Sono Motors und das Deutschlandproblem

Das deutsche Elektroauto-Startup Sono Motors ist mal wieder auf Crowdfunding-Tour. Es ist dabei die bereits zweite dieser Aktionen. Die erste fand im Jänner 2021 statt, wo die Münchner nach dem Scheitern von Verhandlungen mit wichtigen Investoren innerhalb von 50 Tagen 53 Millionen Euro einsammeln konnten. In vorherigen Runden zwischen 2017 und 2018 hatte Sono 11,8 Millionen von Risikokapitalisten eingesammelt, nach der Crowdfunding-Runde nochmals 45 Millionen Euro von DNCA Finance und Swedbank Robur.

Im November 2021 ging Sono Motors an der NASDAQ dann mittels einer SPAC dann an die Börse, was dem Unternehmen 150 Millionen US Dollar in die Kassen spülte. Insgesamt hat Sono Motors somit bis dato um die 260 Millionen Dollar eingesammelt.

Aktuell versucht Sono Motos 3.500 fixe Vorbestellung mit einer Vollanzahlung zu erreichen, die dem Unternehmen einen Rettungsanker von 100 Millionen Euro geben würde, um die Produktion aufzunehmen.

Doch das reicht vermutlich bei weitem nicht, um ein neues Auto zu entwickeln, und (nachhaltig) zu fertigen. In der Regel muss man mit mindestens 500 Millionen für die Entwicklung und mit weiteren 500 Millionen für Fabrik und Maschinen rechnen, bevor das erste Auto vom Produktionsband läuft. Mit Servicecentern, Händlernetzwerken und Ähnlichem kommt man da rasch auf Beträge weit jenseits einer Milliarde, um ein Automobilunternehmen zu gründen und am Leben zu halten.

Wir können das an anderen (Elektro)Autoherstellern sehen, die ein Vielfaches des Betrags, den Sono Motors anstrebt, benötigten, um die ersten Autos auf den Markt zu bringen und Gewinne einzufahren. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren durch die Pandemie und nun durch die russische Invasion in die Ukraine einerseits Lieferketten massiv ins Wanken gerieten, und andererseits Rohstoffpreise in die Höhe schnalzten. Selbst bereits erfolgreiche Unternehmen wie Lucid Motors kämpfen mit der Priorisierung der Zuteilung von Rohstoffen oder Komponenten durch Zulieferer. Zu klein sind aktuell die Volumina dieser neuen Autounternehmen, und damit zu unbedeutend, als dass sie bevorzugt behandelt werden.

Sehen wir uns die Zahlen anhand von anderen Elektroautounternehmen an.

Tesla

Tesla beispielsweise verbrannte von 2009 bis 2019 fast genau 6,67 Milliarden US Dollar, bis es 2020 den ersten Milliardengewinn schrieb und 2021 dann alle Verluste ausgleichen konnte. Zwischenzeitlich stand Tesla mehrmals knapp davor, Pleite zu gehen.

Tesla Gewinne & Verluste von 2009 bis Q3/2022

Lucid Motors

Auch ein anderes Elektroauto-Startup aus Kalifornien, Lucid Motors, brauchte mehrere Jahre, bis es schließlich mit Saudi-Arabien einen Großinvestor fand, der mit zwei Milliarden US Dollar einstieg. Ein darauffolgender SPAC im Juli 2021 brachte dem Unternehmen 4,5 Milliarden Dollar, genug, um die Fabrik in Casa Granda in Arizona und ein Montagewerk in Saudi-Arabien fertigzustellen und ausreichend Geld auf der Kant zu haben, um die Produktion aufzunehmen. Der Erfolg lässt sich ansehen: der seit Oktober 2021 ausgeliefert Lucid Air wurde sofort zum Motor Trend Auto des Jahres 2021 und 2022.

Rivian

Ein weiteres kalifornisches Unternehmen, Rivian, hat seit der Gründung 2009 an die 10,7 Milliarden Dollar an Investitionen eingesammelt, davon 700 Millionen von Amazon und drei Milliarden von Ford. Auch bestellte Amazon gleich mal 100.000 elektrische Lieferwagen, von denen mittlerweile bereits mehrere hundert ausgeliefert worden sind. Ebenfalls 2021 ging Rivian an die Börse, was dem Unternehmen 12 Milliarden Dollar in die Kassen spülte.

Das Unternehmen plante 2022 knapp 25.000 Autos auszuliefern und scheint finanziell abgesichert, um die nächsten Jahre zu produzieren und zu überleben.

Faraday Future

Das chinesisch-amerikanische Startup hatte in seiner kurzen Geschichte ein turbulentes Leben und mehrere Nahtoderlebnisse. Doch wie ein Zombie will es nicht sterben und steht wieder und wieder auf. Bislang hat das Unternehmen in 11 Finanzierungsrunden 3,7 Milliarden Dollar an Investitionen eingenommen, doch kurz vor Produktionsbeginn ist das Unternehmen wieder in finanziellen Problemen und tauschte mit Carsten Breitfeld, einem ehemaligem BMW-Manager für den i3, den CEO auf, nachdem dieser das Unternehmen finanziell stabilisiert hat.

FUTURE ANGST

Welche aktuellen Ängste prägen uns? Mit welchen Ängsten waren die Menschen in der Vergangenheit konfrontiert, als es die heutigen Technologien noch nicht gab? Warum mischen wir heute im Wettbewerb der Kulturen um neue Technologien nicht ganz vorne mit? Welche Maßnahmen müssen wir ergreifen, um neue Technologien nicht als etwas Beängstigendes und Feindseliges zu betrachten, sondern als ein Mittel zur Lösung der großen Probleme der Menschheit? Innovationsexperte Dr. Mario Herger stellt in „Future Angst“ die entscheidenden Fragen in Bezug auf Technologie und Fortschritt und zeigt professionelle und zukunftsweisende Lösungen auf. Mit seinem Appell „Design the Future“ bietet Herger einen unkonventionellen und transformativen Ansatz für ein neues, human geprägtes Mindset.

Erhältlich im Buchhandel, beim Verlag und bei Amazon.

Canoo

Das fünfte kalifornische Unternehmen in dieser Runde hat 2020 und 2022 um die 550 Millionen Dollar an Investitionen in zwei Finanzierungsrunden aufgenommen, doch auch hier kämpft die Firma mit dem Beginn der Produktion.

Fisker

Nach dem Karma bringt Hrnry Fisker den Fisker Ocean auf den Markt, der vom kanadisch-österreichischen Autohersteller Magna produziert wird. Das Unternehmen hat 1,2 Milliarden Dollar an Finanzierung aufgestellt. Eine Milliarde wurde in einem SPAC 2020 eingeholt.

Microlino

Die Gründer des Schweizer Unternehmens halten sich mit Informationen zum investierten Kapital bislang ziemlich zurück. Von Microlino, das zu 100 Prozent den Gründern gehört, weiß man gerade mal, dass deren Eltern 10 Millionen Schweizer Franken investiert haben. Für die Entwicklung und Fertigung reicht das aber lange nicht. Die ersten Fahrzeuge wurden bereits dieses Jahr ausgeliefert.

Rimac

Der kroatische Supersportelektroautohersteller Rimac stellte in 9 Finanzierungsrunden 875,8 Millionen Dollar, dabei u.a. auch von Porsche. Dem Startup kommt dabei zugute, dass der Volkswagenkonzern sehr an dem Hersteller interessiert ist und mit Bugatti die Luxusmarke in die VErantwortung der Kroaten übergab.

Lightyear

Dieses niederländische Unternehmen, das ähnliche wie Sono Motors ein Auto mit Solarzellen herstellen will, hat in drei Finanzierungsrunden bislang 35,6 Millionen Dollar an Kapital aufgestellt. Tatsächlich begann die Produktion des Lightyear Zero im Dezember 2022 mit einer Produktionsrate von einem Fahrzeug pro Tag.

Zurück zu Sono Motors

Was nun können wir aus den Zahlen der anderen Unternehmen lernen, wenn wir sie mit Sono Motors vergleichen? Einiges! Zuerst mal, dass man für die Entwicklung und Produktion eines neuen Elektroautos jede Menge an Geld benötigt. Die aktuell stark schwankenden Rohstoffpreise und labilen Lieferketten fügen weiteren Sand ins Getriebe. Weiters lernen wir, dass der europäische und speziell der deutsche Kapitalmarkt nur wenig Geld hergeben, um die Summen aufzustellen, die für einen erfolgreichen Elektroautohersteller notwendig sind. Die verfügbaren Summen betragen nur einen Bruchteil von dem, was amerikanische Unternehmen am dortigen Kapitalmarkt einsammeln können.

Auch hilft die Einstellung der Gründer nicht, dass sie externe Investoren rein als jemanden sehen, die das Unternehmen so rasch als möglich verkaufen und daraus Profit machen wollen. Wie man bei Tesla sieht, gab es 10 Jahre lang fast jedes Quartal ausschließlich Verluste, die sich letztendlich auf 6,67 Milliarden summierten, bis es zu einem hochprofitablen Unternehmen mit unschlagbaren Profitmargen geworden ist. Da spielt wohl eine übertriebene Angst vor Kontrollverlust der Gründer über ihr Baby eine große Rolle.

Es sollte also vorerst mal nicht erwartet werden, dass ein in Deutschland ansässiges, neues Autounternehmen, es bis zur Fertigung schafft. Die Chancen sind gering. Selbst wenn die ersten Fahrzeuge vom Förderband purzeln, bedeutet das nicht, dass das Unternehmen die nächsten ein bis zwei Jahre, geschweige denn fünf Fertigungsjahre überlebt. Dazu sind die Kapitalreserven auf einem solchen Markt viel zu gering.

Das sind Dinge, die man den Sono Motors Gründern nicht vorwerfen sollte. Was sie bislang trotz all der Schwierigkeiten auf die Beine gestellt haben, ist bemerkenswert. Vor allem aber haben sie eine treue und scheinbar auch finanzkräftige Fanbasis geschaffen. Doch die ist etwas zu wenig, damit das Unternehmen gesichert bleibt.

Denn die Anforderungen ändern sich rasant. Was mit einem Elektroauto noch vor wenigen Jahren als Zukunft betrachtet und in der Szene begeistert aufgenommen wurde, ist heute Standard und die alternativen Angebote erweitern sich. Und mittlerweile findet mit dem autonomen Fahren die nächste Disruptionswelle statt, die auch bald als Standard angesehen werden wird. Und das erfordert weitere Mittel, die Sono Motors bis heute nicht einkalkuliert hat.

Wenn man den Sono Motors Gründern etwas vorwerfen will, dann das, dass sie das Unternehmen nicht in die USA umgesiedelt haben und den dortigen Kapitalmarkt angezapft haben. Die 2021er SPAC an der NASDAQ ist da nicht genug. Das Unternehmen hätte sich in die Venture Capital Szene im Silicon Valley, Los Angeles oder Detroit einhängen müssen, und nicht krampfhaft an Deutschland festhalten sollen. Ein Fehler, der das Unternehmen weiterwursteln läßt, und letztendlich fatal werden könnte.

CYBERF*CKED

„Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst!“ Der Geist dieses bekannten Voltaire-Zitats hat es leider nicht in die sozialen Medien der Neuzeit geschafft. Auf Facebook, Twitter und Co gilt das Primat der eigenen Meinung. Menschen mit anderen Ansichten sind wahlweise dumm, uninformiert oder gleich schlecht, böse und verdorben. Diskurs ist mit solchen Kreaturen nicht erforderlich, somit wird blockiert, gepöbelt und bedroht. Besonders betroffen sind Frauen – hier bekommt der Hass im Netz sehr schnell und sehr oft auch eine sexuelle Komponente. Ein Buch über den Verfall der Sitten im Web 2.0, über Frauen, die sich völlig ungeahnten Anfeindungen und Bedrohungen ausgesetzt sehen, und mit zukunftsweisenden Ideen, wie wir alle dafür sorgen können, dass sich die Lage wieder bessert.

Erhältlich im Buchhandel, beim Verlag und bei Amazon.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

8 Kommentare

  1. Gute Analyse und für Sono Motors leider die Wahrheit. Ich hoffe für die Vorbesteller dass diese jemals Ihr eingezahltes Geld wieder bekommen, aber ich befürchte dass wird nicht klappen. Denn wenn die beiden Jungs nicht auf Ihre Finanzberater hören wollen, dann ist denen nicht mehr zu helfen.

    Gefällt mir

  2. Kleine Korrektur:
    Sono Motors ist nicht per SPAC an die Börse, sondern über ein normales IPO.
    Das sollte eigentlich dafür sorgen, dass es vertrauenswürdiger ist. Leider haben die damit noch mehr Geld rausgeworfen als mit einem SPAC an die Börse zu gehen.

    Gefällt mir

  3. Liebe Leute,
    Nur weil ihr es euch nicht vorstellen könnt, heißt es nicht das es nicht möglich ist. Sion ist einfach genial mit ihrem Konzept und sicher mein nächstes E-Auto. Besser als Elon Musk ins Bett zu gehen, oder in Trumps USA zu produzieren

    Gefällt mir

    1. Warum ist der Verweis auf Elon Musk oder Trump notwendig? Was für Argumente sind das? Ich mache ja auch nicht den Vergleich, dass es besser wäre, nicht in einem AfD-Deutschland oder verblödeten Silvesterknaller-Land zu produzieren.

      Gefällt mir

      1. Okay, meine Wortwahl war wohl nicht die klügste. Ich war etwas genervt und finde eben, das dieses Land und damit meine ich Deutschland, sehr viel Potential hat. Dass dann immer der Hinweis auf die USA oder andere kommt, die scheinbar alles besser machen bringt mich manchmal auf die Palme. Also Entschuldigung, immerhin hat es dazu geführt, dass du darauf reagiert hast.
        Es ändert nichts daran, dass ich als ID3 Fahrer die Inovationen von Sono beobachte und auch bewundere.

        Gefällt mir

Hinterlasse eine Antwort

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s