Fast 40% aller Schiffsladungen sind Öl, Kohle und Gas

Vor drei Jahren stand nach meinem Vortrag zu den Änderungen im Automobilsektor weg von Benzin und Diesel hin zu Elektroautos und autonomen Fahren ein Dame im Publikum auf. Sie stellte eine Frage, die – wie Amerikaner sagen – „loaded“ war. Die Frage war schon vorwurfsvoll gestellt und zeigte die Skepsis der Fragestellerin vor diesen Änderungen.

Woher soll nur all der Strom für die Elektroautos herkommen?

Die ehemalige Stadträtin von Baden-Baden hatte sicherlich eine berechtigte Frage, beantwortet war sie rasch. Etwa 10-20 Prozent mehr Energie in Form von Strom wäre notwendig, um den Strombedarf für den Austausch der gesamten Fahrzeugflotte eines Landes wie Deutschland auf Elektroautos umzustellen. Dazu gibt es eine Reihe von Studien.

Die Veranstaltung im schönen Baden-Baden im September 2019

Ich beendete meine Antwort hier aber nicht, ganz im Gegenteil, ich stellte ihr eine Frage: wie viel Energie setzen wir heute bereits ein, um Benzin und Diesel bereitzustellen? Und die Antwort zu dieser selten gestellten Frage, wenn es um Elektroautos geht, ist erschreckend. Ich habe diese Berechnungen vor einigen Jahren vorgeführt und das Ergebnis ist vernichtend. Wir setzen so viel Energie ein, Öl zu fördern, es um die halbe Welt zu verschiffen oder zu pumpen, es dann zu raffinieren, wiederum zu den Tankstellen zu transportieren, und es dann in ineffizienten Verbrennungskraftmotoren zu verheizen, um eine Masse von zwei Tonnen und mehr zu bewegen, wobei unser Körpergewicht selbst gerade mal fünf Prozent der bewegten Masse ausmacht.

Nun stieß ich auf eine Studie der UN Konferenz zu Handel und Entwicklung über die Schifffahrtsindustrie aus dem Jahr 2019, die Zahlen zu den Ladegütern der weltweit Frachtschiffe beinhaltet. Und ja, die Überschrift hat es bereits verraten, fast 40 Prozent der Tonnage der Schiffe, die auf den Weltmeeren und Flüssen unterwegs sind, führen Öl, Kohle, Gas und zu einem geringen Anteil Biomassebrennstoffe.

Fast die Hälfte dessen, was wir über die Meere transportieren, sind weder fertige Produkte (Autos) noch die Rohstoffe zu ihrer Herstellung (Stahl), sondern einfach das Zeug, das wir verbrennen, um diese Umwandlungen zu betreiben und um uns zu wärmen, zu kühlen und zu beleuchten.

Aber nicht nur Schiffe sind es, die diese Brennstoffe transportieren. In den USA alleine gibt es um die 100.000 Tankwagen, die auf den Straßen unterwegs sind, um zwischen Raffinerien und Tankstellen hin und her zu fahren. Mit den all den Konsequenzen von verbrauchten Treibstoff, Umweltbelastung, Staus bis hin zur Gefahr, die von verunfallten Tankwagen ausgeht.

In einer Welt, in der nur mehr Elektroautos fahren, wird das nicht (gleich) auf Null zurückgehen, denn Strom wird auch in den nächsten Jahren noch teils durch fossile Brennstoffe erzeugt werden. Aber wenn wir immer mehr Schiffe von unseren Meeren und Flüssen und Tankwagen von unseren Straßen nehmen können, dann ist das in jeder Hinsicht gut für die Umwelt und die Menschen.

Die Frage der ehemaligen Stadträtin in Baden-Baden hätte ganz anders lauten sollen, wenn sie es ernst gemeint und sie sich eingehender damit beschäftigt hätte. Sie hätte lauten sollen:

Wie viel Energie verbraucht die Bereitstellung von Antriebsenergie für verschiedene Antriebsformen?

Und die Antwort darauf würde uns sofort aufzeigen, wie verschwenderisch wir heute mit Energie und unsere Umwelt umgehen. Wir haben heute schon mehr als ausreichend Energie im Land, aber wir verschwenden sie großzügig für Verbrennungskraftfahrzeuge.

Zum Abschluss noch eine Grafik aus einer Studie von The International Council on Clean Transportation, die die Emissionen über den Lebenszyklus verschiedener Antriebe übersichtlich darstellt:

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

2 Kommentare

  1. Super-Beitrag! Gut geeignet zum Teilen an social media Teilnehmer und Bekannte, die meinen, es wäre Geschmackssache ob man Verbrenner oder BEV fährt.

    Gut wäre noch, im Rahmen der Grafik anzugeben wie dort Life Cycle definiert ist (18 Jahre mit ~ 12000 km mittlerer Jahresfahrleistung bei mittelgroßen Fahrzeugen).

    Gefällt mir

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