Elektrisiertes Fliegen – Ein Erfahrungsbericht

Das Geläut der Kuhglocken auf der Weide vor dem Flugplatz Schänis in der gleichnamigen St. Gallener Gemeinde südlich von Zürich ist schon das lauteste Geräusch, das ich die nächste Stunde vernehmen werde. Der Zukunftsforscher und Elektroflugzeug-Weltrekordhalter Morell Westermann hat mich nämlich eingeladen, auf dem Weltrekordflugzeug einen kleinen Rundflug zu unternehmen. Dabei überflogen wir in einer Schleife zuerst südöstlich zum Walensee, und dann über den Zürich- und Obersee, um nach knapp 40 Minuten wieder zu landen.

Das Besondere ist dabei das Flugzeug selbst: es stammt vom slowenischen Kleinflugzeughersteller Pipistrel, der die ersten Elektroflugzeuge produziert. Die Velis Electro ist ein 428 Kilogramm leichter Zweisitzer, deren elektrische Batterie mit einer Kapazität von 24,8 kWh mit einer Kraft von 57,6 kW ein maximales Startgewicht von 600 Kilogramm in die Lüfte bringt. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 108 Knoten (200 km/h) und überbrückt mit dieser Batteriekapazität eine Strecke von 100 Kilometern. Tatsächlich aber könnte durch den Propeller auch rekuperiert werden, wie wir das schon im Elektroauto beim Bremsen und Bergabfahren kennen. Aktuell ist diese Funktion aber noch nicht zugelassen.

Das Auffälligste während des Flugs sind die Stille und das fehlende Vibrieren, die sonst einen Flug dominieren. Diese Eigenschaft des Elektroflugzeugs erlaubt auch den Einsatz der Maschine an Flugplätzen, die für Segelflieger vorgesehen sind und zu Zeiten, in denen Flugverkehr aus Lärmschutzgründen nicht vorgesehen ist. Dieses spezielle Flugzeug wird am Flugplatz Schänis, wo unter den 500 Piloten 350 den Segelfliegerschein haben, vor allem zur Schulung eingesetzt. Damit ist die Maschine vorwiegend für Platzrunden im Einsatz, taugt aber kaum zum Langstreckenflug.

Der Platz in der Maschine selbst ist beengt, dafür bekommt man das Fliegen viel unmittelbarer mit. Man fühlt sich beinahe schon wieder wie die Flugpioniere, die mit Brille und Lederhelm im Offenen saßen. Auch das Instrumentenpanel ist aufgeräumter und übersichtlicher als bei Flugzeugen mit Verbrennungsmotoren. Laut Morell befindet sich die Elektroaviation auf dem Stand, auf dem Elektroautos vor 10 Jahren waren. Von den angestiegenen Investitionen in die Batterieentwicklung für Elektrofahrzeuge profitiert auch die Flugzeugindustrie. Noch gibt es auf dem Fluglatz Schänis, wie auch auf den anderen Flughäfen, noch keine installierten Ladestationen, doch mit den transportablen Ladestationen lassen sich die Flugzeuge schon heute beladen. Im Durchschnitt benötigt der Ladeprozess etwa eine Stunde.

Das Schweizer Wetter jedenfalls war uns wohlgesonnen, und der vorhergesagte Regen und der Wind waren woanders vorbeigezogen.

Hier ein Eindruck vom Flug selbst:

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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