Wo sind all die Opel Ampera? In Kalifornien!

Der mit Spannung erwartete Opel Ampera, ein erstes preislich erschwingliches Elektrofahrzeug mit einer in die Nähe von Teslas Model 3 kommenden Reichweite von General Motors wird in Deutschland schon fieberhaft erwartet. Nur es will nicht kommen. Zuerst hieß es, 400 Stück des außerhalb Deutschlands als Chevrolet Bolt verkauften Fahrzeugs werden noch dieses Jahr an die Händler ausgeliefert, jetzt aber wird die Zahl relativiert und mit gerade Mal 90 Stück angegeben. Und selbst die kann man nicht kaufen, sondern sind vorerst mal nur Vorführwagen.

Dabei wurden von GM die angepeilten jährlichen Produktionszahlen mit ca. 30.000 Stück angegeben, doch die Zahlen scheinen noch nicht erreicht zu werden. Und der Wagen verspricht mit 238 Meilen (380 Kilometer) die Reichweitenangst für Elektrofahrzeuge endgültig zu Grabe zu tragen. Mittels Schnellader kann der Wagen in 30 Minuten 80 Meilen (128 Kilometer) aufladen.

Wo sind nun all die Chevrolet Bolt? Antwort: in Kalifornien. So wurden in den ersten drei Monaten des Jahres knapp 3.092 Stück in den USA ausgeliefert, und ein paar hundert nach Kanada und Südkorea. In Kalifornien sehe ich mittlerweile auf den Straßen schon so viele, dass ich mich auf den Weg zu einem Chevrolethändler machte. Der mir nächste war der in Fremont und dort standen auf dem Verkaufsgelände ein gutes Dutzend davon herum. Der Verkäufer sagte mir, dass er noch weiter 80 Stück auf dem Nebengelände hat, er könne mir somit sicherlich die unterschiedlichsten Konfigurationen anbieten.

Wieso ist kommen die Opel Ampera vorläufig nur in so geringer Stückzahl nach Deutschland? Das hat mehrere Gründe. Zuerst mal ist Deutschland nicht wirklich der Elektrofahrzeugvorreiter. Die Verkaufszahlen grundeln herum, die Skepsis der Deutschen legendär. Dann hat GM Opel an die PSA-Gruppe mit Peugeot-Citroën verkauft, die Priorität das Fahrzeug an die Konkurrenz auszuliefern somit runter gefallen. Und weiters verliert GM mit jedem verkauften Bolt bis zu 9.000 Dollar.

Warum also tut sich GM den Bolt überhaupt an, wenn es damit Geld verliert? Nicht, weil GM mit einem Mal solch eine Liebe zu Elektrofahrzeugen entwickelt hat. Die Dokumentation Warum das Elektroauto sterben musste schaute bereits 2006 hinter die Kulissen von GMs ersten relativ erfolgreichen EV1, das GM nach wenigen Jahren unter großen Protesten von den Fahrzeugmietern zurück befahl und verschrottete. GM betrachtete das EV1 mehr als Konzept und sogenanntes Compliance Car, das die strengen Regulierungen in Kalifornien beschwichtigen sollte. Seither fordern Bundesstaaten wir Kalifornien und New York von jedem Hersteller eine bestimmte Zahl von umweltfreundlichen Fahrzeugen, die die Flottenemissionen herabsetzen.

Kalifornien beispielsweise verlangt von jedem Hersteller Zero-Emission-Vehicle-Punkte (ZEV-Credits), die 14 Prozent der gesamten Fahrzeuverkäufe entsprechen. Für die 219.000 Fahrzeuge die GM letztes Jahr in Kalifornien verkauft, müssen 30.794 solcher ZEV-Punkte erreicht werden. Wenn nicht, müssen sie diese ZEV-Punkte von Herstellern kaufen, die ihre Quote übererfüllen. Der Elektrofahrzeughersteller Tesla hat diese natürlich im Überschuss. Bequemerweise liefert jeder verkaufte Chevrolet Bolt vier ZEV-Punkte. Mit 7.700 Stück könnten somit die kalifornischen Vorgaben erfüllt werden.

Und das ist der Grund, warum GM den Verlust von bis zu 9.000 Dollar pro Chevrolet Bolt in Kauf nimmt. Nicht aus Liebe zur Umwelt wird dieser gebaut, sondern weil man in einigen Bundesstaaten und Ländern sonst Strafe zahlen müsste. Damit besteht kein Anreiz mehr Fahrzeuge zu bauen als unbedingt gesetzlich nötig. Statt in Zukunftstechnologien zu investieren und beispielsweise die Elektrofahrzeugentwicklung voranzutreiben, verwendet GM Geld Für Aktienrückkäufe. Seit 2012 wandte GM 16 Milliarden Dollar auf, um Aktien zu kaufen und so den Aktienpreis zu erhöhen und Investoren glücklich zu stimmen.

Diese Strategie erwies sich bislang als wenig effektiv. Vor kurzem überholte Tesla – ein Hersteller mit einer Produktion von gerade mal 80.000 Fahrzeugen pro Jahre – in der Marktkapitalisierung GM – 10 Millionen Fahrzeuge pro Jahr. Teslas Bewertung liegt bei 55 Milliarden Dollar, die von GM bei 52 Milliarden.

Es gilt nach wie vor, dass man sich die Zukunft nicht erschummeln kann. Und GM scheint das selbst nach dem PR-Disaster mit dem EV1 und dem Bankrott von 2009 immer noch nicht verstanden zu haben. Spätestens mit dem Auslieferungsbeginn des Tesla Model 3 ab Sommer diesen Jahres – unter der Annahme, dass Tesla es schaffen wird – wird die ganze Tragweite von GMs Unwillen offensichtlich werden. Aber dann wird es bereits zu spät sein.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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