Volkswagen ist bereits tot, will es aber nicht wahrhaben

Mehr als 18 Milliarden Euro Rückstellungen alleine für Strafzahlungen, Schadenswiedergutmachungen und Rückkäufen musste Volkswagen bislang auf die Seite legen, die der 2015 aufgedeckte Dieselskandal bislang an Folgen hatte. Und das Ungemach ist bei weitem nicht vorbei. Nun werden auch die ersten Verurteilungen aus Deutschland bekannt. Da betroffene Fahrzeuge ihre Betriebserlaubnis für den Straßenverkehr verlieren, wenn sie nicht repariert werden oder repariert werden können, muss Volkswagen diese von den Besitzern rückkaufen.

Die Marke Volkswagen ist nicht die einzige. Auch Audi steckt tief im Sumpf drin. Und nun fragt man bei Mercedes genauer nach, da hier simple Mathematik einfach nicht zusammenpasst. Berechnet man die Herstellerangaben von Schadstoffemissionen mit dem benötigten Verbrauch an AdBlue, einer Lösung aus Harnstoff und Wasser die Stickoxid neutralisieren kann, dann bräuchten die Fahrzeuge hunderte Liter von dieser Lösung. Und diese kostet entsprechend.

2003 wollte die amerikanische Zeitschrift Consumer Report wissen, was die angeblich sauberen Diesel von Mercedes taugten. Sie fuhren mit einem Mercedes-Geländewagen 25.000 Kilometer durch die USA. Als sie den Wagen danach in die Werkstatt brachten, mussten sie 28 Liter AdBlue um teure 317 Dollar nachfüllen lassen. Dabei scheint selbst das noch zu gering zu sein. Experten schätzen, dass mindestens fünf Prozent der verbrauchten Spritmenge an AdBlue hinzuzufügen ist, um die NOx-Emissionen auf den versprochenen Wert zu reduzieren.

Zurück aber zu Volkswagen. Dort ist die Führung beschäftigt, das Geld für die Aufwände aus dem Dieselskandal zusammenzukratzen – wenn sie sich nicht gerade damit verzettelt, den eigenen Kunden die Schuld am Dieselskandal in die Schuhe zu schieben. Der Gewinnbringer in der Volkswagengruppe ist Volkswagen nämlich gar nicht, zum Geschäftserfolg tragen vor allem Porsche, Audi und der Finanzdienstleistungsbereich bei. Audi beispielsweise musste gerüchtweise vier Milliarden an die Konzernmutter abliefern.

Mit dem jüngsten Urteil in Deutschland, die dem Versuch die Legalität der Abschalteinrichtungen in Europa als rechtlich zulässig zu interpretieren, eine klare Absage erteilte, öffnet sich eine Büchse der Pandora an Schadensersatzklagen, die bis zu hundert Milliarden Euro kosten könnten. Milliarden, die Volkswagen gar nicht hat. Milliarden, die Volkswagen eigentlich in Zukunftstechnologien stecken sollte.

Nur zum Vergleich: die 18 Milliarden, die Volkswagen nun als Rücklage für die USA zurück gelegt hat, sind ein Vielfaches von dem was Tesla und Google zusammengenommen bisher in die Entwicklung von Elektrofahrzeugen und selbstfahrenden Autos gesteckt haben. Teslas Entwicklungskosten und Ausgaben für den Aufbau der Infrastruktur sind ein vergleichsweise kleiner Milliardenbetrag. Obwohl Google keine Zahlen zu den Ausgaben für sein Selbstfahrtechnologieprogramm veröffentlicht hat, schätzen Analysten die Kosten auf 30 Millionen Dollar pro Jahr.

Man stelle sich somit vor, was Volkswagen mit den 18 Milliarden Euro machen hätte können. Und nun muss Volkswagen nicht nur Strafzahlungen finanzieren, deren Höhe bei weitem noch nicht klar ist, sondern sollte eigentlich auch Geld in die Entwicklung von Elektrofahrzeugen und autonomen Fahren stecken. Im selben Atemzug müsste man sich eingestehen, dass der angekündigte Abbau von 30.000 Mitarbeitern bei weitem nicht ausreichen wird. Wir reden mit der chronischen hohen Überbelegschaft bei Volkswagen selbst und dem kontinuierlichen Einbruch der Verkaufszahlen seit dem Bekanntwerden des  Dieselskandals  realistischer von zehnmal so vielen Mitarbeitern, die nicht mehr gebraucht werden, was die Hälfte der VW-Belegschaft darstellt.

Gleichzeitig wird immer offensichtlicher wie beschädigt die Marke Volkswagen ist. Vermutlich irreparabel beschädigt. Egal in welchem Automobilforum man nachsieht, sie sind gefüllt mit Aussagen wie dieser: „Ich habe bislang VW gehabt, aber so ein Auto kommt mir nicht mehr ins Haus.“

Bislang konnte man sich bei Volkswagen noch durchwursteln und vortäuschen, dass es nicht so schlimm kommen wird, weil die Mühlen der Justiz langsam mahlen. Lange wird es aber nicht mehr dauern, und Volkswagen wird zerschlagen werden. Profitable Marken wie Porsche werden verkauft werden müssen, um zu Geld zu kommen. Die Marke Volkswagen wird verschwinden, zu beschädigt ist sie. Auch Audi kann das selbe Schicksal erleiden. Und die Politik wird Volkswagen nicht retten können. Zu ethisch korrumpiert waren Volkswagenmanager und Betriebsräte in der Vergangenheit aufgetreten, als dass man Hilfe eigentlich noch rechtfertigen kann. Die Arbeitsplätze werden so oder so verloren gehen.

Wir erleben hier den Todeskampf des Unternehmens. VW-CEO Matthias Müller ist nur der Totengräber, tödlich verwundet wurde VW von den früheren Chefs Piëch und Winterkorn. Volkswagen ist eigentlich schon tot, will es aber nicht wahrhaben.

4 Comments

  1. Huh ?

    18 Mrd. sind wenig mehr als ein Jahresgewinn der Volkswagen Gruppe. Woher die 100 Mrd. Schadensersatz in Europa, ohne Produkthaftung kommen sollen ist mir auch nicht ganz klar. Wegen des Urteils eines Landesgerichts ? Sorry, aber das ist ziemlich absurd.

    Und der Umsatzrückgang in den USA ? minus 7,8 % auf 24.100 Einheiten ? Das sind rund 2000 Fahrzeuge weniger. Untergang ?
    Zitat WirtschaftsWoche:
    „Volkswagen (Konzern) – 1. Halbjahr 2016

    Krise? Welche Krise? Die Abgas-Affäre scheint die Auslieferungen bei Volkswagen nicht zu bremsen. Pünktlich zum Halbjahr setzt sogar die schwächelnde Kernmarke zur Wende an. Mit 2,925 Millionen verkauften Volkswagen blieb die Marke zwar knapp unter dem Vorjahresergebnis, die Tendenz im Juni zeigte aber um fast fünf Prozent nach oben.“
    Zitat Ende

    Warum sollte die 18 Mrd. verhindern, dass VW Eletroautos entwickelt ? Mal ganz abgesehen davon, dass Telsa ja mit viel geringeren Mitteln Fahrzeuge entwickeln kann, VW verfügt doch längst über die Technologie. Sowohl bei den Fahrzeugen als auch beim autonomen Fahren. Das Ziel der europäischen Entwickler ist ein autonomes Fahren, bei dem der Hersteller die Haftung überimmt. Tesla wälzt die Verantwortung auf den Fahrer ab. Wer sich nur im Stau an der West Coast bewegt den mag der „Autopilot“ begeistern. Durch hessische Käffer oder französische Dörfer landet das System ohne Fahrer schnell im Graben.

    „Zu ethisch korrumpiert waren Volkswagenmanager und Betriebsräte in der Vergangenheit aufgetreten, als dass man Hilfe eigentlich noch rechtfertigen kann“

    Ja, sicher. Man sieht´s an den Banken. Und natürlich würde auch ein Staat niemals einspringen nachdem, sagen wir GM, bewusst Fahrzeuge auf dem Markt gelassen haben, weil die kalkulierten Schadensersatzforderungen für die erwarteten Todesfälle geringer waren als die Kosten für einen Rückruf. Waren sie dann zwar nicht, aber der Staat ist ja dann auch doch irgendwie eingeprungen, wenn ich mich Recht entsinne.

    Aber vielleicht sitze ich einfach nicht genug in schicken Büros mit Glaswänden herum, den SojaLatte in der Hand. Den Blick fest auf die eigene Filterbubble. Da machen dann 13.000 Verluste einfahrende Tesla Gurus ratzfatz 600.000 profitable VW Mitarbeiter überflüssig.

    amüsierte Grüße, Ul

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