Der neue Tesla Roadster im Vergleich zum Porsche Mission E

Mittlerweile hat wohl jeder über die Überraschung vom Donnerstag Abend gehört. Was eigentlich als Vorstellung des Tesla Sattelschleppers angekündigt war, entpuppte sich als One More Thing. Elon Musk stellte nach dem elektrischen Lastwagen mit beeindruckenden Leistungskennzahlen die Neuauflage des Tesla Roadsters vor, und dieser blies allen das Hirn raus.

Vor allem einen Hersteller wie Porsche muss das hart treffen. So langsam hat der Sportwagenhersteller den Mission E als zukünftiges Zugpferd entdeckt und auf der vergangenen IAA in Frankfurt stolz dem Publikum präsentiert, sieht man mit einem Schlag ziemlich alt aus. Noch nicht mal auf der Straße, sieht der groß angekündigte eigene Sportwagen schon wieder wie eine alte Mühle aus.

Porsche steht mit dieser Erfahrung nicht alleine da. Schon der Audi R8-etron, der auch als Tesla-Killer angepriesen wurde, wurde sang- und klanglos eingemottet. Unter anderem auch weil seine Leistungsdaten im Vergleich zum Model S eher Rasenmäherniveau hatten.

Aber hier die Leistungskennzahlen vom Roadster und Mission E gegenüber gestellt (eine neue, um 10 Supersportwägen erweiterte Liste gibt’s hier):

Tesla Roadster Porsche Mission E

 Beschleunigung 0-96km/h
(60mph)

 1,9 Sekunden  3,5 Sekunden

 Beschleunigung 0-160km/h
(100mph)

 4,2 Sekunden  n.a.
 Höchstgeschwindigkeit  >400 km/h (250 mph) >250 kmh
 Reichweite 992 km (620 Meilen) >500 km (>300 Meilen)
 Sitze  4 Personen 4 Personen
 Preis ab $200.000 ab €90.000
Verfügbar ab 2020 ab 2019

Schon vor zwei Jahren ging ich im Blogpost Deutsche innovationsprobleme erklärt anhand von Porsche und Tesla auf Gründe für den Rückstand deutscher Automobilhersteller ein. Diese Unterschiede treten nun immer deutlicher hervor.

Die Erfahrung die Tesla mit mehreren Hunderttausend ausgelieferten Elektroautos sammeln konnte, fließt direkt in die Entwicklung und hat Teslas Batterietechnologie und Leistungsfährigkeit zu einem großen Vorsprung verholfen. Die deutschen Hersteller haben dem momentan scheinbar nichts entgegenzusetzen, fehlen ihnen doch die Praxiserfahrung mit Batterietechnologie (wie auch autonomen Fahrzeugen). Und das rächt sich immer mehr. Fahrzeuge deren Leistungskennzahlen nicht mit denen der Konkurrenz mithalten können, sind schwerer zu verkaufen. Und damit sammelt man wieder weniger Erfahrung. Ein Teufelskreis, dem mit einer halbherzigen Herangehensweise einer von Verbrennungsmotoren geprägten Firmenkultur nur schwer oder gar nicht zu entkommen ist.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

6 Comments

  1. Hallo,

    Ich lese diesen Blog unheimlich gerne und unterstütze die grundsätzliche „Message“, welche hier gepredigt wird.
    Allerdings finde ich den Vergleich Mission E zu neuem Roadster eher unangebracht. Bessere Tesla zu Porsche Vergleiche fände ich: Roadster/918 und Model S/Mission E. Warum denke ich das?
    Der Roadster scheint mir eher ein zwei Sitzer zu sein, denn ein 4 Sitzer und mehr Sportwagen, als Limousine/Sport Hatchback oder wie man nen Mission E oder auch Panamera einordnen möchte. Außerdem finde ich, macht der Vergleich Roadster zu 918 den Punkt noch klarer, dass reine elektro Sportwagen unglaubliche Leistungskenndaten haben. Der preisliche Unterschied setzt da noch ein Sahnehäubchen drauf. Ich mein für 200.000 $ ein mehr als viermal teureres Auto von 0-100 km/h nass machen? Das ist doch einfach nur grandios! Allerdings: genauso wie ich die deutschen Autobauer für ihr ewiges Angekündige und nicht liefern kritisiere, gilt das Gleiche für Tesla. Prototypen schön und gut, aber bis das Ding landet und gefertigt wird, dauert es sicher Teslatypisch länger als angegeben, bis das Auto wirklich zu haben ist.

    Der Model S zu Mission E vergleich ist, wie ich finde, etwas positiver für Porsche. Vergleichbare Leistungszahlen und ich vermute ganz Stark, dass der Innenraum bei Porsche deutlich besser sein wird, als bei Tesla. Und wenn die Leistungsdaten ähnlich sind, die Bauqualität bei Porsche aber besser ist, würde ich eher zum Porsche greifen. Aber wie oben gilt: noch kann ich keinen Mission E kaufen, daher bleibt nur das Model S.

    Zu guter letzt: ich fände etwas mehr Optimismus bei den ganz konkreten deutschen Elektroautoprojekten ganz erfrischend. Grade der Mission E wird ja ganz konkret umgesetzt. Es werden Fabriken gebaut, man hört von vielen Erlkönigen. Das Ding wird nicht mehr nur öffentlichkeitswirksam angekündigt, sondern das Projekt wird umgesetzt. Da finde ich kann man auch mal etwas Unterstützung zeigen. Konkurrenz belebt ja das Geschäft und der Mission E wird einige Dinge besser machen, als Tesla. Woraufhin Tesla sich verbessern werden muss. Achja wo wir bei deutschen e-Projekten sind: wie schauts mit einem Beitrag zu StreetScooter mal aus? Sind ja auch positive e-Auto-Meldungen aus Deutschland.

    Vielen Dank für den Blog und Schöne Grüße!

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    1. StreetScooter ist super! Aber eben auch kein positives Abbild der traditionellen deutschen Hersteller. Wenn der Watschenmann der Innovation – die Post – den Herstellern im eigenen Land vormacht, wie’s geht, dann verstehst Du, warum ich da kaum positiv sein kann. Und sie reden sich eh alle selber ein, wie „gut aufgestellt“ sie sind (kein Scheiß, das höre ich jedesmal, bevor ich ihnen dann die Zahlen und Entwicklungen im Silicon Valley und China zeige).

      Zum Vergleich Roadster/Mission E: Bin mir da eben nicht sicher, ob wir den Mission E mit einem Model S vergleichen sollen. Model S ist doch was anderes, als der Mission E. Das Model S war nie als Sportwagen designed, der Mission E sehr wohl. Und gegen beide (Model S und Roadster) besteht der Mission E kaum oder gar nicht. Ich glaube viele würden sich da mehr von Porsche erwarten, aber es zeigt eben, dass mit Elektromobilität deutsche Hersteller ihren Vorsprung aus der Verbrennertechnologie verloren haben, und damit kämpfen, etwas vergleichbar leistungsfähiges auf den Markt zu bringen. Oder überhaupt etwas auf dem Markt zu haben. Das Model S ist immerhin auch schon wieder 4 Jahre auf dem Markt und nach wie vor gibt es kein kaufbares Angebot eines deutschen Herstellers, das Tesla nur irgendwie nahe kommt.

      Würde gerne mehr schreiben, aber ich habe nur so viel Zeit und auch den Fokus auf Silicon Valley Entwicklungen, weil ich hier lebe. Aber ich habe den Wunsch notiert! Danke fürs Lesen!

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  2. Hallo Mario,

    Vielen Dank für deine Antwort. Ich kann deine Punkte nachvollziehen. Stimmt das Model S ist quasi Sportwagen ausversehen (oder evtl weil Tesla es einfach kann), ein Porsche ist aus Prinzip von vorne Rein Sportwagen, guter Punkt. Der Roadster ist eben eine harte Kampfansage.

    Zur Post: ich selbst bin über ein paar Umwege im Studium momentan recht „Postnah“ aufgestellt. Das angestaubte Image ist zum Teil wirklich nicht mehr angebracht, die haben Abteilungen für hochkomplexe Planungs- und Entscheidungssysteme, sponsern z.b. auch einen Lehrstuhl an der RWTH Aachen, und benutzen auch immer mehr KI. Aber evtl. sind sich die Leute bei der Post mehr bewusst, was passiert wenn sie nicht am Ball bleiben und die am Ende von Amazon aufgefressen werden. Eventuell fällt es der Post auch einfacher solche Änderungen zu machen, da es deren Kerngeschäft unterstützt und nicht Assets (bei den Autobauern also Patente/Technologie und Produktionsanlagen für Verbrennungsmotoren) auffrisst. Und jetzt bin ich am Ende meines Studiums und wundere mich über mich selbst, dass ich eher überlege bei der Post anzuheuern als bei BMW/Porsche/Daimler. So ändert sich das.

    Da ich ja in Aachen studiere, kriege ich selbst genug mit von e-Go und StreetScooter. Daher ist dein Fokus für mich perfekt 😉 Dachte mir nur, dass es für andere Leser sicher ganz interessant ist, dass es trotz aller Hindernisse auch in Deutschland noch mutige Unternehmer gibt.

    VG

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