Erfahrungsberichte der Kantonspolizei Basel-Stadt mit dem Tesla Model X

Viel hören wir von den Erfahrungen von Besitzern mit deren privaten Elektroautos oder von Firmenautos, seltener allerdings vom Einsatz in öffentlichen Dienststellen (wie hier aus New York) mit ganz bestimmten Anforderungsprofilen. Eine solche ist die Kantonspolizei von Basel-Stadt in der Schweiz. Und über deren Erfahrungen mit Elektroautos berichtete mir Feldwebel 1 Bruno Carnot, Leiter Einsatzlogistik Polizei des Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt.

Vor zwei Jahren begann die dortige Polizei über die Anschaffung neuer sogenannter Alarmpikettfahrzeuge, anderswo als Streifenwagen bekannt, nachzudenken. Ein solches Pikettfahrzeug ist das stärkste, rund um die Uhr bereitstehende Fahrzeug in der Stadt, das mit drei Mann Besatzung durch die Stadt fährt. Drei Poliziiten, deren Funktionen aufgeteilt sind in Fahrer, Chef und Schreiber, dienen zur Erstintervention bei Einsätzen bei gewalttätigen Handlungen, häuslicher Gewalt, Raubdelikte, Alarmen oder gröberen Verkehrsunfällen. Sie sind oft die ersten Einsatzkräfte an diesen Orten, was spezielle Anforderungen an das Fahrzeug und die Ausrüstung stellt.

So muss das Fahrzeug eine Zuladung von Materialen und Ausrüstungsgegenständen erlauben, die bei Verkehrsunfällen und Ordnungsdiensteinsätzen verwendet werden. Dazu zählen beispielsweise jeweils drei Ballistikhelme und drei Ordnungsdiensthelme. Gerade das Ballistikmaterial, wie schußsichere Westen, hat ein hohes Gewicht. Im gegebenen Falle muss auch noch eine vierte Person, wie beispielsweise Festgenommene, im Fahrzeug mitgenommen werden können. Und wie man sich vorstellen kann, muss solch ein Alarmpikettfahrzeug auch rasch und zuverlässig Fahrleistung bereitstellen können.

2018 wurde ein Anforderungskatalog mit SWOT-Analyse erstellt, um die bis dahin verwendeten Mercedes E-Klasse 350 4-matic zu ersetzen. Die Anforderungen umfassten unter anderem Allradantrieb für den Schweizer Winter, ausreichend Ladevolumen und Zuladungsgewicht, und auch eine zufriedenstellende CO2-Bilanz.

Die Stadt hatte bereits Erfahrung mit Elektroautos und Hybridfahrzeugen. So werden seit 2011 Mitsubishi i-MiEV und Toyota Auris Hybride eingesetzt (allerdings nicht als Alarmpikettfahrzeuge) und fühlte sich deshalb ermutigt, es mit Elektroautos bei Streifenwagen zu probieren.

Mit dem Anforderungskatalog blieb aktuell nur das Model X von Tesla übrig. Und das wird gemäß Bruno Carnot auch bis 2022 so bleiben, schenkt man den Plänen von anderen Herstellern Glauben, ab wann Elektrofahrzeuge mit vergleichbaren Leistungen auf den Markt kommen sollen.

Inbetriebnahme

Am 27.4.2019 kamen dann die ersten von heute insgesamt sieben Tesla Model X zum Einsatz bei der Basler Polizei. Nach einem Jahr im Dienst haben die ersten Fahrzeuge bereits 40.000 Kilometer abgespult, ohne nennenswerte Qualitätsmängel.

Die auf den Fahrzeugen Einsatz verrichtenden Polizisten besuchten spezielle Schulungen, um die Besonderheiten des Umgangs mit dem Fahrzeug zu verstehen. Eine Dienstvorschrift regelt den Umgang mit den Fahrzeugen. Eine interessante erste Erkenntnis war, dass von der Fahrzeugbesatzung wenn möglich keine Verstellung der Einstellungen vorzunehmen ist. Speziell die Federungen wurden während des Einsatzes manuell hochgestellt, weil es zwar ein besseres Fahrgefühl ergab, aber das zu einer starker Abnutzung der Reifenflanken führte.

Die Motorenleistung der Teslas bei einer Blaulichtfahrt ist auch bei kaltem Wetter unproblematisch. Bei den früheren Fahrzeugen mit Dieselmotoren waren diese anfällig und wurden auch nie richtig warm. Die Model X hingegen fahren sich bei jeder Temperatur wie ein Sportwagen.

Sichtbar wurde das bei Schneelage im Winter. Während frühere Allrad-Fahrzeuge bei solchen Straßenbedingungen bei Slalom- und Kurvenfahrten überfordert waren, blieben die Teslas auf Spur. Damit waren auch die letzten Zweifler überzeugt.

Fahrzeugumbau

Bevor die Fahrzeuge in Betrieb genommen werden konnte, mussten bestimmte Umbauten vorgenommen werden. Von ballistikgeschützten Teilen bis hin Einbauten, die es erlaubte festgenommene Personen sicher zu verwahren. Bei der vergangenen Generation an Alarmpikettwagen kostete solch ein Umbau pro Fahrzeug an die 90.000 Schweizer Franken, bei den Model X 140.000.

Wie sich herausstellte, sind die Falcon Wing-Türen ideal, um einen Arrestanten sicher in das Fahrzeug zu leiten. Auch ist die Geschwindigkeit des Türenöffnens und -schließens in Ordnung, und dank des Tesla-Schlüssel auch aus der Ferne zu bedienen (komplettes Schließen aller Türen), was in Situationen, wo eine Festnahme mit gezogener Schusswaffe vorgenommen wird, mehr Sicherheit bietet. Auf dem rechten hinteren Sitz befindet sich eine Vorrichtung, die die Beinfreiheit einer arretierten Person einschränkt und somit eine Flucht oder einen Angriff auf die Polizisten verhindert.

Die Basler Kantonspolizei hat nun auch die Konzession von Tesla erhalten, die Fahrzeuge selbst umbauen zu dürfen. Das ist wichtig, um nicht die Garantie zu verlieren.

Merkte man bei den ersten erhaltenen Fahrzeugen noch gewisse Qualitätsmängel, so hat sich das mittlerweile erübrigt. Man merkt die Qualitätssteigerung in der Fahrzeugproduktion, die Tesla gelungen ist.

Rekuperation und der Beruhigungseffekt

Die Polizisten werden angehalten, ganz bewusst die Rekuperation anstelle der Bremsen der Teslas zu benutzen, und das nicht nur weil damit Energiesparender gefahren wird. Es sorgt für eine Entschleunigung des Fahrens, da die Fahrzeuge auch in der Blaulichtfahrt das Fahrzeug bei roten Ampeln ausrollen lassen und vorausschauender fahren. Das klingt im ersten Moment widersprüchlich. Sollten die Alarmpikettwagen nicht so rasch als möglich beim Einsatzort sein? Und die Antwort ist ja und nein. Bei Alarmfahrten tendieren die Fahrer durch den Stress in einen Tunnelblick zu verfallen. Von 140 Grad Blickwinkel wird auf 90 Grad eingeengt, was sowohl die Umgebung als auch Besatzung selbst in Gefahr bringen kann. Zugleich steigt der Puls bei solchen Fahrten. Ein ständiges Stopp-and-Go, Anfahren-Anbremsen-Anfahren-Anbremsen, das beim One-Pedal-Drive wegfällt, weil man einfach vom Beschleuniger runtergeht und die Rekuperation abbremsen lässt.

Ein Fokus auf eine Fahrweise mit Rekuperation verhindert den Tunnelblick, der Puls bleibt unten und die Besatzungen kommen mit klarerem Kopf zu einem Einsatzort, wo eine oft verwirrende Situation schnell erfasst werden muss.

Eine durchaus ungewöhnliche und unerwartete Auswirkung eines Elektrofahrzeugs, die mit einer wissenschaftlichen Studie aufgearbeitet werden soll. Jeder Elektroaufofahrer kann das aus eigener Erfahrung bestätigen: Elektroautofahren ist entspannter.

Software & Datenschutz

Weil ein modernes Elektroauto wie ein Tesla aber vor allem eine Softwaremaschine mit vielen Sensoren ist, kann das weitere Anforderungen aufwerfen. So muss sichergestellt werden, dass die eingebauten Sicherheitsfunktionen unterscheiden können, ob sich das Fahrzeug beispielsweise auf Blaulichfahrt, also im Alarmeinsatz, befindet.

Auch die Datenerfassung rief die Datenschützer auf den Plan. In einem Bericht wurden die möglichen personenbezogenen Datenerfassungen analysiert, und auch wo diese Daten gespeichert werden: lokal am Fahrzeug, auf einem Cloudserver, und wo diese standen.

Reichweite

Vor der Einführung der Model X in den Polizeidienst machte das Polizeidepartment eine informelle Umfrage unter den Polizisten, wie viele Kilometer täglich sie fahren würden. Die häufigsten Angaben lagen bei 400 Kilometer am Tag. Tatsächlich zeigt sich nach einem Jahr, dass die tägliche Kilometerleistung um die 150 Kilometer liegt. Bei einer 80%-Reichweite von 400 Kilometern bei den mit einer 100 kWh Batterie mehr als ausreichend. Auch ist es zur Gewohnheit bei den Fahrern geworden, die Fahrzeuge an den 22kW-Ladestationen, die an den Dienstorten installiert worden sind, automatisch während Pausen oder sonstigen dienstlichen Tätigkeiten einzustecken. Auch ist das Supercharger-Netzwerk von Tesla in der Schweiz mittlerweile so groß, dass man immer auch einen Supercharger in der Nähe in der ganzen Schweiz findet. Kein Polizeikorps in der Schweiz fährt so viel, dass sie keine Zeit finden um laden zu können. Bruno Carnot meinte dazu, dass man auch getrost mit einer 85kWH-Batterie auskommen könnte.

Mitarbeiter

Die Mitarbeiter wurden auf den Fahrzeugen geschult, und stießen auf viel Interesse. Manche Mythen konnten ausgeräumt werden (Batteriebrände war so eines) und nach dem ersten Jahr ist es akzeptiert und unter etlichen Einsatzbedingungen besser geeignet und zu bedienen. Auch finden die Mitarbeiter, dass das Fahrzeug sehr leicht zu bedienen Die Bedienelemente seien wohl durchdacht und dem Vorgängerfahrzeug von Mercedes sehr ähnlich.

Betriebskosten

Noch gibt es dazu keine eindeutigen Aussagen, das wird gerade intern erfasst. Zwar waren die Umbaukosten höher und fielen initiale Installationskosten von Ladestationen auf, so scheinen die Strom- und Betriebskosten unter den von Verbrennern zu liegen. Dazu soll es aber noch einen separaten Bericht geben.

Cybertruck

Nach der Vorstellung des Cybertruck im Herbst 2019 steht dieser auch auf der Wunschliste ganz oben. Er scheint für bestimmte Einsatzzwecke ein geeignetes Fahrzeug zu sein, auch wenn es selbst in der Stadt vermutlich weniger Sinn machen würde und zu martialisch aussieht.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

6 Kommentare

  1. Ich weiss gerade nicht was mich mehr stört. Sind es die Schreib- und Grammatikfehler oder die Unwahrheiten? Hm wohl eher die Unwahrheiten. Die meisten Polizisten und Polizistinnen mögen den Tesla nämlich nicht. Die Falcon-Türen sind ein Mist. Erstens Störungsanfällig und sie können nicht immer geöffnet werden. Zudem besteht als Fahrer in einer dynamischen Situation das hohe Risiko den Kopf anzuschlagen… Ich könnte da noch so einiges an Nachteilen des Polizeiteslas, z.B. nasse Sitze bei Regenwetter oder die Fahrzeugbreite, aufzählen aber dazu ist mir meine Zeit zu schade.

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    1. Du kannst ja gerne die Kantonspolizei Basel-Stadt kontaktieren und Dich selbst erkundigen. Scheinbar weißt Du besser über die Erfahrungen der Polizisten in Basel mit den Teslas Bescheid, als die dortigen Polizisten selber.

      Sonst kann ich Dir nicht helfen, auch bei Deinen eigenen Grammatik- und Schreibfehlern nicht, denn dazu ist mir auch meine Zeit zu schade.

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    2. Bei deinem Namen kann man dich ja nicht ernst nehmen. Die Falkentüren kann man immer öffnen sofern nicht ein Baum draufliegt. Da ist eher die Fahrertür problematisch in engen Parkfeldern. Und Nass wird da im Normalfalls gar nix. Die Polizisten die du kennst fahren glaub nicht dieses Auto … Merci Peter Rabbit.. Ich habe deine Geschichten als Kind immer geliebt aber jetzt hast du Zuviel Phantasie 😉

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  2. Endlich mal jemand, der die Wahrheit schreibt! Herzlichen Dank Mario! Leider gibt es noch immer viele Kritiker, die mit „Fakten“ gegen Elektroautos argumentieren. Dies ist aus meiner eigenen Erfahrung und meinem mehrjährigen Interesse dafür ganz klar ersichtlich. Praktisch jeder Punkt gegen eine Elektroauto ist an den Haaren herbeigezogen und entweder komplett gelogen, aufgepeitscht oder für die Diskussion komplett irrelevant.

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  3. einfach mal hier reinschauen: https://www.focus.de/auto/elektroauto/news/tesla-model-x-im-test-alltag-mit-dem-tesla-das-sind-dienervigsten-praxisprobleme-des-model-x_id_11826631.html

    Ich kann bestätigen: Wer mit einem Model X den Autopilot auf der Landstrasse nutzt, ist nach 10 Minuten schweissgebadet. Absoluter Wahnsinn – nääh Elon, is klar – Damit verdient man dann nach Feierabend auch noch Geld als Robotaxi Betreiber 😉 …und klar, das geht alles ohne Lidars!

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