DIFAF – Das Institut für autonomes Fahren

Der Job von Fahrschullehrern ist Nerven aufreibend. Generationen an Fahrschülern müssen soweit gebracht werden, dass die Motoren der von ihnen gelenkten Autos nicht abgewürgt, Hindernisse erkannt und nicht überfahren werden, und sie möglichst ohne Sach- und Personenschaden mobil sind.

Nun kommt aber eine weitere Sorge hinzu: dass sie ihren Job gänzlich verlieren. Und das haben sie den selbstfahrenden Autos zu verdanken, die fahrerlos ihre Passagiere oder sonstige Ladung von A nach B bringen.

Das Institut

Genau das hat Mike Fischer, seines Zeichens Fahrschulbesitzer in Gera, erkannt. Nach der Lektüre des Buches Der letzte Führerscheinneuling… beschloss er, nicht zu warten, bis das eintreten würde. Er gründete im Dezember 2017 Das Institut für autonomes Fahren um die Chancen und Möglichkeiten dieser neuen Technologie besser kennen zu lernen, aber auch um Aufklärungsarbeit zu leisten. Zu viele Ängste und Sorgen drehen sich heute um das Thema, und vor allem uninformierte Hirngespinste.

„Jeder Tag ein 9/11…“

Mike verglich die heutige Straßensituation, als ob jeden Tag ein Terroranschlag in der Größenordnung von 9/11 geschehen würde. Jährlich sterben bei Verkehrsunfällen weltweit 1,2 Millionen Menschen, mehr als 10 Millionen werden verletzt. Die 3.500 Verkehrstoten in Deutschland und 375.000 Verletzten bedeuten einen volkswirtschaftlichen Schaden von jährlich 34 Milliarden Euro.

Vision Zero

Als Fahrschulbesitzer sieht Mike Fischer aber nicht die Gefährdung durch autonomes Fahren, sondern er erkennt die Chancen. Die Vision Zero – bei der die Zahl der Verkehrstoten auf Null gesenkt werden soll – benötigt mehrere Maßnahmen. Und als eine Schlüsseltechnologie, um dieses Ziel zu erreichen, drängt sich fast schon autonomes Fahren auf. Immerhin werden 94 Prozent aller Unfälle durch menschliches Versagen verschuldet. Nimmt man den Faktor Mensch raus und ersetzt ihn durch vorsichtigere und aufmerksamere Maschinen, können viele Menschenleben gerettet werden.

Und diese Vision hat ihn beflügelt. Er veröffentlichte einen offenen Brief über soziale Medien und lud Gleichgesinnte ein, mit ihm Visionen auszuarbeiten. „Wenn selbstfahrende Autos kommen, was ist die Vision der professionellen Fahrausbildung?“ war die Fragestellung, und 20 Fahrschullehrer aus ganz Deutschland kamen. Die Erkenntnisse daraus führten zur Gründung des Instituts.

Ziele

Das Ziel und die Aufgaben des Instituts sieht er darin, die Öffentlichkeit über die Technologie aufzuklären und sie verständlich zu machen, sowie die positiven Effekte von autonomen Fahrzeugen – die heute belächelt werden – hervorzustreichen.

Mike vergleicht das mit seiner Arbeit in der Fahrschule mit elektrischen Fahrzeugen. Viele Fahranfänger belächeln diese zuerst, aber wenn sie dann das fahrschuleigene Tesla Model S oder den BMW i3 gefahren sind, steigen sie aus und sagen einfach nur „WOW!“

Er will das Verhalten seiner Landsleute ändern. Statt die Reaktionsweltmeister zu bleiben – „Wir reagieren auf Krisen in aller Welt und lösen sie“ – gehen wir nur selten präventiv vor. „Was kommt in 10-15 Jahren und was können wir jetzt schon tun?

Workshop

Genau dazu diente der Workshop in Gera, bei dem ich Mike Fischer persönlich kennen lernen konnte. Nach einem Einstieg zu den Änderungen in der Automobilbranche lernten die Teilnehmer die Werkzeuge und Methoden kennen, um mittels Foresight Mindset die Zukunft zu beschreiben und Handlungsweisen zu finden. Die Teilnehmer versuchten dabei für sich und die Branche erste Ideen wohin es gehen könnte zu finden.

Nächste Schritte

Mit dem Institut will Mike Fischer drei Themenbereiche abdecken:

  1. Vorträge, Seminare und Kongresse veranstalten
  2. Mit Unternehmen, Kommunen und Städten erarbeiten, wie sich das Lebensumfeld mit selbstfahrenden Autos ändern wird und wie man sich darauf vorbereiten soll
  3. Neue berufliche Leitbilder für betroffene Berufe entwickeln

Im April 2019 soll eine Studienreise zum Thema Autonomes Fahren ins Silicon Valley stattfinden. In der Zwischenzeit sind Interessierte eingeladen, Mike Fischer direkt zu kontaktieren um mehr über Das Institut für autonomes Fahren zu erfahren und/oder mitzuarbeiten.

Christiane Hübscher vom ZDF hat zum Workshop in Gera einen TV-Beitrag und einen Text erstellt. Hier ist der Videoausschnitt:

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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