Tipping Point: Gericht erlaubt Dieselfahrverbote

Jetzt ist genau der Fall eingetreten, auf den wir in unserer Death Watch der deutschen Automobilindustrie seit langem hingewiesen haben.

Das deutsche Bundesverwaltungsgericht stellt es Kommunen frei, Fahrverbote für Dieselfahrzeuge zu verhängen.

Was als Dieselskandal bei Volkswagen begann, bei dem die amerikanischen Behörden illegale Abschalteinrichtungen Dieselfahrzeugen aufdeckten, wo im Realbetrieb die Abgasemissionen um ein Zigfaches der zulässige Werte überschritten wurde, hat sich mittlerweile auf alle deutschen Hersteller ausgeweitet. Sowohl Mercedes als auch BMW (letztere wollen ‚irrtümlich‘ die falsche Software aufgespielt haben) haben Abschalteinrichtungen verwendet, die erkennen, ob ein Fahrzeug am Prüfstand steht oder tatsächlich gefahren wird. Abhängig davon wurden die Emissionen reduziert oder erhöht.

Seit dem Bekanntwerden sind die Dieselverkäufe eingebrochen. Statt mehr als der Hälfte machen Dieselverkäufe nur mehr knapp ein Drittel der Neuzulassungen aus. Auch die Gebrauchtwagenpreise bei Diesel brachen ein. Nachdem erwartet wird, dass die wegen hoher Stickoxidbelastungen unter Druck geratenen Städte und Gemeinden von der Möglichkeit Dieselfahrverbote auszusprechen Gebrauch machen werden, ist bei den Herstellern mit weiteren Einbrüchen in den Dieselverkaufszahlen zu rechnen.

Gleichzeitig herrscht große Verunsicherung bei den Besitzern von Dieselfahrzeugen. Den europäischen Kunden wurden bislang – ganz im Gegensatz zu amerikanischen Kunden – keine Entschädigungen angeboten. Hier versagt die europäische und deutsche Politik massiv.

Tipping Point

Für alternative Antriebe wie Elektrofahrzeuge ist das der Tipping Point. Der Umstieg auf Elektroantrieb ist nun kaum mehr aufzuhalten. Schon heute kann die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen nicht befriedigt werden, Wartezeiten von neun Monaten und mehr sind keine Seltenheit. Schon Tesla hat mit fast einer halben Million an Vorbestellungen für das Model 3 gezeigt, wie stark die Nachfrage nach Elektroautos sein kann. Momentan verdoppeln sich im Schnitt alle 12 Monate die Zulassungen von Elektrofahrzeugen.

Während deutsche Hersteller sich über Tesla lustig machen, das Model 3 nicht so rasch liefern zu können wie angekündigt, so sehr fror ihnen das Lachen ein, weil sie es selber ebenso wenig schaffen, die Produktion der wenigen Elektroautos die sie heute anbieten, wie den VW e-Golf oder den BMW i3, hochzufahren. Seit Jahren kündigen die Hersteller auch immer wieder eine ganze Reihe an Elektroautos an, die innerhalb der kommenden ‚drei‘ Jahre auf den Markt kommen sollen.

Wie sehr die Hersteller umdenken müssen zeigt sich am Beispiel BMW. Dort versucht der Standort Steyr, der fast alle Motoren für BMW baut, sich nun als Standort füt Elektroantrieb zu positionieren. Und das gegen München, das sich selbst als der Elektroantriebsstandort innerhalb der Gruppe sieht.

Bedenkt man, dass von den heute im Motorenbau Beschäftigten nur mehr ein Zehntel an Mitarbeitern bei Elektroantrieben benötigen wird, sind die Arbeitskonflikte vorhersehbar.

Für die Elektromobilität, die Städte und Gemeinden, und die Umwelt ist diese Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts eine positive Entwicklung. Für die deutschen Hersteller und Mitarbeiter der endgültige Weckruf. Ob sie den Umstieg schaffen werden, ist aber nicht sicher.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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