US-Fahrergewerkschaften sprechen sich gegen fahrerlose Autos aus

Im Zuge eines Ansuchen zur Ausweitung des Servicebereichs für seine Robotaxis trifft Waymo nun auf Widerstand durch Vertreter mehrere US-Fahrergewerkschaften, inklusive der Teamsters. In dieser letztgenannten Gewerkschaft sind 1,4 Millionen Berufskraftfahrer vertreten, die USA-weit ihre Interessen vertreten.

Waymo betreibt bereits kommerzielle Robotaxidienste in San Francisco und Phönix, und will diese Gebiete nun ausweiten. In Los Angeles sind 50.000 Personen auf einer Warteliste eingetragen, um Zugang zu den Waymo Robotaxis zu erhalten.

Die Gewerkschaften planten eine Demonstration vor dem Rathaus in Los Angeles um eine strengere Regulierung von fahrerlosen Autos zu fordern. Die Gewerkschaften fordern Backup-Fahrer für fahrerlose Autos, weil sie einerseits der Technologie die Sicherheit absprechen, andererseits um ihre eigenen Jobs fürchten. Auch unterstützen sie die Forderungen nach einem Mitspracherecht der Städte und Regionen, in denen fahrerlose Autos zum Einsatz kommen sollen. Bislang sind in Kalifornien die jeweiligen bundesstaatlichen Behörden wie das CA DMV und die CPUC zuständig. Die Vizepräsidenten Lindsay Dougherty meinte dazu:

Es ist definitiv ein Problem für die arbeitenden Menschen im Allgemeinen, aber ganz besonders für die Teamsters, die die Fahrer vertreten. Die größte Angst unserer Mitglieder ist der Verlust dieser Arbeitsplätze.

Wie sie hinzufügte ist sie auch nicht davon überzeugt, dass die Waymo Robotaxis sicher seien. Sie ist auch noch nie mit einem Gefahren und würde es auch nicht, solange nicht ein Sicherheitsfahrer mit im Auto ist.

Jedes Fahrzeug ist im Grunde genommen eine Waffe. Es ist eine Maschine, die nicht nur anderen Fahrern, sondern auch Fußgängern schaden kann. Ich habe einfach kein Vertrauen in die Technologie.

Auch der kalifornische Senator Dve Cortese, der das Gesetz für die Mitbestimmung der Städte unterstützt, ist noch nie in einem fahrerlosen Auto gesessen.

2022 starben in den USA 42.000 Menschen in Verkehrsunfällen, im Vergleich dazu in Deutschland um die 2.500. Das ist eine 17-fach höhere Zahl als in Deutschland, bei einer nur 4-fach höheren Bevölkerungszahl. Pro Kopf sterben somit viermal so viele Menschen bei Verkehrsunfällen, als in Deutschland.

Meine Ansicht

Dieses Vorgehen gegen Disruption erinnert an das (Red Flag Act) Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts, bei dem Gesetzgeber in den USA und Großbritannien verlangten, dass vor einer Lokomotive oder einem Auto eine Person vorangehen und eine rote Fahne schwenken musste, um andere zu warnen. In Großbritannien galt das Gesetz von 1865 bis 1896, bis es abgeschafft wurde. Bis dahin durfte ein Auto nicht schneller als Schrittgeschwindigkeit fahren.

Charles Rolls am Steuer eines Peugeot um 1896; ein Fußgänger mit einer Warnflagge geht davor.

Auch Liftboys und Elevator Girls waren bis in die 1950er Jahre in den Wolkenkratzern beschäftigt. In Manhattan alleine waren 15.000 Menschen in diesen Berufen beschäftigt, obwohl die Technologie seit den 1920er Jahren vorlag, um die Aufzüge von den Liftbenutzer selbst bedienen zu können. Die Aufzüge hatten Fahrzeiten, wenn man den letzten Fahrstuhl am Abend verpasste, musste man dutzende Stockwerke zu Fuß hinabgehen. Erst ein Aufzugsführerstreik, der das Arbeitsleben in den 1950ern in den Wolkenkratzern lahmlegte, führte dann dazu, diese zu entlassen und die Aufzugsknöpfe einzusetzen. Darüber habe ich übrigens in meinem Buch Future Angst auch genauer geschrieben.

FUTURE ANGST

Welche aktuellen Ängste prägen uns? Mit welchen Ängsten waren die Menschen in der Vergangenheit konfrontiert, als es die heutigen Technologien noch nicht gab? Warum mischen wir heute im Wettbewerb der Kulturen um neue Technologien nicht ganz vorne mit? Welche Maßnahmen müssen wir ergreifen, um neue Technologien nicht als etwas Beängstigendes und Feindseliges zu betrachten, sondern als ein Mittel zur Lösung der großen Probleme der Menschheit? Innovationsexperte Dr. Mario Herger stellt in „Future Angst“ die entscheidenden Fragen in Bezug auf Technologie und Fortschritt und zeigt professionelle und zukunftsweisende Lösungen auf. Mit seinem Appell „Design the Future“ bietet Herger einen unkonventionellen und transformativen Ansatz für ein neues, human geprägtes Mindset.

Erhältlich im Buchhandel, beim Verlag und bei Amazon.

Mit anderen Worten: wir sehen hier ein letztes Aufbäumen einer Berufsgruppe, die den Übergang aber im besten Falle für sie hinauszögern kann und im schlimmsten Fall zu unnötigen Unfällen führen wird.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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