Waymo erhielt in 18 Monaten rund 8.300 Strafzettel

Laut Angaben der Stadt San Francisco erhielt Waymo vom Jänner 2025 bis zum 17. Juli 2026 insgesamt 8.309 Strafzettel, alle wegen Falschparkens. Laut Gazetter waren es im Jahr 2025 genau 4.178, und in der ersten Hälfte bereits 4.131. Waymo musste in diesen 18 Monaten $957.008 (€825.898) an Strafen zahlen. Wöchentlich sammelte Waymo damit 106 Strafzettel ein und zahlte $12.000 (€10.356). Zum Vergleich, Im ganzen Jahr 2024 wurden wegen Falschparken gegen Waymo 589 Strafzettel mit einer Strafsumme von $65.065 (€56.145) ausgestellt.

Das ist ein dramatischer Anstieg der Strafen und ein Zeichen des Ausbaus von Waymos Robotaxidienstes. Waymo betreibt mehr als 1.200 Robotaxis in der San Francisco Bay Area, und fast 4.000 in den USA.

Die Daten der Verkehrsbehörde von San Francisco (SFMTA) für den Zeitraum von Januar 2025 bis Juli 2026 zeigen, dass der häufigste Verstoß von Waymo-Robotaxis in der Stadt mit 2.038 Strafzetteln das „Parken auf Halteplätzen“ war, also das Belegen eines Stellplatzes, der für einen bestimmten Fahrzeugtyp wie beispielsweise einen Reisebus vorgesehen ist. Die weiteren häufigsten Verstöße waren das Parken auf verbotenen Stellplätzen, die Behinderung des Verkehrs, das Parken in zweiter Spur und das Blockieren von Radwegen.

Der Ort, an dem am häufigsten Strafzettel ausgestellt wurden, war die 85 North Point Street – einen Block vom Pier 39 am Fisherman’s Wharf entfernt –, wo Waymos 577 Mal einen Strafzettel erhielten. Auffäligerweise lag die zweithäufigste Adresse (mit 369 Strafzetteln) nur zwei Blocks entfernt in der 150 Beach Street, vor einem Parkhaus. Außerdem erhielten Waymos 288 Strafzettel in der Drumm Street, einem 400 Meter langen Abschnitt im Financial District neben der Embarcadero Plaza.

Die Reaktion der Stadt auf Robotaxis mit Strafzetteln wegen Falschparkens muss aber durch eine andere Brille betrachtet werden. Falschparken ist nicht notwendigerweise der richtige Begriff. Die Fahrzeuge halten an, wenn sie bestellt wurden und darauf warten, dass die Fahrgäste ein- oder aussteigen. Zwar besagen die Verkehrsvorschriften in San Francisco, wo und wie weit von der Gehsteigkante ein Taxi (und damit auch ein Robotaxi) anhalten muss, nämlich höchsten 12 Inches (30 Zentimeter) und das nicht auf Bushhaltestellen, vor Hydranten, vor rotmarkierten Gehsteigkanten, vor Einfahrten, auf Fahrradwegen und ähnlichem, doch ist es angesichts der fast 500.000 in San Francisco registrierten Fahrzeugen und der äußerst angespannten Parksituation fast unmöglich solche Stellen zu finden, ohne dass Fahrgäste nicht zu weit von ihrem Stand- und Zielort abgeholt oder abgesetzt werden.

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Diese Situation wirft eine Frage auf, die in der Diskussion untergeht: für wen ist der öffentliche Raum eigentlich gedacht und wer darf ihn nutzen? Sind es geparkte Privat-PKW, Restaurants für ihre Terrassen, Kinder zum Spielen, Nachbarn zum Sitzen, sind sie für Bäume und Begrünung gedacht, das Abstellen von Mikromobilität wie eScooter und Fahrräder, oder für Autos? Und welche Autos haben höherer Priorität? Busse, taxis, Uber, Lyft und Robotaxis, die einer geshärten Mobilität dienen, oder Privat-PKW, die 95% der Zeit nicht benutzt werden?

Diese Frage habe ich erst vor kurzem in einem anderen Beitrag diskutiert, und es empfiehlt sich auch, die Arbeiten des (verstorbenen) Städteplaners Donald Shoup zu Rate zu ziehen, der mit dem vielsagenden Worten „Die hohen Kosten des Gratisparken“ schon im Titel einen Vorgeschmack gibt, wie die Stadt San Francisco und die SFMTA ihre Vorgehensweise überdenken sollte. Mit Waymo als erster Robotaxiflotte in der Stadt, und Zoox, Pony, Tesla und anderen bald folgend, wird sich das Problem nur verschärfen. Im First-Principle-Denken wäre es wohl klar, dass mehr Parkfláchen im öffentlichen Raum für gesharte Systeme un Mikromobilität freigeschaufelt werden sollte, doch dagegen spricht die praktische Tatsache, dass Besitzer von Privat–PKW Wähler sind, die umschmeichelt werden wollen oder sonst endet die politische Karriere von Stadtpolitikern rasch in einer Abwahl. Und die PKW-besitzenden Wähler werden ihre Privilegien nicht widerstandslos abgeben wollen.

Mit anderen Worten: wenn die Stadt Gesetze und Vorschriften erlässt, die realitätsfern und kaum einzuhalten sind (z. B. maximal 30 Zentimeter Abstand zur Gehsteigkante beim Ein- und Aussteigen, kein Doppelparken, keine PUDOs an 95 % der Bordsteine …), dann schafft sich die Stadt damit eine sichere Einnahmequelle. Somit werden mit hoher Garantie weiterhin sehen, wie San Francisco Robotaxiflotten mobbt und sich damit eine goldene Nase verdient, anstelle das gesamte Raummanagement zu überdenken und umzugestalten.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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