Der Tesla mit Methanol-Motor

Ein Tesla Model Y, dessen Batteriepack entfernt, gegen ein kleineres, 17.3 kWh starke Batteriepack ausgetauscht und noch zusätzlich im Frunk ein Verbrennungsmotor eingebaut wurde? Was im ersten Moment absurd klingt, kann bei näherer Betrachtung Sinn machen.

Die in Lustenau im westlichsten Bundesland Österreichs in Vorarlberg beheimatete Automotive Engineering Firma Obrist, sucht nach Lösungen, um dem Klimawandel nicht nur Einhalt zu gebieten, sondern auch entgegenzuwirken.

Wir wissen mit Bestimmtheit, dass der Klimawandel durch menschlichen Eingriff erfolgt. Die Verbrennung von fossilen Brennstoffen wie Erdöl, Gas oder Kohle hat zu einer Erhöhung von CO2 in der Atmosphäre geführt, der sich auf die Temperaturen auswirkt und eine Reihe von Folgen nach sich zieht. Verstärkte Wetterextreme oder heißere Sommer machen ganze Landstriche unbewohnbar und beeinflussen Ernteerträge und generell das menschliche Wohlbefinden.

Während sich viele technische und regulatorische Lösungen auf die Reduktion neuer CO2-Emissionen fokussieren, gibt es bislang kaum technische Ansätze, die versuchen CO2 aus der Atmosphäre zu entziehen. Bisherige Carbon Capture-Lösungen konzentrierten sich auf die Speicherung von Carbon in unterirdischen Reservoirs ohne dass diese jemals wirtschaftlich Sinn machen würde.

Hier nun stoßen die Obrist-Ingenieure mit einem neuen Ansatz vor, der zu diesem Prototyp-Fahrzeug auf der Basis eines Tesla Model Y führte. Der Methanol-Motor im HyperHybrid soll mit sogenanntem aFuel – atmosphärischen Treibstoff betrieben werden. Mit riesigen Photovoltaikanlagen in sonnenreichen Weltregionen wir der Sahara oder Saudi Arabien soll der Strom aus Sonnenlicht zur Elektrolyse von Wasser, also die Aufspaltung von H2O in Wasserstoff H2 und Sauerstoff O2, herangezogen werden. Aus dem gleichzeitig aus der Atmosphäre entzogenen CO2 kann dann Methanol CH3OH synthetisiert werden.

Die Vision ist nicht nur, CO2 zu entfernen und es in Methanol umzuwandeln, das dann als Kraftstoff verwendet wird und zu einem Null-Emissions-Kreislauf führt, sondern etwa zehn Prozent mehr CO2 zu entfernen, das dann einfach in festen Kohlenstoff umgewandelt wird, der für andere Zwecke wie die Herstellung von Kohlenstofffasern und ähnliches verwendet werden kann. Deshalb sagt Obrist, dass dies das erste kohlenstoffnegative und klimapositive Fahrzeug ist. Je mehr jemand fährt, desto mehr CO2 wird dem Gesamtkreislauf entzogen.

Die Berechnungen scheinen zu zeigen, dass mit dem ersten Gigawatt-Solarfeld ein wettbewerbsfähiger Preispunkt erreicht werden kann. Außerdem kann ein Großteil der Infrastruktur wiederverwendet werden, z. B. der Transport von Flüssigbrennstoffen rund um den Globus oder Tankstellen. Während die Umwandlung von Sonnenlicht in Elektrizität der bessere Ansatz zu sein scheint, scheint die Verteilung des Lichts aus der Wüste an Orte, an denen es tatsächlich benötigt wird, mit den derzeitigen Technologien nicht machbar. Die Verluste wären einfach zu hoch, und die Stromleitungen von der Sahara nach Europa sind nicht vorhanden.Auch wenn wegen der geringeren Energiedichte von Methanol heute doppelt soviel Treibstoff getankt werden muss, ähneln sich die Preise und Aufwände wie bei anderen Flüssigtreibstoffen.

Der Methanolmotor ist übrigens ein symmetrisch angeordneter Zweizylinder-Viertakt-Motor
mit 999ccm, der damit fast vibrationslos ist. Ausgelegt ist er für eine Höchstgeschwindigkeit von 170km/h (140km/h im Dauerbetrieb). Bei der Fahrt wird Geschwindigkeitsabhängig zwischen der Batterie und dem Methanolmotor als Antriebsform gewechselt. Die kleinere Batterie reduziert nicht nur das Gewicht gegenüber der originalen Teslabatterie, sie führt damit auch bereits bei der Produktion zu einem geringern CO2-Fußabdruck pro Fahrzeug.

Die nächsten Schritte für das Obrist-Management sind nun erste Testanlagen um die Praxistauglichkeit zu demonstrieren, sowie Gespräche mit Investoren und Interessenten, um die erste GW-Anlage zu errichten.

Bei einem Besuch konnte ich eine Testfahrt mit dem umgebauten Model Y durchführen und wurde durch das Testlabor geführt. Hier sind ein paar Eindrücke.

Hier ist ein Video von einer Testfahrt mit der Anzeige, wann jeweils der Methanolmotor einschaltet und wann das Fahrzeug mit reinem Batteriebetrieb unterwegs ist.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

2 Kommentare

  1. Ein Konzept, das erst mal ins Grübeln führt. Ein weiterer Plugin-Hyrbid?

    „wird geschwindigkeitsabhängig zwischen der Batterie und dem Methanolmotor als Antriebsform gewechselt.“

    Also der Verbrenner ist als Parallel-Hybrid eingebunden, nicht als range extender. Da die Batterie klein ist kann man während leistungsfordernder Fahrten also nicht mit Verbrenner als Generator arbeiten, da der nicht genug Strom her bringen würde. Der Verbrenner treibt also direkt das Auto an. Wir wissen wie schlecht der Wirkungsgrad von ICE-Antrieben ist (< 20%), aber das würde nicht stören wenn das Methanol „relativ günstig“ sein wird (CO2-neutral ist es ja). Dank günstigem Solarstrom kann das sein, allerdings wird reines Wasser benötigt – was in den sonnenreichen, teils Wüsten-Gebieten eher Mangelware ist. Also es bleibt abzuwarten wie die Produktion hochskaliert werden kann und wie der Preis in D sein wird. Für Araber bleibt die abhängige Verbrennerfahrer-Kundschaft erhalten, (für die Lateinamerikaner kommt sie wohl demnächst hinzu). Jetzt müssen Herr Lindner und Herr Wissing auch noch aFuel durchboxen 🙈. Ach nein, Herr Lindner will ja nur Porsche fahren, mit „Benzin“-Verbrenner.

    Like

Hinterlasse eine Antwort