Diese Woche findet in München die Internationale Automobil Ausstellung, oder kurz IAA, in München statt. Die IAA Mobility 2025 stand schon die letzten Jahre unter den Zeichen der Änderungen, die sich in der Automobilbranche abspielen. Und dieses Jahr ist nicht anders. 14 chinesischen stehen 10 deutsche Hersteller gegenüber. Und gerade beginnen die Chinesen den europäischen Markt mit ihren Elektroautos zu fluten, und das in allen Preiskategorien.
Schon im Vorfeld waren reihenweise schlechte Nachrichten von deutschen Herstellern gekommen, deren Gewinne durchwegs eingebrochen sind. Aber: noch geht es ihnen zu gut, noch immer nicht sieht man keine Notwendigkeit, die drastischen Schritte zu unternehmen, um sich ernsthaft auf Elektromobilität und autonomes Fahren zu stürzen. Noch immer glaubt man nicht daran. Die Hersteller müssen erst mehrere Quartale Milliardenverluste einfahren, um endlich die harten Schnitte und strategischen Neuausrichtungen zu machen, die notwendig sind, um gegen die sehr agile und kompetente neue Konkurrenz zu bestehen.
Autonomes Fahren ist verloren
Als jemand. der autonomes Fahren in Kalifornien hautnah erlebt, erscheinen auch die Ankündigungen auf der IAA, wann denn nun mit Testfahrten in Deutschland begonnen würde, lächerlich. Zweite Hälfte 2026 wollen dann Moia, Uber mit Mobileye, und diese und jene Firma auf deutschen Straßen damit beginnen, vielleicht, eventuell. Dabei ist bis heute noch niemand durch den ganzen Genehmigungsprozess gegangen, die Behörden haben damit kaum Erfahrung, der Amtsschimmel wiehert, und ohne Fahrer wird es vor 2030 auf deutschen Straßen von deutschen Herstellern auch keine Fahrzeuge im Betrieb geben. Warum das so ist, steht hier.
Und das nachdem bereits seit 2018 Waymo ohne Fahrer fährt. Eine sehr aufschlussreiche Dokuserie dazu gibt’s übrigens hier.
Wechselbad der Gefühle
Ein beschreibendes Abbild dieses Wechselbades der Gefühle stellt die kleine Sonderbeilage der Automobilwoche zur IAA 2025 dar. Die Überschriften sprechen Bände.

„Die Stärke deutscher Automarken hat weltweit Geltung“ versichert man sich dabei, wie auch dass „Das Rennen ist noch nicht verloren“. Da hat wohl jemand schon Zweifel angemeldet und gemeint, sie wären „Entkoppelt in die Zukunft“? Wirklich? Indem man weiterhin auf den Verbrenner setzt? „Wir haben viel vor!“ soll wohl Mut machen, denn „Europa hinkt nicht hinterher“ ist man sich sicher, genau auch die, dass „Neue Verhältnisse“ herrschen würden. Ja, China macht uns Druck. Zum Glück gibt’s zum Abschluss eine Werbeeinschaltung einer Beratungsfirma, die sich folgendermaßen brüstet: „Wir helfen Unternehmen, ihre Spitzenposition am Markt zu behaupten.“
Die wahre Lage?
Wie ist die wahre Lage? Man muss sich einfach nur folgende Fragen stellen:
1: Sind deutsche Hersteller seit dem Dieselskandal demütiger geworden?
Nein! Diese Frage habe ich jeder Delegation aus Deutschland gestellt, die zu mir ins Silicon Valley gekommen ist, und die Antwort war immer ein klares Nein!
2: Haben sie Konsequenzen gezogen und verstanden, dass sie E-Mobilität vorantreiben müssen?
Nein! Sie haben sogar wieder die Batterieproduktionen eingestellt. Spät, viel zu spät kommen sie nun mit Elektroautos auf den Markt, die als Elektroautos designt worden waren. Neue Klasse, EQ-irgendwas, und statt ID…. fällt man wieder auf die traditionellen Namen wie Golf zurück. Das ist der Grad des Innovationsreichtums.
3: Ziehen sie mit an den Emissionsgrenzwerten?
Nein, sie versuchen sie sogar zu sabotieren. Seit Jahren sind die gesetzlich zu senkenden Grenzwerte bekannt, und auch, dass Verbrenner vor dem Aus stehen, doch nach wie vor wird das absurde Thema Technologieoffenheit mit Nicht nur das, die Vorstände unter Federführung von Mercedes-Benz Chef Ola Källenius verfasst sogar einen Brandbrief. gegen das Verbrenneraus. „Man spielt damit der Konkurrenz in die Hände.“ Die Konkurrenz, die seit Jahren Elektromobilität ernst nimmt. Gleichzeitig wirft man der EU fehlenden „Realitätssinn“ vor, während die wahre Realität längst den Tipping Point zur Elektromobilität erreicht hat und Peak Oil überschritten wurde.
Und sie reden ihren eigenen Politikern ein, Technologieoffenheit wäre der einzige Weg. Der bayrische Ministerpräsident Markus Söder postet unentwegt davon auf LinkedIn. Warum nicht gleich die Pferde? Denn da stecken gute deutsche Arbeitsplätze dahinter wie Stallbesitzer, Veterinäre, Reitlehrer, Pferdezüchter, Schuster für Reitstiefel, Landwirte, die Hafer anbauen, und woher sollen wir all den Pferdemist zum Düngen hernehmen, wenn es keine Pferde mehr gibt? Die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln ist gefährdet. Pferde repräsentieren perfekt unsere Leistungsfähigkeit und Expertise! Sagt JA zur Technologieoffenheit mit dem Trab-in Hybrid.
4: Sind sie in der E-Mobilität führend?
Nein!
5: Sind sie beim autonomen Fahren führend?
Nein! Ganz weit abgeschlagen und haben auch kein Interesse daran. Dazu habe ich ja schon mehrmals geschrieben, wie hier im Teil 1 und Teil 2 und jüngst zu Moia.
6: Haben wir die unsere Automobilindustrie ausreichend gelobt?
OH HELL YES! wir sind ihnen in den Arsch gekrochen.
7: Suchen sie die Schuld bei sich selbst, weil ihre Ergebnisse und Verkäufe sinken?
Nein! Die Kunden sind schuld, weil sie nicht ihre tollen Autos kaufen. Kein Wunder, wenn die Hersteller jahrelang Zweifel an der Elektromobilität gestreut und schlecht über Technologien geredet haben und stattdessen ständig von „Technologieoffenheit“ reden.
8: Sind wir somit ungerecht gegenüber ‚unserer“ Automobilindustrie, weil wir sie nicht mehr loben?
Nein, sie haben es verdient. Sie haben jahrelang die Trends ignoriert, alles blockiert, boykottiert, und jetzt kommen sie rotzheulend zur Politik, und Autojournalisten unterstützen sie darin?
Das ewige Klein-Klein
Eigentlich würden wir erwarten, dass deutsche Hersteller führend sind, und nicht bei irgendeinem unwichtigen Teil irgend eine Verbesserung gemacht haben und sich deswegen auf die Brust und Schulter klopfen. Erwarten würden wir mutige und richtungsweisende Schritte in eigenen Batterietechnologien und -fertigungen, eine preisliche weit gestreute Bandbreite von Elektroautos, und nicht nur die nächsten Wuchtbrummen. Vergessen wir nicht die zugehörige Infrastruktur, die sehr frustrierend sein kann. Ladestationsnetzwerke mit dutzenden unterschiedlichen Apps und ausgefallenen Stationen sind nicht hilfreich. Nach wie vor sehen die Hersteller das nicht als ihr Problem an. Immer noch wird in der alten Tankstellendenke gedacht.
Beim autonomen Fahren würden wir auch mal ein zumindest ein paar überzeugende Anstrengungen sehen wollen, aber es kommt so einfach nichts.
Und so bleibt alles ein Klein-Klein, für das man sich dann von den heimischen Journalisten Lob einheimst und diese nicht verstehen, warum ihre Leserschaft da enthusiastisch mitzieht.
Summa Summarum
Diese IAA ist ein Abgesang auf die heimische Automobilindustrie. Die Ankündigungen sind enttäuschend, die Ambitionen niedrig, die Bedrohung wird nach wie vor nicht ernst genommen, man fühlt sich immer noch überlegen, dabei hört sich das so an, als ob alle im Wald spazieren gehen, mit den Fingern in die Ohren gesteckt und dabei laut LALALALA singen, damit sie die Gefahren aus dem dunklen Wald nicht hören uns sehen müssen.
Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.
Hallo MarioIch fahre seit 2019 ausschliesslich EV und verfolge Deine Posts sch
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Es ist einfach unglaublich.
Im Fernsehen wurde gesagt, die Politik und die EU sind schuld warum es der deutschen Automobilindustrie jetzt so schlecht geht.
Sich mal selbst kritisch hinterfragen? Fehlanzeige!
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