Einblicke von einem ehemaligen Waymo Sicherheitsfahrer

Vor ein paar Tagen hatte ich die Gelegenheit mit einem ehemaligen Waymo Sicherheitsfahrer auf ein Bier zu gehen und Einblicke zu erhalten, wie denn diese Tätigkeit so ist.

Sicherheitsfahrer sind die heute in den meisten Bundesstaaten, in denen das Testen autonomer Autos zugelassen ist, vorgeschrieben. Sie sollen Im Falle des Falles die Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen können.

Die betreffende Person war ein Ingenieur, der für einige Monate in diesem Jahr als Sicherheitsfahrer beim Waymo in Mountain View tätig war. Nach einem mehrtägigen Training, in denen die Fahrer mit der Technologie vertraut gemacht werden und Firmenvorschriften kennen lernen, werden sie auch schon auf die teuren Experimentalfahrzeuge losgelassen. Heute hat Waymo alleine mehr als 600 davon im Einsatz.

Die Fahrer erhalten täglich einfach nur die Aufgabe, mit dem Fahrzeug innerhalb des kartographisch erfassten Teil der Bay Area zu fahren. Es gibt insofern keinen Tagesplan, der vorschreibt, was sie zu machen haben. Hin und wieder erhalten sie aber die Aufgabe, rein für Mappingfahrten unterwegs zu sein. Die Fahrzeuge können nämlich auch zur Straßenkartierung herangezogen werden.

Als für die Fahrzeuge schwierig erweisen sich das sogenannte ungeschützte Linksabbiegen (unprotected left turns), also dort wo es bei einer Straßenkreuzung keine Ampeln oder Stopptafeln gibt, und die Fahrten auf Parkplätzflächen, wie sie beispielsweise bei Einkaufszentren vorherrschen. Dort sind für die Fahrzeuge die fehlenden Verkehrsregeln, das ständige vorwärts und rückwärts von ein- und ausparkenden Fahrzeugen, der Fußgängerverkehr, und Objekte wie Einkaufswagen herausfordernd. Außerdem ist nicht immer ganz die Absicht der anderen Verkehrsteilnehmer bestimmbar. Manchmal wartet ein Fahrzeug lange, bis es dann plötzlich vorfährt, weil ein nicht leicht einsichtlicher Parkplatz frei wurde.

Generell aber fühlte sich der ehemalige Sicherheitsfahrer sehr sicher mit dem Fahrzeug. Es fährt auch in einer Weise, die sehr angenehm auf den Passagier – und nichts anderes war er ja die meiste Zeit – wirkt. Er lernte sogar selber vom autonomen Fahrzeug, wie er besser fahren soll. Heute bemüht er sich selbst immer Blinker zu verwenden, und besser aufzupassen.

Er erwähnte auch, dass es vom jeweiligen Charakter des Sicherheitsfahrers abhängt, wie man mit dem Fahrzeug umgeht. Manche sind ängstlicher und übernehmen, weil sie glauben das Fahrzeug mache gerade jetzt einen Fehler, was dann meistens nicht stimmte, andere sind geduldiger. Bei jeder Übernahme der Kontrolle wird im System eingetragen, ob es gerechtfertigt war oder nicht.

Was ihm bei seiner Zeit als Sicherheitsfahrer besonders auffiel war, wieviele Autofahrer (die von manuell gesteuerten Autos) gelangweilt wirken oder sogar zornig. Das konnte er besser beobachten, weil er ja nur ganz selten wirklich sich auf den Verkehr konzentrieren musste, um den kümmerte sich ja das Waymo-Fahrzeuge. Er philosophierte, dass den meisten Leuten gar nicht bewusst ist, wieviel Lebenszeit sie mit Fahren verschwenden und diese Zeit eigentlich besser nutzen konnte. So viel also zum gerne vorgebrachten Argument, „man fahre ja so gerne Auto.“ Der Gesichtsausdruck spricht ein anderes Bild.

Was ihn auch beeindruckte waren die Kollegen in der Entwicklung. Er fand es beinahe schon einschüchternd, wie smart die Leute waren, die diese Technologie voranbrachten.

Viele der Sicherheitsfahrer wechseln auch zwischen den einzelnen Unternehmen und erhalten einen unglaublich guten Einblick in den Stand der Entwicklung. Und für manche bedeutet die Arbeit als Sicherheitsfahrer der Beginn einer Karriere. Dient man als Ingenieur als Sicherheitsfahrer, dann eröffnen sich beispielsweise Möglichkeiten zum Testen als Testingenieur bei einem anderen Unternehmen, das selbstfahrende Autos entwickelt.

Bist Du auch Sicherheitsfahrer und willst über Deine Erfahrungen sprechen? Dann melde Dich doch bitte vertraulich per E-Mail.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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