Mit der fast gleichzeitigen Vorstellung des Porsche Mission S und des Tesla Roadster ist in Deutschland eine Debatte ausgebrochen, wie innovativ und fortschrittlich deutsche Automobilhersteller sind. Während Porsche von den Enthusiasten und Fans vehemente Unterstützung erhält, sehen andere in Porsche ein Musterbeispiel für den Niedergang einer deutschen Edelschmiede, weil sie die Zukunft nicht versteht und aufgegeben hat, diese mitzubestimmen.
Zur Situation bei Porsche
Porsche hat in den letzten Jahren dramatisch Verkaufs- und Umsatzeinbrüche erlitten. Der Gewinneinbruch 2025 beispielsweise lag bei über 90%, von über €3 Milliarden im Jahr 2024 auf €310 Millionen im Jahr 2025. Auch 2026 sind bereits 16% an Umsatzeinbrüchen zu verzeichnen, wenn sich auch der Gewinn wieder erhöht haben soll, aber trotzdem weit unter den Zahlen von 2024 liegt.
Bedingt wird das nicht zuletzt deshalb, weil die bestehende Porsche-Kundschaft Elektroautos ablehnt, und in China sich eine anfängliche Porsche-Manie in Ernüchterung umgewandelt hat, seit chinesische Hersteller leistungsstärkere, schöner designte, digital besser durchdachte und billigere Autos auf Porsche-Kaliber anbieten. Der Börsenwert Porsches ist auf €37 Milliarden gesunken, nachdem er 2023 noch bei €120 Milliarden lag.
Ähnliches Verhalten der Stammkundschaft zeigte sich auch beim der Motorradikone Harley-Davidson, die nicht mit der elektrifizierten Version seines Motorrads punkten konnte, weil Harley-Davidson-Fahrer vor allem den Sound vermissten, und der Hersteller aus Milwaukee keine neuen Kundenschichten ansprechen konnte. Die Stammkundschaft macht heute vor allem weiße Männer mit weißem Bart über 50 aus. Und die sterben, wie die Porsche-Kundschaft, langsam aus.
Was Tesla zeigte
Tesla wiederum enthüllte die zweite Generation des Roadster, der bereits 2017 angekündigt nun 2028 in die Serienfertigung gehen soll. Dabei war die Vorstellung des Roadster wohl die verrückteste Darbietung, die es je zu einem Auto gegeben hat. Das Fahrzeug fuhr eine Wand hoch, hing kopfüber, machte eine Rolle und landete aus 10 Metern Höhe sanft auf dem Boden. Dann sprang es wie KITT aus der Fernsehserie Knight Rider ohne Rampe dank seiner Pressluftdüsen über 5 Autos, während es eine Rolle vollführte, und beschleunigte von 0 auf 60 Meilen pro Stunde in weniger als eine Sekunde. Ein Auto, das Grenzen verschiebt, und dank Durchbrechen von Industriegrenzen innovative Konzepte demonstriert. Eine Ingenieursleistung der Spitzenklasse, die das Automobil neu denken lässt.
Wer die Vorstellung des Tesla Roadster nicht gesehen hat, hier ist ein Zusammenschnitt:
Was Porsche zeigte
Was hat Porsche gezeigt? Den Mission S, der als herausstechendste „innovative“ Elemente wieder einen Verbrennungsmotor (kein Scheiß!) aufweist, Handschaltung (was für’n Scheiß!), und (auch kein Scheiß) mit nix Digitalem in Form von Touchscreen und so kommt. Stattdessen werden die analogen Anzeigen, die analogen Knöpfe zum Drehen und Drücken und ein Retrodesign als innovative Spitzenleistung deutscher Ingenieurskunst angepriesen, die an die Geschichte Porsches erinnert und an nostalgische Erinnerung unter den vor der Pensionierung stehenden Käufern appelliert.
Warum? Weil man mit der eigenen Elektroautostrategie gescheitert ist. Porsche brachte keinen ausreichend ambitionierten Elektrosportwagen auf den Markt, der Grenzen verschiebt, Sportwagen neu definiert, und neue, jüngere Käuferschichten anzieht.
HOMO SYNTHETICUS
Wie Mensch und Maschine verschmelzen
Künstliche Intelligenz wird sichtbar. In „Homo Syntheticus“ beschreibt Zukunftsforscher Dr. Mario Herger den Aufbruch in ein neues Zeitalter, in dem Maschinen nicht mehr nur denken, sondern fühlen, handeln und lernen. Humanoide Roboter mit künstlicher Haut und autonomem Bewusstsein treten in unser Leben – als Helfer, Kollegen, vielleicht Partner. Gleichzeitig erweitern wir Menschen uns selbst: durch Implantate, Schnittstellen und KI im Körper. Mensch und Maschine nähern sich an, verschmelzen – und stellen unsere Vorstellung von Identität, Ethik und Fortschritt auf die Probe. Ein faszinierender Blick auf die Ära des synthetischen Menschen.
Während Elon Musk noch während der Vorstellung des Roadster die Messlatten für seine Ingenieure weiter verschiebt – „Die Topgeschwindigkeit soll bei halber Schallgeschwindigkeit liegen“, „Wir wollen den Evel Knievel-Stunt mit dem Sprung über den Snake River Canyon nachmachen“, und „Die 0 auf 60 können wir sicher noch schneller machen, wo die Grenze einfach nur die Geschwindigkeit ist, bei der sich die Netzhaut vom Auge des Fahrers löst“ – und damit zu ingenieurtechnischen Höchstleistungen anspornt, bedient sich Porsche an der Vergangenheit.
Porsche betet die Asche an, anstatt das Feuer weiterzutragen.
Der Unterschied zeigt sich an der Börsenbewertung. Bei €1,25 Billionen liegt Tesla bei einer 34-fachen Bewertung als Porsche, selbst bei Porsches Höchstatand von €120 Milliarden war Tesla immer noch das Zehnfache wert. Bewertungen werden oft als abgehoben von der Realität bezeichnet und Kritiker bringen rasch die Meinung vor, Tesla sei „überbewertet“. Doch Aktienkurse und Börsenbewertungen sind ein Indikator, wie zuversichtlich Investoren sind, dass ein Unternehmen sich in bestehenden Märkte bewegt und ob es neue Märkte aufschließen kann. Eine Firma wie Porsche, die in einem Akt der Verzweiflung die Erfolge der Vergangenheit bemühen muss, alte Technologie unter neuem Mäntelchen am Leben zu halten versucht, und sogar Rückschritte im Design und der Benutzung macht, erschließt keine neuen Märkte. Sie bedient alte, kleiner werdenden Märkte. Was aber hilft es, einen großen Anteil an einem Markt zu erobern, der sich unaufhaltsam gegen Null bewegt? Hundert Prozent von Null ist eben Null.
Porsche-Fans springen dabei dem Unternehmen mit haarsträubenden Argumenten zur Seite.
- Porsche liefere, was es verspricht! (Gute Elektrosportwagen?);
- Porsche sei supererfolgreich in der Rennsportgeschichte (Ja und? Wie führt das in die Zukunft?);
- Porsche mache Autos die legal für die Straße und nicht fliegende Autos, die so nie zugelassen würden (Porsche spielt brav im Spielfeld, während Tesla das Spiel neu erfindet und neue Spielfelder schafft. Wer ist da wohl innovativer?);
- Wer braucht solche fliegenden Autos? Porsche macht Autos für die Straße! (Tesla zeigt neue Möglichkeiten auf, indem es Wände zwischen Industrien durchbricht und Synergien schafft, die es so vorher nicht gegeben hat. Z.B. erlauben die Saugdüsen raschere und stabilere Kurvenfahrten, die Düsen helfen beim Beschleunigen, der Stabilisierung in Kurven, und beim Bremsen…);
- Fliegende Autos machen keinen Sinn und braucht keiner (Sportwagen braucht eigentlich auch keiner, schon gar nicht auf öffentlichen Straßen; der gesellschaftliche Nutzen von Sportwagen ergibt sich auch nicht);
- Tesla macht diesen PR-Stunt nur, um seinen Aktienkurs nach oben zu treiben (ehrlich, wenn jemand einen „Stock Pump“ braucht, dann Porsche).
Die Reaktionen waren übrigens brutal. Dutzende Memes sind bereits entstanden und Porsche kriegt ziemlich sein Fett weg.

Um gerecht zu sein, auch über den Tesla Roadster machen sich die Leute bereits lustig, aber hier dringt doch überall eine Bewunderung für die Verrücktheit durch, die nicht wegzuleugnen ist.
Wer sich auf Emotionen, die eine alte Technologie hervorrufe, ausreden muss, gibt zu, dass er Technologieinnovation nicht beherrscht.
Vergessen wir nicht, auch Carl Benz hatte für den Motorwagen 1 keine Straßenzulassung. Es gab einfach kein Kästchen mit der Aufschrift „fahrerlose Kutsche“ in der deutschen Bürokratie von 1886 anzukreuzen. Erst als Bertha Benz, die erste Wagniskapitalgeberin der Automobilindustrie, Ingenieurin, Fahrpionierin, und Motivatorin ihres Mannes, den jungen Startup-Gründer Carl Benz, den Motorwagen 1 ohne Carls Wissen mit ihren beiden minderjährigen Söhnen zu einem 112 Kilometer langen Husarenritt von Mannheim zu ihrer Mutter nach Pforzheim „entwendete“, kam es durch diese „Schwerkriminelle“ (Auto gefahren ohne Zulassung, zwei minderjährige Kinder – ihre Söhne – gefährdet, ihrem Mann zuwidergehandelt) zum Automobilmoment, der Geschichte schrieb. Sie und Carl gingen nicht ran, und bauten danach wieder Kutschen mit Pferden, weil es die Kunden so wollten und mit ihren Pferden echte Emotion und Fahrgefühl erleben wollten, statt mit dem leb- und seelenlosen kalten Motorblock und Metallrahmen.
Die deutsche (europäische) Mentalität
Ein Land, in dem die Medien neue Technologien ständig schlechtreden (siehe dazu die Sentimentanalysen aus der Berichterstattung deutscher Medien zu KI, siehe hier und hier), langhaarige „Philosophen“ und sonstige Moralunternehmer den öffentlichen Technologiediskurs in einer Weise führen, wo der Eindruck vermittelt wird, dass hier die nächste – übrigens nicht aus Deutschland oder Europa stammende Technologie – uns bedroht und die Zivilisation vor dem Ende steht und nur durch radikale Maßnahmen und nichts Anderem gerettet werden kann, Neujahrsansprachen von Politiker (siehe die von Bundeskanzler Friedrich Merz) nur von Ängsten, schwierigen Zeiten und Unsicherheiten, nicht aber (wie beim chinesischen Präsidenten Xi Jinping von Visionen und Fortschritt spricht, dann erkennen wir, das ist nicht nur Porsche, das ist ein systemisch-gesamtgesellschaftliches Problem.
FUTURE ANGST
Wie wir von Innovationsvorreitern zu Innovationsnachzüglern wurden und wie wir die German Angst überwinden
Welche aktuellen Ängste prägen uns? Mit welchen Ängsten waren die Menschen in der Vergangenheit konfrontiert, als es die heutigen Technologien noch nicht gab? Warum mischen wir heute im Wettbewerb der Kulturen um neue Technologien nicht ganz vorne mit? Welche Maßnahmen müssen wir ergreifen, um neue Technologien nicht als etwas Beängstigendes und Feindseliges zu betrachten, sondern als ein Mittel zur Lösung der großen Probleme der Menschheit? Innovationsexperte Dr. Mario Herger stellt in „Future Angst“ die entscheidenden Fragen in Bezug auf Technologie und Fortschritt und zeigt professionelle und zukunftsweisende Lösungen auf. Mit seinem Appell „Design the Future“ bietet Herger einen unkonventionellen und transformativen Ansatz für ein neues, human geprägtes Mindset.
Das Paradox ist dabei, dass sich Deutschland als Land der Dichter und Denker, aber auch der besten Ingenieure der Welt sieht. Eigene Technologie will man an andere vertickern, doch vor Technologien von Anderen (aus anderen Ländern) fürchtet man sich.
Und wenn man es nicht kann, dann versucht man verzweifelt der alten Technologie wie einem Schwein Lippenstift aufzumalen und als das nächste große Dinge anzupreisen. Es mag zwar hübscher sein, das Schwein, aber es ist und bleibt ein Schwein. Es mag zwar der Porsche Mission S hübsch aussehen, es ist aber doch alte Technik. Es gibt zwar Freunde alter Technik, di sind aber in Oldtimerclubs organisiert, typischerweise betagter, und sterben bald weg. Keine Kundschaft, auf die man für die Zukunft bauen kann.
Eigene Technologie hui! Ausländische Technologie pfui!
Gleichzeitig feiern sich Deutschland und Frankreich für die Verschiebung eines „Verbrennerverbots“ in der EU. Und das, obwohl die Richtung weltweit klar ist. Einerseits sind die Benzinpreise so hoch, dass jeder, der sich heute ein Verbrennungskraftauto kauft wohl entweder zu viel Geld hat oder in der Schule nie Rechnen gelernt hat, und andererseits nicht mitgekriegt hat, dass im September 2026 zum ersten Mal mehr Elektroautos und Hybride verkauft wurden, als Verbrennungskraftfahrzeuge.
Porsche ist nur das Symptom, was falsch läuft in Deutschland (und Europa) mit Technologieinnovation. Zu viele profitieren nach wie vor von veralteten Technologien, wollen sie um jeden Preis halten, oder zumindest so lange wie möglich melken, man erfindet dazu auch noch neue, so fortschrittlich und gütig klingenden neue Begriffe – Hallo Technologieoffenheit! – und führt damit dem Land und einem ganzen Kontinent in die technologische Bedeutungslosigkeit.
Nach Deutschland kommen keine Delegationen, um zu sehen, wie Innovation gemacht wird und was die Zukunft an Neuigkeiten bringt, dazu fährt man ins Silicon Valley oder nach China. Nach Deutschland kommt man nur, um ein Museum veralteter Technologien zu besuchen. Die sieht man sich gerne an, wird nostalgisch, zerdrückt eine Träne, will sie seinen Kindern erklären, die aber nur die Augen verdrehen, aber vor die Wahl gestellt, will sie heute niemand wirklich mehr im Alltag einsetzen. Porsche hat uns gezeigt, wo es zum Technologiemuseum geht. Tesla zeigt uns die Zukunft.
Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.



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