Alt mit Neu: Daimler und Uber vereinbaren Kooperation

Wenn sich ein über hundert Jahre altes Unternehmen mit einem gerade mal vor acht Jahren gegründetem zusammen tut, dann ist klar, wer das Sagen hat. Oder? Tatsächlich stehen sich hier ebenbürtige Partner gegenüber, und es ist nicht klar, wer da wen mehr braucht. Zumindest was die Marktkapitalisierung und die Bewertung der Unternehmen angeht, gibt es da kaum Unterschied. Daimler steht mit einer Marktkapitalisierung von 75 Milliarden Euro zu Buche, Uber mit einer Bewertung von 65 Milliarden Euro.

Braucht Uber Daimler, um seine Autos auf die Straße zu kriegen und autonome Technologie zu entwickeln? Eigentlich nicht, stehen doch die hunderttausende Uber-Fahrer mit ihren Autos nicht im Sold oder Besitz von Uber. Auch hat Uber mit Ford und Volvo zwei Autobauer als Partner, die Selbstfahrtechnologie entwickeln und mit ihren Autos in einer Partnerschaft mit Uber die Fahrzeuge bereits in Pittsburgh und San Francisco testen.

Oder braucht Daimler Uber, um auf ein Netzwerk an Fahrgästen im Realbetrieb und den Daten zuzugreifen, und autonome Mercedes zu testen? Mercedes begann bereits Mitte der 80er Jahre mit der Arbeit an autonomen Fahrzeugen, begann aber erst mit dem Bekanntwerden von Googles Anstrengungen mehr Tempo dahinter zu bringen. Trotz all der Bemühungen ist Daimler ins Hintertreffen geraten. Selbst wenn eigene autonome Testfahrzeuge in Nevada unterwegs sind, ein Lastwagen auf einer deutschen Autobahn autonom getestet wird, und Mercedes jetzt eine Testgenehmigung von der Stadt Stuttgart erhalten hat, Google, Uber, Tesla und Co sind die Technologieführer.

Tatsache ist, dass sich die Uber und Daimler noch vor einem Jahr als Frenemies bezeichnenden Unternehmen eine Partnerschaft bekannt gegeben haben, in der Uber Zugriff auf die besten Autos erhält, und Daimler Zugriff auf die Uber-Plattform. Damit sollen die Städte und Straßen rascher sicherer, sauberer, und zugänglich gemacht werden, so der Text der Ankündigung.

Beide können sicherlich voneinander profitieren, vorausgesetzt dass die Firmenkulturen verträglich sind. Beiden fehlt es nicht an Selbstbewusstsein, das schon Daimler bei der Fusion mit Chrysler schwer zu schaffen machte, und Uber fiel in der Vergangenheit mit ethischen bedenklichem Verhalten auf.

Ähnliche Partnerschaften von alten und neuen sind bereits andere Unternehmen eingegangen. So partnerte Google mit Fiat-Chrysler, kaufte sich Volkswagen beim Uber-Konkurrenten Gett ein, General Motors erwarb Cruise Automation, oder Apple bei Didi Chuxing. Erfahrung im Autobau mit der Geschwindigkeit und Erfahrung im digitalen Bereich kommen hier zusammen. Welche der Unternehmen am Ende übrig bleiben ist schwer vorherzusagen. Alles ist möglich.

Glaubt man den Lehren aus der Geschichte, die Harvard-Professor Clayton Christensen aufgezeichnet hat, dann schaffen bei einer Disruption zwischen 50 und 80 Prozent der Platzhirschen der vorherigen Generation den Schritt in die neue Generation nicht. Das würde bedeuten, dass mindestens die Hälfte der heutigen Automobilhersteller die nächste Generation nicht überleben werden. Daimler versucht diesem Schicksal mit Hilfe von Uber zu entgehen. Und mit der Partnerschaft mit Uber verbessern sich damit die Chancen.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch verfügbar.

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