Amazon wird die Post, UPS und FedEx verdrängen

Die jüngsten Gerüchte um eine mögliche Akquisition des Silicon Valley Start-Ups Zoox durch Amazon, heizt die Spekulationen um die Pläne des Online-Retailgiganten. Das 2014 gegründete Start-Up entwickelt nicht nur Technologie für autonome Autos, es arbeitet auch an einem sogenannten omni-direktionalen Fahrzeug selbst.

Interessant scheint vor allem Amazons Interesse an autonomen Systemen. So ist das Unternehmen in einem Wettbewerber von Zoox mit $530 Millionen investiert. Aurora, gegründet von Ex-Waymo-Entwicklungsleiter Chris Urmson, dem ehemaligen Leiter des Tesla-Autopiloten Sterling Anderson, und Ex-Uber ATG Leiter Drew Bagnell, entwickelt Selbstfahrtechnologie.

Ebenso tätigte Amazon weitere Investitionen in Rivian, einem Start-Up, das einen elektrischen Pick-Up Truck auf den Markt bringen will. Desweiteren hat Amazon selbst eine eigene Abteilung, um autonome Systeme zu entwickeln, und arbeitet an der Entwicklung autonomer Drohnen und Zeppeline als Drohnenplattform.

Sobald man diese Puzzlestücke zusammenfügt, und die politischen Diskussionen um die amerikanische Post USPS – Präsident Trump, der mit den Amazon-Gründer und Eigentümer der Trump-kritischen Washington Post, Jeff Bezos, in Konflikt steht bislang und ein COVID-19-Hilfspaket für die USPS verhindert hat, und deren Paketpreise für Amazon kritisiert – kennt, dann beginnt hier die lange Nase der Innovation.

Lange Nase der Innovation

Amazon zeigte bislang schon sehr aggressiv in vielen seiner Entwicklungen und der Vergleich mit einem anderen Dienst zeigt eine Blaupause für Amazons Plan. Amazon entwickelte für seine eigene Online-Retailseite eine hochskalierbare Cloudlösung, die es erlaubte, Millionen von zeitgleichen Zugriffen auf der Website zu ermöglichen. Anstatt an dieser Stelle stehen zu bleiben, und, wie das bei allen anderen Industrien der Fall ist, diese IT-Lösung als Kostenfaktor zu betreiben, öffnete Amazon aus der Cloudlösung eine Dienstleistung für andere. Mit Amazon Web Services AWS wurde Amazon binnen kürzester Zeit zum führenden Cloud-Anbieter, auf denen unter anderem Netflix seine Filme hostet.

Aktuell verlässt sich Amazon für die Auslieferung bestellter Waren an die Kunden auf Zustelldienste wie die Post/DHL, UPS FedEx. Das ist sowohl ein Kosten- als auch Zeitfaktor. In den vergangen Jahren ging Amazon u.a. mit Prime immer mehr in die Richtungen, Zustellungen noch am selben Tag zu ermöglichen. In der COVID-19-Krise stellte Amazon sogar mehr als 500.000 Mitarbeiter alleine in den USA ein, um den drastischen Anstieg der Onine-Bestellungen abwickeln zu können.

Amazon könnte durch die Entwicklung eigener autonomer Lieferroboter, autonomer Lieferfahrzeuge, und autonomer Drohnen die Kosten senken und eine Zustellung von den eigenen Verteilerzentren oder Partnerstores auf wenige Stunden oder sogar unter einer Stunde drücken. Dabei wären in den Zustellfahrzeugen keine Menschen mehr notwendig, die damit auch keine Kosten verursachen. Ebenso könnten Rücksendungen viel benutzerfreundlicher geschehen. Kunden müssten ihre Pakete dann nicht mehr zur Post oder eine anderen Zustelldienst bringen, ein Roboter oder eine Drohne würde sie beim Kunden abholen.

Amazon hätte damit einen unschlagbaren Lieferservice in der Entwicklung, der jeden anderen, traditionellen Zustelldienst aus dem lukrativen Paketmarkt drängen könnte. die Post, UPS oder FedEx verfügen weder über die finanziellen Reserven, noch über die Technologie, um diesen Schritt zu tun. Die eigenen Prozesse und die Historie der Unternehmen verhindert sie, diese disruptive Innovation selbst in Gang zu setzen. Mit diesem Schritt könnte Amazon die gesamte Liefer- und Lagerkette beherrschen und sich selbst zum größten Transportdienstleister hocharbeiten, den die Welt je gesehen hat.

Viel hängt allerdings davon ab, wie rasch autonome Systeme zuverlässig entwickelt und zugelassen werden können und sich in existierende Verkehrsinfrastruktur integrieren können. Zumindest die Lieferungen per Drohne werden dank konservativer Flugaufsichtsbehörden vermutlich noch etwas längere Zeit in Anspruch nehmen.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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