Parkplatzkrise: Ganz anders als man denkt

Parken! Das Lieblingsthema, wenn man übers Autofahren jammern will. Die vorherrschende Beschwerde ist dabei der Mangel an Parkplätzen. Nicht zu weit weg vom Ort zu dem man will, und dann natürlich am besten umsonst. So sieht der ideale Parkplatz aus. Und generell gibt es viel zu wenig davon. So jedenfalls möchte man glauben.

Eine Studie des amerikanischen Datenanalysten Eric Scharnhorst vom Research Institute for Housing America im Auftrag der Mortgage Bankers Association (Kreditverband) zeichnet ein ganz anderes Bild. Städte leiden nicht unter zu wenig Parkplatzangebot, sondern unter zu viel. Und die Zahlen sind überraschend.

An von fünf amerikanischen Städten, New York City, Philadelphia, Seattle, Des Moines und Jackson, zählte er anhand von Satellitenbildern und Steuereinnahmen Straßenparkplätze, Parkflächen und Garagen.

Parkiing.png
Oberflächenparkplätze in Philadelphia (links) und Seattle (rechts), Multispektralanalyse aus Satellitenbildern

In Des Moines in Iowa beispielsweise fand er heraus, dass auf die 83.141 Wohneinheiten insgesamt 1.6 Millionen Parkplätze kamen, das knapp 19-fache, Seattle das 8-fache und in Philadelphia liegt der Faktor bei 3.7. In Jackson erreicht das Verhältnis sogar das 27-fache. Einzig New York hat mehr Wohneinheiten als Parkplätze, von letzteren gibt es aber immer noch 1,85 Millionen.

Stadt Wohn-Einheiten Parkplätze Faktor Wert pro Haushalt [$] Gesamtwert [Mio $]
Jackson 3.694 100.119 27,1 192.138 711
Des Moines 84.045

1.613.659

19,2

77.165

6.420
Seattle 306.979

1.596.289

5.2 117.677 35.790
Philadelphia 587.269

2.172.896

3,7 29.974 17.460
New York City 3.275.628

1.965.377

0.6

6.570

20.550

Berechnet man den Wert der Parkplätze, dann haben alle 1,6 Millionen Parkplätze in Seattle zusammengenommen einen Wert von 35,8 Milliarden Dollar, was einem Parkplatzwert von 118.000 Dollar pro Haushalt entspricht. New Yorks Parkplätze zusammen sind 20,6 Milliarden Dollar wert.

Schon in anderen Studien wurden darauf hingewiesen, dass für jedes Auto vier Parkplätze vorhanden sind. Bei einem Durchschnittspreis von 20.000 bis 30.000 Dollar übersteigt der Gesamtwert aller Parkplätze den aller Autos.

Trotz des Parkplatzangebots sind viele Garagen selbst in Stoßzeiten zu großem Teil leer.  So sind selbst die am stärksten besetzten Garagen oft zu 40 Prozent leer. In Des Moines sind öffentliche Garagen während der Hauptverkehrszeit nur zu 8 Prozent belegt. In Seattle 43 Prozent, nur in New York sind die billigsten Garagen voll belegt.

Diese Parkplätze befinden sich in Toplagen in Stadtzentren. Damit wird wertvoller Grund für Autos reserviert, der oft gar nicht verwendet wird.

Grund dafür ist, dass einerseits viele lokale Bauschriften eine bestimme Anzahl an Parkplätzen bei Neubauten vorschreiben ohne vorher zu eruieren, ob nicht bereits ausreichend Parkraum in der Nachbarschaft verfügbar ist. Andererseits verlangen Baukreditvergeber eine Anzahl an Parkplätzen, ohne die solche Bauprojekte keine Finanzierung erhalten würden.

Bei besonders großzügigen Vorschriften, wo übermäßig viel Parkplätze pro Wohn- oder Büroeinheit vorgeschrieben sind, führt das zu der perversen Situation, dass die Distanzen zwischen den interessanten Stadtbereichen wachsen, da zwischen ihnen Garagen und Parkplätze liegen, was wiederum zu einem stärkeren Gebrauch von Autos mit einhergehenden Parkbedarf führt.

Je mehr Parkplätze vorgeschrieben sind, desto stärker wachsen die Distanzen, desto öfter werden Autos benutzt, und desto mehr Parkplätze werden wiederum benötigt. Ein Teufelskreis. (Ich schreibe darüber ja auch bereits in meinem Buch).

Die Tatsache, dass die Studie in einer Reihe von bereits anderen erschienen ist (weitere sind bereits für andere Städte angekündigt), und dass diese spezielle Studie von der Kreditbranche in Auftrag gegeben wurde, zeugt von eventuell bevorstehendem Umdenken.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

3 Kommentare

  1. Es würde mich interessieren wie die Situation in europäischen Städten ist. Hier in München z.B., oder Paris, London, Amsterdam… Ich würde vermuten dass sich da ein ganz anderes Bild ergibt.

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