Tesla: Elektrische Energie; Deutsche Hersteller: Kriminelle Energie

Während sich Tesla nach Model S und X nun mit dem Model 3 voll auf die Auslieferung seines ersten Elektrofahrzeugs für den Massenmarkt konzentriert, sind die deutschen Hersteller in Skandale verwickelt. Und jeden Tag kommen neue Details an den Tag, die den Glauben an deutsches Ingenieurswesen immer mehr zu einem Mythos verkommen lässt, der durch nichts gerechtfertigt ist. Während in den USA die Leute es kaum glauben können, welche neuen Untiefen von Präsident Trump erreicht werden, trauen wir unseren Augen nicht, wie tief unsere Automobilunternehmen sinken.

Audis Vorstand wurde Großteils ausgetauscht, der Dieselskandal erlebt einen vorläufigen Höhepunkt mit dem Dieselgipfel, bei dem Verbote und Umbaumaßnahmen zu Kosten der Hersteller diskutiert werden, UK, Frankreich und andere Ländern kündigen Verkaufsverbote für Verbrennungskraftmaschinen an, Städte kündigen Dieselfahrverbote an, und dann kommen die illegalen Preisabsprachen der deutschen Autobauer ans Tageslicht. Nicht nur wurden damit die Preise künstlich hochgehalten, auch Innovation wurde damit auf ein Minimum reduziert. Die Leidtragenden sind die Kunden, die deutsche Gesellschaft und der Ruf deutsche Wertarbeit. Hat man eigentlich in Deutschland verstanden, wie devastierend diese Skandale für die deutsche Wirtschaft und deutsche Wertarbeit im Allgemeinen im Ausland sind? Wegen einer Industrie die vor krimineller Energie nur so zu strotzen scheint, werden auch alle anderen Industrien in den Schmutz gezogen.

Die Frage die ich mir stelle ist wie die Mitarbeiter bei den deutschen Herstellern diese Betrügereien so stoisch hinnehmen können? Nicht nur haben sie nun mehrere Jahre Autos gebaut, die nun vorzeitig vom Markt genommen werden müssen – die Mitarbeiter haben also an einem Produktbeschiss mitgearbeitet – ihre eigenen Jobs sind nun mehr denn je gefährdet. Die Gelder, die man in Technologieinnovation hätte investieren können, müssen nun für Umbaumaßnahmen an den Betrugsautos und für Strafzahlungen in Milliardenhöhe verwendet werden. Geld, das für die neuen automobilen Technologien wie Batterien, Elektroantriebe oder autonomes Fahren fehlt.

Ist das für die Beschäftigten alles OK? Ist das „part of the business“? Weil ein paar hundert Manager und Mitarbeiter seit teilweise Jahrzehnten diese Betrügereien durchgeführt haben, sind nun alle gefährdet. Und die Belegschaften kommen nicht auf die Idee ihren Vorständen und Management die Hölle heiß zu machen? Wo sind die VW/Daimler/BMW-Belegschaften die streiken, wo die Gewerkschaften die zum Streik aufrufen, wo die Anleger die die Vorstände und Aufsichtsräte grillen? Sonst sind sie bei jedem noch so kleinen Anlass zum Streik bereit, wenn es aber wirklich um etwas geht – nämlich um die Zukunft von hunderttausenden Arbeitsplätzen in der Industrie, um Millionen weitere im Land, und nichts weniger als der Zukunft ihrer Kinder, dann tun sie nichts? „Wird schon nicht so schlimm werden?“ „Das ist ja eine Verschwörung der Amerikaner!“

Ja habt Ihr sie noch alle? Die Schuld liegt einzig und allein bei uns. Dass wir das gemacht und zugelassen haben. Je eher wir das erkennen, desto rascher können wir retten, was noch zu retten ist. Jeder Tag der mit Verweigerung der Realität verloren geht, macht es nur schwieriger. Es ist Zeit die Samthandschuhe auszuziehen und nicht mehr so zimperlich und entgegenkommend mit einer auf offensichtlich starker krimineller Energie funktionierenden Industrie umzugehen. Die Politik hat da vorzupreschen. Es geht nicht mehr um die Arbeitsplätze in der Autoindustrie selbst, sondern um den Wohlstand des ganzen Landes.

Währenddessen bestätigt Elon Musk, dass bisher eine halbe Million Model 3 Bestellungen eingegangen sind. Auch hier haben die Apologeten ihre Gegenargumente parat. „Erst mal muss Tesla zeigen, dass sie so viele Elektroautos bauen können. Deutsche Hersteller können das schon lange.“ Nun ja, kein einziger deutscher Hersteller baut nur annähernd so viele Elektroautos wie Tesla (oder die Chinesen). Vier Jahre sind ins Land gezogen, und kein deutscher Hersteller hat ein Elektroauto auf dem Markt, dass es mit dem Model S, 3 oder X aufnehmen kann. Vier Jahre!!!

Die Deutsche können das also schon gar nicht. Und darauf zu verweisen, dass man deutsche Hersteller ja Millionen von Autos produzieren ist so als ob die Kutschenindustrie um 1900 darauf hingewiesen hätte, dass Carl Benz ja gerade mal 1.000 Stück Autos baut, während die Kutschenindustrie jedes Jahr eine Million auf den Markt bringt. Die deutsche Industrie verlässt sich lieber auf Hybride, so als ob um 1900 Carl Benz noch das Pferd als Reserve drin gelassen hätte.

Die Technologie ist anders. Nicht das Blechbiegen, sondern die digitale Technologie zählt. Und da hat Deutschland schon verloren. Deutschland, ja selbst Europa, hat kein einziges digitales Unternehmen von Weltrang, keines das auch nur annähernd in die Dimension von Apple, Facebook, Microsoft, Google und Co kommt. Digital können wir nicht, und die Autos dieser zweiten Automobilrevolution sind iPhones auf Rädern.

Dass unsere Hersteller ihre Energie in kriminelle Aktivitäten gesteckt haben, anstelle in zukunftsträchtige Technologien, verstärkt nur den Effekt des Reversen Mooreschen Gesetzes, an dem Deutsche kranken. Vor allem jetzt wo das Silicon Valley und China Blut geleckt haben vergrößert sich der Abstand immer mehr.

Angesichts all der zutage kommenden Aktivitäten und der halbherzigen Lösungsvorschläge, der Ambitionslosigkeit, dem Nichtstun der Beteiligten und Hintergangenen sehe ich keine Zukunft für die deutsche Autoindustrie. Wir müssen uns darauf einstellen, dass sie bereits verloren hat und wir mit dieser Industrie nicht mehr den Ton angeben. Und nicht Tesla oder die Amis oder die Chinesen sind schuld daran, wir haben einzig und alleine uns das zuzuschreiben.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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