Daimler macht Gewinn! Ein Grund zur Freude?

Mercedes Type 170 H - 1937

3,6 Milliarden Euro Gewinn machte Daimler 2020, mit €1,2 Milliarden um fast fünfzig Prozent mehr als 2019. Nach Abzug von Minderheitenanteilen sind das sogar vier Milliarden Gewinn. Und das trotz des Krisenjahres 2020 und eines damit bedingten Umsatzeinbruch, der im Vergleich zu 2019 um elf Prozent auf 154 Milliarden Euro fiel. Auch der Fahrzeugabsatz lag mit 2,8 Millionen um 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Damit fällt auch die Dividende üppig aus, nämlich€ 1,4 Milliarden, 1,35 Euro pro Aktie und damit gleich um 45 Cent mehr als 2019, sollen nun an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

Friede Freude Eierkuchen bei Daimler? Die Fragen, die wir uns stellen sollten sind:

  1. Wie schaffte es Daimler im Krisenjahr 2020 diese Gewinnsteigerung trotz Absatzverlusten zu generieren?
  2. Inwieweit wirkte sich das auf die Bezüge des Vorstandes aus?
  3. Was sind die kurz- und mittel- bzw. langfristigen Auswirkungen auf das Unternehmen?

Ad 1: Noch im 2. Quartal schrieb Daimler einen Verlust von zwei Milliarden Euro, um dann im 3. Quartal wieder mit €3,07 Milliarden im tiefschwarzen Bereich zu sein. Zwischenzeitlich hatte man Werke geschlossen (Hambach) und 30.000 Mitarbeiter weltweit abgebaut. Noch wissen wir die genauen Zahlen nicht, aber neben diesen Kosteneinsparungen sind vermutlich auch andere Investitionen zurückgefahren worden. Typisch Beispiele sind dabei jene in Forschung und Entwicklung, die sehr rasch gewinnsteigernde Auswirkungen haben.

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Ad 2: Bei den Daimler-Vorständen wirkte sich dieser Gewinn positiv aus. Ola Källenius konnte sein Vorjahresgehalt von 3,5 Millionen auf 5,9 Millionen Euro im Jahr 2020 steigern, und auch die anderen Vorstandsmitglieder erhielten im Durchschnitt 3 Millionen Euro pro Kopf. Die Bezüge des gesamten Vorstandes kommen 2020 auf 26,7 Millionen um 3,6 Millionen Euro mehr als 2019. Der Aktienkurs vom knapp 13 Dollar Anfang 2020 fiel Anfang März zu Beginn der Lockdowns auf unter sechs Dollar, um im Februar 2021 dann sogar 20 Dollar zu übersteigen. Eine Steigerung um 50 Prozent seit Anfang 2020.

Das Gehalt ist bei Vorständen üblicherweise an den Unternehmensgewinn und den Aktienkurs gekoppelt. Und damit lassen sich auch immer gewisse Maßnahmen erklären. In einer Studie der drei Wirtschaftswissenschaftler Alex Edmans, Vivian Fang und Katharina Lewellen stellte sich heraus, dass Manager ungewöhnlich häufig ihre F&E-Ausgaben in einem Quartal kürzen, in dem sie eine große Anzahl von Aktienoptionen verkaufen können. Da die Sperrfristen für Aktien Jahre im Voraus festgelegt werden, scheint dies ein prima-facie-Beweis dafür zu sein, dass Manager immaterielle Investitionen kürzen, um die Erträge zu verbessern und ihrem Aktienkurs einen Schub zu geben, wenn es für sie am wichtigsten ist.

Ad 3: Die gesetzten Maßnahmen (Werkschließung, Stellenabbauten, Einsparungen) führen kurzfristig zu Gewinn- udn damit auch Aktienpreissprüngen. Das wirkt sich für einen zumeist auf vier Jahre bestellten Vorstand in den Gehältern und möglichen Aktienoptionen, wie auch bei den Dividendenausschüttungen positiv aus. Doch diese spezifischen Maßnahmen sind nur beschränkt oft möglich. Ein Golden Handshake, bei dem vor allem diejenigen – noch nicht Rentenberechtigten – Kollegen gehen, die die größten Chancen haben, bei anderen Unternehmen unterzukommen, bedeutet, dass die größten Talente das Unternehmen als erste verlassen. Einsparungen im F&E-Bereich sind mehr oder weniger eine Investitionsschuld die man aufnimmt, die einem dann später fehlen wird, wenn man sie nicht raschest korrigiert. Gerade in einer Zeit, wo ein großer Umbruch wie aktuell mit Elektroautos und autonomen Fahren vor sich geht, kann jede Investitionsrücknahme zu einem überproportionalen Technologierückstand führen.

Desweiteren werden 30 Prozent des Jahresgewinnes als Dividende an Aktionäre ausgeschüttet. Angesichts des massiven Investitionsbedarfs und im Vergleich zu den Aktienkursentwicklungen und damit den Finanzierungsmöglichkeiten von neuen Konkurrenten wie Tesla, BYD oder NIO, scheint diese Dividendenausschüttung unangebracht. Die Finanzierung dieser neuen Technologien sind so teuer, dass es schwer wird für Daimler, diese alleine zu stemmen. Und Daimler ist weit zurück, wie man beispielsweise aus dem Disengagement Report 2020 beim autonomen Fahren sieht und bei einem Rückstand von acht Jahren bei Elektroautos, wo erst im Herbst 2021 mit dem EQS ein konkurrenzfähiges elektrisches Premiumfahrzeug auf den Markt kommen soll.

Angesichts dieser Aspekte fürchte ich, dass es mittel- und langfristig keinen Grund zur Freude über den diesjährigen Gewinn gibt. Es könnte bedeuten, dass sich Daimler noch einmal mit einem guten Ergebnis, angesichts des angekündigten Unternehmensplit in Daimler Trucks und die PKW-Sparte Mercedes Benz, für einen Käufer herausputzen wollte. Es könnte für Daimler einer der letzten Gewinne als unabhängiges Unternehmen gewesen sein.


Übrigens: Der Mercedes-Käfer im Artikelbild ist echt. Ich habe dieses Bild in der Cité de l’Automobile in Mulhouse in Frankreich aufgenommen, auch bekannt als Collection Schlumpf. Hier ist die Beschreibung von der Website des Museums:

Die Ähnlichkeit dieses Fahrzeugs mit dem VW Käfer ist kein Zufall. Beide wurden von Ferdinand Porsche entworfen, der 1933 während seiner Zeit bei Mercedes an einem kleinen Heckmotor-Automobil gearbeitet hatte.
Drei aufeinanderfolgende Versionen wurden von Mercedes ab 1934 verkauft, und dies ist ein Beispiel für die dritte Version.
Dieses Auto hat Heckantrieb und einen wassergekühlten Vierzylindermotor mit seitlichen Ventilen, eine Idee, die nach dem Krieg von Renault in seinem berühmten 4 CV aufgegriffen wurde. Dieses Auto hatte jedoch einen großen Fehler. Sein Heckmotor und die X-förmige Chassis-Plattform gaben ihm ein sehr schlechtes Fahrverhalten. Es wurden nur 1500 Einheiten produziert. Da die meisten davon im Krieg zerstört wurden, ist dieses Exemplar heute selten.

Ferdinand Porsche verließ Mercedes, um seine eigene Konstruktionsfirma zu gründen. 1938 entwarf er einen luftgekühlten Motorwagen mit Heckmotor, den das Nazi-Regime unter dem Namen „Volkswagen“, dem Volksauto, in Serie gehen lassen wollte. Der Käfer hält bis heute zwei Rekorde – über 24 Millionen Stück wurden in mehr als 60 Jahren produziert.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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