NIO baut Strecke auf Autobahn für Batterieaustausch auf

Die Idee Batterien in Elektrofahrzeugen nicht einfach aufzuladen, sondern auszutauschen, ist so alt wie elektrische Autos selbst. In jeder Generation gab es Beispiele. So hatte Mercedes bereits 1972 dieses Konzept mit dem Elektrobus LE 306 vorgestellt, von dem sogar 89 Stück gebaut worden waren.

Mercedes Elektrobus LE 306 aus dem Jahr 1972

In jüngster Zeit versuchte sich am prominentesten das vom ehemaligen SAP-Entwicklungsvorstand Shai Agassi 2007 gegründete Better Place. Das gesamte Konzept war darauf ausgelegt, ein Batterieaustauschsystem für Elektroautos aufzubauen und zu betreiben. In nur sechs Jahren allerdings ging das Unternehmen trotz 850 Millionen Dollar Investitionen pleite.

Better Place Batterieaustauschstation

Auch Tesla zeigte 2013 ein Batterieaustauschsystem vor. Der Austausch wird dabei doppelt so rasch vorgenommen, als das Betanken eines leergefahrenen Audi A8 benötigt. Trotz dieser Demonstration hat Tesla diese Idee nicht weiterentwickelt.

Nun allerdings hat der chinesische Elektrofahrzeughersteller NIO diese Idee wieder aufgegriffen und 18 Batterieaustauschstationen auf einem 2.000 Kilometer langen Autobahnabschnitt in China eingerichtet. Auf dem G4 Expressway, der die unter anderem die Städte Shijiazhuang, Zhengzhou, Wuhan, Changsha und Guangzhou verbindet können Besitzer des NIO ES8 Batterien austauschen.

Wie schon beim Nissan Leaf sind die Batterien im ES8 nur geleast, im Gegensatz zu Tesla. Alle NIO-Besitzer sollen dabei bis zu zwölfmal im Jahr Batterien austauschen können. Bis 2020 sollen 1.000 Austauschstationen eingerichtet werden. Damit wird den NIO ES8-Besitzern neben Beladen von Fahrzeugen eine weitere Alternative bereitgestellt.

Vom ES8 wurden seit dem Produktionsbeginn im Sommer 2018 insgesamt 3.350 Stück in China ausgeliefert. Selbst in den USA habe ich ein Fahrzeug in San José gesehen, in unmittelbarer Nähe zur dortigen NIO-Niederlassung.

Batteriaustauschsysteme wie diese stellen aber die Unternehmen vor eigene Herausforderungen. Das Vorhalten von ausreichend Batterien an den Ladestationen ist sehr platz- und kapitalintensiv. Auch ist damit für die Fahrer unmöglich einzuschätzen, wie andere Fahrer mit diesen Batterien umgegangen sind, und wie als Ergebnis daraus deren Kapazitätsverhalten ist. Mit zunehmender Reichweite und steigender Ladegeschwindigkeit fiele auch der eigentliche Grund für einen Batterieaustausch weg, der heute mit der Zeitersparnis argumentiert wird.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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