Irreführende Schlagzeilen: Der Spiegel schiebt Autofrachtschiffbrand ohne Indizien Elektroautos zu

Das Autofrachtschiff Morning Midas hat in der Nähe von Alaska Feuer gefangen und die 22-köpfige Crew konnte nach Löschversuchen nicht viel erwirken und musste das Schiff verlassen. Die Fracht an Bord umfasst 3.000 Autos, davon 2.249 Verbrennungskraftfahrzeuge, 681 Hybridfahrzeuge und 70 (in Worten: siebzig) Elektroautos.

Die Verfasserinnen des Online-Artikels auf Spiegel Online , Birte Bredow (bbr) und Elisa Schwarze (esw) schließen messerscharf auf die Brandursache:

…unter den rund 3000 Fahrzeugen (befinden sich) an Bord mehr als 70 vollelektrische und 681 hybride Pkw [..] und damit leicht brennbare Lithium-Ionen-Akkus..

Sehen wir uns die Zahlen zur Häufigkeit von Autobränden nach Antriebsart aufgeschlüsselt mal genauer an:

  • Elektroautos: 25,1 Brände pro 100.000 verkaufte Fahrzeuge
  • Verbrenner (Benzin/Diesel): 1.529,9 Brände pro 100.000 verkaufte Fahrzeuge
  • Hybride: 3.474,5 Brände pro 100.000 verkaufte Fahrzeuge

Das bedeutet, Elektroautos brennen etwa 60,95-mal seltener als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und 138,98-mal seltener als Hybride. Auch Versicherungsstatistiken und Studien des Fraunhofer-Instituts sowie der US-Behörde NTSB bestätigen: Das Brandrisiko bei E-Autos ist nicht höher, sondern niedriger als bei konventionellen Antrieben. ie mediale Aufmerksamkeit für E-Auto-Brände führt allerdings oft zu einer verzerrten Wahrnehmung.

Was sind die Ursachen für Autobrände je nach Antriebsart?

  • Verbrenner geraten meist durch Kraftstofflecks, elektrische Defekte oder mechanische Schäden in Brand.
  • Elektroautos haben ein anderes Risikoprofil: Die Brandursache liegt meist im Lithium-Ionen-Akku, insbesondere nach Unfällen oder Ladefehlern. Wenn ein Akku brennt, ist das Löschen aufwendiger und der Brand kann sehr heiß verlaufen.
  • Hybride kombinieren beide Systeme und weisen statistisch die höchste Brandhäufigkeit auf, vermutlich wegen der komplexeren Technik und der Kombination von Hochvoltbatterie und Verbrennungsmotor.

Man muss dazu auch wissen, dass unter Elektroautos Hybride nicht subsummiert werden, Batterieelektrische Autos (BEV), also reine Stromer, sind etwas ganz anderes, als Hybride, die nicht nur ein kleines Batteriepack mit Elektromotor, sondern auch noch einen Verbrennungsmotor mit Benzintank an Bord haben.

In Deutschland beispielsweise brennen pro Jahr mehr als 16.000 Verbrennungskraftfahrzeuge.

Was also nimmt man mit, wenn man Brandstiftung begehen will? Oder an einem Grillabend die Kohle anzünden? Eine Batterie oder doch eher Benzin?

Während das Feuer auf dem Schiff noch wütet, kann aktuell über die Brandursache nur spekuliert werden. Die Aussagen der Crew, dass das Feuer sich vom Deck mit dem „Elektroautos“ ausgegangen war, kann momentan also nicht verifiziert werden. Wenn mit „Elektroautos“ auch die Hybride gemeint sind, dann muss hier wohl noch genauer unterschieden werden, denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Brand von einem reinen batterieelektrischen Auto ausgegangen ist, liegt um den Faktor 138,98 unter dem von Hybriden, und dem Faktor 60,95 unter den von „Verbrennern“.

Ähnliche gab es schon beim Fremantle-Feuer. Man erinnere sich: im Sommer 2023 brannte eine Woche lang dieses Autofrachtschiff, und alle sprachen davon, dass die Elektroautos am Brand schuld gewesen waren. Als man das Schiff dann untersuchen konnte, waren die Elektroautos alle unversehrt, gebrannt hatten die Verbrenner.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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