenwürmer, bedrohte Fledermäuse oder einen alten Indianerfriedhof„, konnte man bei der Pressekonferenz von einem BER-gestählten Beamten noch vernehmen, der damit den Erfindungsreichtum Brandenburgs personifizierte.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

3 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Herger,

    mit großem Interesse haben wir ihren obigen Artikel gelesen. Leider ist dieser nicht ganz korrekt. FREE NOW hat diese Autos nicht bestellt und besitzt auch grundsätzlich gar keine Autos. Die
    Transportunternehmen, mit denen wir als Vermittler zusammenarbeiten, entscheiden vollkommen autonom darüber, welche Fahrzeuge sie bestellen oder kaufen. Für Rückfragen stehen wir jederzeit zur Verfügung.

    Beste Grüße,
    Falk Sluga / FREE NOW

    Liken

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