Nur einen Tag nach der Ankündigung des US-amerikanischen Herstellers von Robotaxis, Waymo, in einigen Wochen die ersten Testfahrten in München für die Einrichtung eines Robotaxibetriebs aufnehmen zu wollen, verkündete der erst seit Mai regierende Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause in einer gemeinsam Presseerklärung mit Waymo den nächsten Hammer. Waymo soll dabei schon auf dem Oktoberfest, das am 19. September die Tore zu den Festzelten auf der Theresienwiese öffnen wird, zum Einsatz kommen.
Als erste Neuerung soll beim festlichen Einzug der Brauereiwagen auf die Kaltblüter verzichtet werden, da diese trotz ihres ruhigen Gemüts und großen Kraft mit dem zunehmenden Umfang der stämmigen Braurereitöchter und -söhne, die auf den Brauereiwagen mitfahren, schon in den vergangenen Jahren immer mehr zu kämpfen. Auch trug der Klimawandel und das heiße Wetter dieses Jahr dazu bei, dass für die Pferde nicht mehr ausreichend Hafer in der kraftgebenden Qualität aufgetrieben werden konnte. Jeweils ein oder zwei Waymo sollen die Brauereiwagen durch München auf die Theresienwiese ziehen. Die Pferde hingegen sollen die Hax’nsemmeln in Form von „Pony“-Semmeln als weitere kulinarische Delikatesse und Unterlage für die Alkoholmengen ergänzen. Da muss man nicht unnötige nostalgische Gefühle entwickeln, meinte der OB.
Neben den Traditionsbrauereien Augustiner, Hacker-Pschorr, Hofbräu, Löwenbräu, Paulaner und Spaten wird erstmals auch Waymo-Bräu ein eigenes Festzelt betreiben. Zum Ex-Trinken wird aber nicht auf die Bierbänke gestiegen werden müssen, dafür hat Waymo ein eigenes Fahrzeug vorbereitet, das garantiert bierfest ist genagelten Trachtenschuhen und spitzen Stöckelschuhen widersteht. Mit dem Waymo-Festzelt steht nun erstmals auch den Münchner Digitalnerds eine Heimat bereit, die in den anderen Zelten immer schräg oder sogar feindlich angesehen wurden, wenn sie mal eine Maß Limonade bestellt haben.

Neben leiblichen und musikalischen Genüssen im Festzelt sollen auch andere Unterhaltungselemente nicht zu kurz kommen. Das äußerst beliebte Teufelsrad wird von einem Waymo abgelöst werden, das sich im Kreis drehen und die Dirndlröcke sicherlich hochfliegen lassen wird. Echte Bayern wissen, was die bayrischen Dirndln mit Kilts tragenden Schotten darunter gemeinsam haben. Genau, das Wort Unterwäsche kennen beide nicht. Für zünftige Unterhaltung wird somit gesorgt sein.

Den traditionellen Anstich, gefolgt von den berühmten Worten „O’zapft is!‘, mit dem der Oberbürgermeister das Oktoberfest offiziell eröffnet, wird in einem Waymo erfolgen. Im Ozapfwagen wird ein Zwanzigliterfaß mit edelstem Waymo-Bräu genauso gespannt warten, wie viele Schläge der tamische grüne OB dazu brauchen wird. Mehr als zwei Anschläge, und er kann sich die Wiederwahl in die Haare schmieren. Speziell einem OB aus der grünen Partei wird ganz genau auf die Pratzen geschaut werden.

Nicht nur zum Einzug, auch zum unrühmlichen Auszug der Bier- und Wies’n-Leichen wird Waymo voll im Einsatz stehen. Von der Kotzwies’n zur Ausnüchterungszelle und gelegentlich zum Leichenschauhaus wird Waymo mit einem Traktoranhänger wohl den erwarteten Dauerservice rund um die Uhr laufen lassen müssen.
Waymo bittet die Münchner noch um einen Gefallen. Zwei Designs für den Wies’n-Service haben sich die Amis einfallen lassen und möchte direkt von den Oktoberfestbesuchern hören, welchem Design sie den Vorzug gehen. Einmal Bretzen, einmal Maßkrüge. Man kommentiere seine Ablehnung oder Zustimmung für ein Design mit „Oasch“ oder „Prost“.
Dieses Jahr wird dank Waymo mit einem Rekordbierkonsum gerechnet. Der fahrerlose Robotaxidienst wird von den Münchnern erst recht als Grund genannt, diesmal nicht bei sieben oder acht Maß aufzuhören, weil man noch mit dem eigenen Auto nach Hause fahren müsse, sondern zum ersten Mal lasse man sich mit einem Robotaxi nach Hause bringen. „Da gehen immer noch 2-3 Maß mehr“, meinte Oberbürgermeister Krause.
Na dann: Prost!
Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.




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