Aurora-Uber: Zum Scheitern verdammt?

Vor einigen Wochen wurde bekannt, dass Uber ATG an das Selbstfahrtechnologie-Start-Up Auora abgegeben wird, gleichzeitig übernimmt Uber gemeinsam mit Partnern 40 Prozent Anteile an Aurora mit einer Geldspritze von 400 Millionen Dollar. Zusätzlich werden die 1.200 Uber ATG-Mitarbeiter von Aurora übernommen. Eine Reihe von großen Brocken, die da zu verdauen sind, und bishlang nicht wirklich analysiert worden sind, was die Hintergründe und mögliche Konsequenzen sind.

Uber ATG

Zuerst mal die Frage, wie Uber so weit kam, dass sie die Advanced Technology Group (ATG) aufgeben. Das hat mit den Kosten zu tun. Der vorherige CEO und Gründer Travis Kalanick sah Googles Bestrebungen, selbstfahrende Autos zu entwickeln als direkten Angriff auf Ubers Geschäftsmodell. Keine Fahrer bedeutet, dass ein Robotaxi-Dienst Uber preislich unterbieten kann. Da Google kein Interesse zeigte, ihm Zugang zur Technologie zu bieten, setzte er Uber ATG als Programm auf, um autonome Autos zu entwickeln. Ohne Zugriff auf diese Technologie wäre Ubers Existenz bedroht.

Diese Dringlichkeit führte dazu, dass Uber massiven Druck auf die Entwicklungsteam ausübte, um möglichst rasch den Rückstand auf Google, das seit 2009 an dieser Technologie arbeitet, aufzuholen. Mit dem Effekt, dass rücksichtslos gedrängt wurde unter Umgehung von Sicherheitsvorschriften. Das führte 2016 zu Konflikten mit der Stadt San Francisco und letztendlich 2018 zum tödlichen Unfall in Phoenix, wo eine Fußgängerin von einem Uber-Experimentalfahrzeug tödlich verletzt wurde.

Uber musste daraufhin alle seine öffentlichen Versuchsfahrten einstellen und verlor sowohl in Kalifornien als auch in Arizona seine Testlizenz. Letztendlich ein Schlag, von dem sich Uber nicht mehr erholen sollte. Ganz zu verschweigen, dass dieses Programm Uber Milliarden gekostet hatte und von den Aktionären kritisch als Geldverschwendung betrachtet worden war.

Levandowski

Wenig half dabei, dass Anthony Levandowski, ein ehemaliger Google-Ingenieur und einer der Köpfe hinter der Entwicklung der dortigen LiDAR-Systeme, zuerst sein eigenes Start-Up Ot.to gegründet hatte welches dann von von Uber übernommen wurde, aber sofort in Probleme geriet, als Waymo eine Klage wegen Diebstahl von Firmengeheimnissen einreichte. Forensische Analysen ergaben, dass Levandowski um die 15.000 Dokumente von Waymo-Firmenserver in seiner Zeit als Angestellter vor seinem Abgang heruntergeladen hatte, und diese zu Ot.to und Uber mitgenommen hatte.

Der Gerichtsfall führte zwar zu einem Vergleich, bei dem Uber Entschädigung an Waymo zahlen musste, Levandowski aber sogar zu einer Gefängnisstrafe und hohen Geldstrafe verurteilt wurde.

Ubers Firmenkultur

Uber kam 2018 noch in weitere Schwierigkeiten, als Fälle einer toxischen Firmenkultur und von sexuellen Belästigungen bekannt geworden waren. Kalanick hatte eine sehr aggressive Bro-Kultur eingeführt, die sich zwar beim Wachstum des Kerngeschäftes in der Anfangsphase als vorteilhaft erwiesen hatte, aber letztendlich Wegbereiter des Unfalls in Phoenix und damit auch der Schaßung Kalanicks als Uber-CEO war.

Kalanick wurde im Sommer 2018 aus dem Unternehmen geboxt und verlor die Kontrolle über das Unternehmen. An seine Stelle trat dann der Manager Dara Khosrowshahi, der vorher CEO von Expedia gewesen war.

COVID

Mit der COVID-Krise von 2020 kam Uber noch mehr unter Bedrängnis, weil ein Großteil des Fahrgeschäfts einbrach und damit die Einkünfte. Der Druck auf Khosrowshahi, die 2019 wieder aufgenommenen und recht verhaltenen Testfahrten von Uber ATG und damit das Programm einzustellen, wurden immer größer. Als vom Aufsichtsrat bestellter CEO hat er weniger Entscheidungskraft als Kalanick als Gründer mit signifikanten Anteilen am Unternehmen. Damit wurde Ende 2020 Uber ATG an Aurora verkauft und die Ressourcen vereint.

Auroras Probleme

Warum aber hat sich Aurora mit seinen 600 Mitarbeitern darauf eingelassen, eine Gruppe mit 1.200 Mitarbeitern zu übernehmen und zu integrieren? Immerhin ist damit jeder Bereich doppelt belegt und die Integration der teils inkompatiblen und konkurrierenden Technologien und Mitarbeiter bieten eine fast unüberwindliche Aufgabe. Schon die Integration eines kleinen Teams in ein großes Unternehmen kann zu Friktionen führen. Ich habe das selbst mehrmals erlebt, als mein ehemaliger Arbeitgeber SAP Unternehmen kaufte, die in meine Einheit integriert worden waren.

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Aurora, mit großen Ambitionen von 3 großartigen Ex-Tesla, Ex-Uber und Ex-Waymo-Ingenieuren gegründet, hat bereits sein auf und ab erlebt. Große Partner und Kunden aus der Automobilindustrie, die man zu Investitionen und Entwicklungspartnerschaft gewonnen hatte, steigen wieder aus. So beispielsweise Volkswagen und FCA. Ein anderer, Byton, implodierte im Sommer 2020. Dafür stiegen 2019 Hyundai und Kia bei Aurora als Partner ein. Hyundai allerdings stieg nun bei Aptiv, einem Konkurrenten von Aurora ein.

Gerüchten zufolge war Aurora aber bereits wieder auf Geldsuche. Hinweise auf eine bevorstehende Geldknappheit sind die plötzlich enthüllten Pläne von autonomen Trucks. Autonomes Fahren von LKWs auf Highways wird in der Industrie also die aktuell vielversprechendste Art gesehen, schnell Erlöse zu generieren und ein Geschäftsmodel zu erstellen und zu validieren. Das würde Investoren mehr Vertrauen in zukünftige Erlöse geben und somit sie zu mehr Investitionen verlocken. Alllerdings ist damit auch ein Risiko verbunden. Es teilt den Entwickllungsfkus auf mehrere Fahrzeugplattformen mit recht unterschiedlicher Physik und Erwartungen auf.

Die Entwicklung autonomer Autos ist teuer, und der Uber ATG-Deal sah offensichtlich zu verlockend aus. Die Frage ist allerdings, ob das eine weise Entscheidung gewesen war. Die Integration von Uber ATG mit einer völlig anderen Firmenkultur könnte sich als fatal erweisen. Wenn die ATG auch nur einen Rest der von Kalanick gepflegten ‚Arschlochkultur‘ mitgebracht hat, könnte das Aurora zerreißen. Nicht nur durch die Größe der Gruppe selbst (immerhin doppelt so groß wie Aurora), sondern auch in den Rivalitäten die entstehen, wenn es nun darum geht, die Technologien auszusortieren und Posten zu vergeben. Es ist zu erwarten, dass die kommenden Monate Aurora mit internen Machtkämpfen und Integrationsschwierigkeiten der Technologien zu tun haben dabei wertvolle Entwicklungszeit verlieren wird.

Schlussfolgerung

In der Technologiebranche und speziell bei Software gilt die ungeschriebene Regel, dass eine Verdopplung des Teams nicht zu einer Beschleunigung der Entwicklung führt. Ganz im Gegenteil. Wie auch die Schwangerschaft nicht auf einen Monat verkürzt werden kann, indem man 8 Frauen hinzufügt. Der Koordinationsaufwand im Vergleich zur produktiven Zeit steigt proportional mit der Anzahl der Personen. Kommen dann unterschiedliche Firmenkulturen mit ihren eigenen Egos und Vorstellungen hinzu, dann kann das zu disfunktionalen Teams führen und damit auch zur Abwanderung von Leistungsträgern. Die Branche bietet aktuell ausreichend Gelegenheiten, woanders unterzukommen und produktiv zu sein. Die Aurora-Gründer steht mit diesem Zusammenschluss vor der größten Herausforderung ihrer Karriere, und die hat weniger mit Technologie zu tun, als mit Psychologie und Leadership. Und wenn sie diese Hindernisse nicht aus dem Weg räumen können, dann ist Aurora Geschichte.

Wenn Du selbst lernen willst, wohin uns die Zukunft mit autonomen Autos führt, dann empfehle ich Dir meinen neuen Online-Kurs. Basierend auf meinem Buch – Foresight Mindset – zeigen mein KI-Roboter AlphaSophia und ich wie man mit dem Future Mindset die Zukunft mit Methoden wie Backcasting, 2×2-Matrix oder STÖÖP ein bisschen vorhersagen kann. Schau Dir doch mal die Vorschauvideos an.

Future Mindset: Wie man die Zukunft vorhersagt und designt

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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