Die Gerüchteküche brodelt, nachdem VW-Chef Oliver Blume eingestehen musste, dass auch die letzten beiden möglichen Investoren für MOIA abgesprungen sind. Gespräche hatte VW unter anderem mit Uber und Lyft geführt, doch letztendlich stieg kein einziger möglicher Partner ein.
Schon vor mehr als einem Jahr verfasste ich eine detaillierte Analyse zu MOIA und zum Zeitplan, der mir recht unrealistisch erschien, und mir unter der Hand bestätigt wurde. Diesen Zeitplan unterminierend kam hinzu, dass MOIA einerseits kurze Zeit später den Fahrdienst in Hannover einstellte und damit ein Testgebiet mit damit vertrauten Benutzern verlor, andererseits VW angekündigt hatte, Anteile an MOIA zu verkaufen. Diese Verkaufsgespräche platzten nun alle.
Warum platzten diese? Dazu gibt es wohl mehrere Gründe:
- MOIA besitzt nicht die Kerntechnologie, nämlich das Selbstfahrsystem. Das stammt von Mobileye, der bestimmt, wie rasch die Weiterentwicklung und wie viel Geld hineingesteckt wird.
- Der Zeitplan mit ersten fahrerlosen Fahrten Ende 2026 schien schon vor einem Jahr unrealistisch, wie ich ausführlich analysiert habe.
- VW wollte die Erlöse aus den Anteilsverkäufen nicht in MOIA selbst stecken, sondern damit die eigene Bilanz aufbessern. Das zerstört das Vertrauen der neuen Partner, wenn selbst VW kein Geld mehr reinstecken will.
- Stabilität der Führungsmannschaft bei VW. Im selben Zeitraum von 2009 bis heute, in dem Waymo seine Selbstfahrtechnologie entwickelte, wechselten bei VW die CEOs alle 2-3 Jahre. Der Anreiz für jeden CEO, die Gelder von mehreren hundert Millionen bis zu einer Milliarde pro Jahr an Entwicklungskosten für ein autonomes Fahrsystem einzusparen, ist einfach zu hoch. Noch dazu, wo es unwahrscheinlich ist, dass man selbst die Früchte erntet, sondern eher der dritte oder fünfte CEO nach einem selbst. Angesichts des großen Drucks, unter dem VW nicht erst seit einigen Wochen steht, der sich aber die letzten Monate massiv verstärkt hat, sind für neue Investoren wenig vertrauenswürdige Rahmenbedingungen.
Wie wird es wohl weitergehen? Ich sehe im Prinzip nur zwei Wege:
- Reißleine ziehen und MOIA einstellen, wie VW es schon mit Argo.ai vor fast genau vier Jahren und mit mehrere Milliarden an Investitionen gemacht hat.
- Abverkauf von MOIA an einen Konkurrenten wie bspw. BMW oder Mercedes, mit Übernahme der Mitarbeiter und Technologie, und sogar noch mal ein paar hundert Millionen an Investitionen, um ein paar Anteile daran zu halten (ähnliches Modell wie der Abverkauf von Uber ATG an Aurora).
Was es wohl nicht geben wird: MOIA weiter zu unterstützen und weitermachen zu lassen. Denn die Erkenntnis, dass man bei dieser Technologie nicht mitspielen kann, hat sich durchgesetzt. Gerade mit den Nachrichten zu Waymo, die fast im Wochentakt in einer Stadt nach der anderen einen Robotaxidienst aufnehmen. Schade eigentlich.
HOMO SYNTHETICUS
Wie Mensch und Maschine verschmelzen
Künstliche Intelligenz wird sichtbar. In „Homo Syntheticus“ beschreibt Zukunftsforscher Dr. Mario Herger den Aufbruch in ein neues Zeitalter, in dem Maschinen nicht mehr nur denken, sondern fühlen, handeln und lernen. Humanoide Roboter mit künstlicher Haut und autonomem Bewusstsein treten in unser Leben – als Helfer, Kollegen, vielleicht Partner. Gleichzeitig erweitern wir Menschen uns selbst: durch Implantate, Schnittstellen und KI im Körper. Mensch und Maschine nähern sich an, verschmelzen – und stellen unsere Vorstellung von Identität, Ethik und Fortschritt auf die Probe. Ein faszinierender Blick auf die Ära des synthetischen Menschen.
Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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