Waymos nächste Schritte in Europa (und Übersee)

Mit Niederlassungen in neun Ländern, davon sechs in Europa, stellt sich nun die Frage, wie die weitere Vorgehensweise von Waymo für die Aufnahme eines Robotaxibetriebs aussieht. Und dazu gibt es bereits Anhaltspunkte aus den USA, wo in einem Dutzend Metropolregionen ein solcher Robotaxidienst bereits in Betrieb ist.

Nachdem Waymo die Technologie bereits entwickelt und im kommerziellen Einsatz hat, sind nicht mehr alle Schritte zu unternehmen, wie in diesem Beitrag beschrieben. Einige Schritte sind allerdings notwendig, doch sind in einem wesentlich kürzerem Zeitraum behandelbar.

1. Physische Präsenz

Nach der Eröffnung einer Niederlassung muss Waymo folgende Prozessschritte durchlaufen:

  1. Physische Präsenz vor Ort: Büro, Depot mit Ladeinfrastruktur, Supportcenter
  2. Fahrzeuge mit dem Waymo Driver (mindestens 50 Stück für eine Region)
  3. Mitarbeiter: Sicherheitsfahrer,Wartung, Kundenservice, Betriebszentrale…

2. Rechtlicher Rahmen

Damit Waymo überhaupt die Robotaxi testen und hochpräzise Navigationskarten in einer Region erstellen kann, benötigt es einer Gesetzgebung und Regulierung, die das erlaubt und einen Pfad zur Lizenzierung eines kommerziellen, fahrerlosen Robotaxidienst erlaubt.

Die lokalen Behörden in den europäischen Ländern (und Japan und Südkorea) stehen vor der Herausforderung, dass sie es mit Waymo dem ersten Robotaxianbieter zu tun haben, der bereits seit Jahren erfolgreich einen kommerziellen, fahrerlosen Robotaxidienst betreibt, während sie selbst kaum Erfahrung damit haben und Kriterien- und Prüfkataloge erstellen müssen, die die Abnahme und Genehmigung ermöglicht.

Ähnlich wie schon bei der Errichtung der Tesla-Fabrik in Berlin-Grünheide ist die Aufnahme eines Robotaxidienstes von Waymo in der Öffentlichkeit und Politik sehr sichtbar. Auch haben sowohl Tesla mit der Fabrik in Schanghai und Waymo mit den Robotaxibetrieben in den USA gezeigt, dass ein sehr enger Zeitraum für die Errichtung und Inbetriebnahme möglich ist, wie auch der Betrieb selbst Stand der Technik ist. Die Schuld für jede Verzögerung wird damit von der Öffentlichkeit und Politik nicht Waymo (oder Tesla) in die Schuhe geschoben, sondern den Behörden, und damit als Widerspiegelung für die Fähigkeit zur Innovations- und Unternehmerkraft des gesamten Landes interpretiert.

3. Technische Vorbereitung

Waymo kann nach Bereitstellung der physischen Präsenz und rechtlichen Rahmenbedingungen mit dem Testfahrten beginnen. Dabei werden einerseits hochpräzise Navigationskarten einer Region mit den Robotaxis erstellt, andererseits Anpassungen zu landes- und regionsspezifischen Verkehrsverhältnissen gemacht. Das betrifft neben Verkehrszeichen, Tempolimits, Halte- und Parkzonen, den Straßenverhältnissen von historisch gewachsenen Städten und Regionen, dem typischen Wetter, einer möglichen Integration in den ÖPNV auch dem landestypischen Verkehrsverhalten menschlicher Teilnehmer.

4. Öffentlichkeitsarbeit

Zusätzlich muss ein Robotaxihersteller das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen. Die Skepsis der örtliche Bevölkerung dreht sich dabei um die Sicherheit der Technologie, die Angst vor Jobverlusten in der Taxibranche, mögliche Einschränkungen und Behinderung im Verkehr und bei Parkplätzen, aber auch die Aversion gegen die hinter den Technologien stehenden milliardenschweren Unternehmen und Eigentümer.

Waymo hat exemplarisch vorgeführt, wie die Öffentlichkeit den Betrieb eines Robotaxidienstes unterstützen kann. 83 Organisationen, vom Blindenverband, Mütter gegen betrunkenes Fahren, Handelskammer, Kinderschutzorganisationen bis hin zu Fahrradclubs brachten unterstützende Anträge beim Genehmigungsverfahren im März 2024 für Kalifornien ein.

Waymo lädt immer wieder zu öffentlichen Veranstaltungen ein, wo nicht nur ein Fahrzeug aus der Nähe betrachtet und probehalber gefahren werden kann, es werden auch Fragen zur Technologie, der Sicherheit, den Hintergründen und Motivation zur Technologie, wie auch was Benutzer, die Öffentlichkeit und auch Einsatzkräfte erwarten können.

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5. Zeitraum

Je nach Region sollte mit einem Zeitraum von 9 – 18 Monaten von Beginn der Tests bis zum kommerziellen fahrerlosen Robotaxidienstes von waymo gerechnet werden. Für anderen Hersteller kann das länger dauern, da noch keiner die Erfahrung von Waymo vorweisen kann.

In London wurde im Oktober 2025 bekannt, dass Waymo dort ein Büro eröffnet hat, im Dezember 2025 wurden dann die Tests aufgenommen, uns frühestens im September 2026 bis Ende 2026 erwartete Waymo den offziellen Betriebsbeginn. Viel länger hingegen dauert es in Tokio. Dort wurde im Dezember 2024 bekannt, dass Waymo ein Büro eingerichtet hat, erste Depots wurden im April 2025 ausgemacht. Doch nach wie vor testet Waymo in Tokio nicht fahrerlos und hat auch keinen Zeitplan für die Aufnahme eines kommerziellen Robotaxidienstes bekanntgegeben.

6. Einflußfaktoren in Europa

Welche der sechs europäischen Länder werden wohl als erste einen Waymo Robotaxidienst haben? Das hängt vor allem von zwei Faktoren ab, und die haben nichts mit Waymo selbst zu tun.

  1. Behördenwille und Bürokratie
  2. Heimische Automobilindustrie und Interessensverbände

Zuerst wird die Bereitschaft von Behörden entscheiden, ob und wie entgegenkommend die Entscheidungsträger dem neuen System gegenüberstehen. Sind diese neuen Technologien gegenüber positiv eingestellt und bereit, schlecht abschätzbare Risiken mitzutragen und sukzessive dazuzulernen und Regulierungen und Kriterien anzupassen, oder erschlagen sie Antragssteller mit bürokratischem Aufwand und Anforderungen (Passierschein A38), die eine Genehmigung hinauszögern?

Eine Anmerkung dazu: so verführerisch die Sorge einer Behörde nach hohen Sicherheitsstandards bei Robotaxis klingen mag, so falsch kann diese Sorge sein. Bisherige Daten lassen schlussfolgern, dass Waymos Robotaxis heute schon sicherer sind als menschliche Fahrer. Mit dem Hinauszögern einer Genehmigung haben Behördenvertreter und Poltiker Mitschuld an jeden Verkehrstoten, der durch ein Robotaxi verhindert werden hätte können.

Als zweiter Faktor spielt die Stärke der heimischen Automobilindustrie und Interessensverbänden eine Rolle. In Deutschland und Frankreich, aber auch in Spanien spielt die Automobilindustrie eine große wirtschaftliche Rolle. Länder wie die Niederlande oder England, ohne signifikante Automobilindustrie, sehen solche Technologien oft als Chance, eine neue Industrie im eigenen Land aufzubauen. In Deutschland oder Frankreich wird das aber als Bedrohung wahrgenommen und den Neuankömmlingen Stolpersteine in den Weg gelegt.

Auch Interessensverbände wir der TÜV könnten ihren Status als Bewahrer von Sicherheit und Zuverlässigkeit nicht verlieren. Auch von Gewerkschaften und Innungen, die Geschäfts- und Arbeitsplatzverluste befürchten – konkrekt Taxiunternehmen und Taxifahrer – werden wohl Sturm gegen Waymo laufen. Gewerkschaftsfreundliche Länder wie Frankreich als auch Deutschland, in denen auch eine hohe Streibereitschaft herrscht, werden es Waymo wohl schwer machen. Weitere Gruppen werden Aktivisten umfassen, die aus teils gerechtfertigten, teils irrationalen Gründen gegen Robotaxi sind.

Ohne entsprechendes Rückgrat von Politik und Behörenseite wird dieses Thema wohl nur wenig vorankommen.

Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit sind die Aktivitäten von Demonstranten gegen die Tesla-Fabrik in Berlin-Grünheide, wo es zu Demonstrationsmätschen, Besetzungen des Baugrunds und sogar zu einem terroristischen Brandanschlag auf Strommasten kam. Auch Uber kann ein Lied dazu singen, wo immer noch Taxifahrer und Innung sich gegen Ridesharingdienste wehren und diese mit Wartezeiten oder Rückfahrten in ein Depot zwingen.

7. Wo startet Waymo zuerst?

Nach all dem Gesagten würde ich nach England (2. Hälfte 2026) auf die Schweiz und Niederlande ab Frühjahr bzw. Herbst 2027 als die nächsten europäischen Länder setzen, die einen kommerziellen, fahrerlosen Robotaxidienst von Waymo haben werden. Folgen werden wohl Spanien und Portugal auf der iberischen Halbinsel, am Schluß der sechs genannten werden dann Frankeich und Deutschland stehen, wo frühestens in der zwieten Hälfte 2027, vermutlich eher 2028 damit zu rechnen ist. Zwischenzeitlich ist sogar zu erwarten, dass andere europäische Länder, in denen Waymo heute noch keine Präsenz hat, vorpreschen werden.

Anhang

Liste von Organisationen, die Waymos kommerziellen Start in Kalifornien unterstützten (Quelle):

  1. 100 Black Men of Los Angeles
  2. 3 Feet Please
  3. American Council of the Blind
  4. Assemblymember Vince Fong (32nd District)
  5. AutoNation
  6. Autonomous Vehicle Industry Association
  7. Bahati Foundation
  8. Bay Area Council
  9. Best Buddies International
  10. BikeLA
  11. Professor Billy Riggs, University of San Francisco
  12. Blinded Veterans Association
  13. Boys and Girls Clubs of Silicon Valley
  14. Breathe Southern California
  15. Brotherhood Crusade
  16. Burlingame/SFO Chamber of Commerce
  17. California Bicycle Coalition
  18. California Chamber of Commerce
  19. California Walks
  20. Center for Council
  21. Central City Association
  22. Chamber of Progress
  23. Chamber San Mateo County
  24. Community Coalition
  25. Congress of Racial Equality of California
  26. DTLA Proud
  27. Easterseals Southern California
  28. Epilepsy Foundation of Northern
  29. California
  30. Foundation for Advancing Alcohol Responsibility (Responsibility.org)
  31. Goodwill of the San Francisco Bay
  32. Greater Los Angeles African American Chamber of Commerce
  33. Greater Miracle Chamber of Commerce
  34. Harvest Home
  35. Heart of Los Angeles
  36. Hispanic Foundation of Silicon Valley
  37. Homeboy Industries
  38. Hundley Foundation
  39. Independent Living Resource Center San Francisco
  40. Integrated Community Collaborative
  41. International Brotherhood of Electric Workers (IBEW) Local Union 617
  42. Professor Jiaqi Ma, Center of Excellence on New Mobility and Automated Vehicles at University of California, Los Angeles
  43. Jobs for the Future
  44. Karsh Center
  45. LA-Tech.org
  46. Los Altos Chamber of Commerce
  47. Los Angeles Business Council
  48. Los Angeles County Business Federation (BizFed)
  49. Los Angeles County Economic Development Corporation
  50. Los Angeles Mission
  51. Margaret Cooper (San Mateo
  52. resident)
  53. Mothers Against Drunk Driving
  54. Mountain View Chamber of Commerce
  55. National Council on Independent Living
  56. National Federation of the Blind
  57. National Federation of the Blind of California
  58. National Multiple Sclerosis Society (Bike MS – Northern California Chapter of NMSS)
  59. National Sleep Foundation
  60. NorCal Spinal Cord Injury Foundation (NorCal SCI)
  61. Palo Alto Chamber of Commerce
  62. Pico Union Project
  63. Safe Kids Worldwide
  64. San Francisco Lighthouse for the Blind and Visually Impaired
  65. San Mateo County Economic Development Association
  66. Santa Monica Chamber of Commerce
  67. Santa Monica Families for Safe
  68. Streets
  69. Self-Help for the Elderly
  70. SHE IS HOPE LA
  71. Silicon Valley Bicycle Coalition
  72. Silicon Valley Leadership Group
  73. South LA Best Buy Teen Tech Center
  74. South Park Neighborhood Association
  75. Southern California Resource Services for Independent Living
  76. Street Racing Kills
  77. Streets Are For Everyone
  78. TEC Leimert
  79. TechNet
  80. United Cerebral Palsy
  81. Veloz
  82. Vista Center for the Blind and Visually Impaired
  83. Westwood Village Improvement Association

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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