Waymo zeigt mehr Details zu neuer Sensorhardware, die auf bevorstehende Massenfertigung hinweisen könnte

Von Neuigkeiten zu neuer Waymo-Sensorhardware haben wir bereits vorgestern hier berichtet, nun hat Waymos Leiter der Hardwareentwicklung, Satish Jeyachandran, in einem Blog etwas mehr Details zur neuen Hardwaregeneration verraten. Das Wired Magazin brachte noch weitere Details.

Waymo bezeichnet seine Hardwaresuite für autonomes Fahren als Waymo Driver, die in der vorliegenden Version die bereits 5. Generation darstellt. Am Dach befindet sich ein 360 Grad LiDAR, das 300 Meter und mehr weit sehen kann. Im Gegensatz zum Vorgängerversion, die noch auf den Fiat-Chrysler Pacifica Minivans zu sehen ist, wurden die zwei LiDARs (eines mit mittlerer und eines mit langer Reichweite) zu einem LiDAR zusammengefasst. Dieses ist nun kompakter.

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Um das Auto herum sind nochmals 4 LiDARs angebracht (eines vorne, eines hinten, und jeweils eines links und rechts über den Vorderreifen). Diese sollen die toten Winkel um das Fahrzeug abdecken. Die beiden letzteren LiDARs werden noch durch ein Radar ergänzt. Auch am Dach befinden sich nach vorne und seitlich gerichtet, genauso wie am Heck links und recht auch zwei Radar). Damit liefern auch die Radars eine 360 Grad Sicht.

Ergänzt wird das System durch 29 Kameras, 16 davon am Dachaufbau unter dem LiDAR und nochmals mehrere nach vorne gerichtet in der Dachbox, von denen einige mehr als 500 Meter in hoher Auflösung sehen können. Sie können selbst im Dunklen bei Regen in 500 Meter Entfernung eine menschliche Gestalt oder ein Stoppschild ausmachen. Um das Auto herum angebrachte Kameras decken tote Winkel ab und können auch im Nahinfrarotbereich sehen. Die 16 Kameras unter dem LiDAR sind auch alle mit Scheibenwischern ausgestattet, die Regentropfen und Schmutz mittels Scheibenwischwasser abwischen können.

Auch die Radars können in höherer Auflösung bewegte und unbewegte Objekte erkennen, und auch das durch eine 360 Grad Anordnung. Radars ergänzen die beiden anderen Sensorsysteme, indem sie auch bei Wetterbedingungen wie Nebel, Regen und Schnee zuverlässige Ergebnisse liefern.

Alle Teile zusammen können dann die Geschwindigkeiten und Richtung anderer Verkehrsteilnehmer präziser bestimmen. Die Dachbox (Waymo Dome) ist durch in die Karosserie und Innenverkleidung des Jaguar iPace integrierten Kabel und Schläuche mit dem Kühlsystem und der Recheneinheit im Kofferraum des iPace verbunden. Diese Teile sind im Kofferraum sogar wasserdicht isoliert, für den Fall dass aus Gepäck im Kofferraum Flüssigkeiten austreten.

Um nochmals separat darauf hinzuweisen: alle Sensoren, Elektronikkomponenten, Antennen, Gehäuse und Firmware wurden von Waymo selbst entwickelt. Und sie halten Temperaturen von tiefen Minusgraden in Michigan bis zu hohen Temperaturen im Death Valley aus, sowie starke Vibrationen bei Fahrten über Schlagloch- und Schotterpisten.

Kosten

Bei den genauen Kosten der Hardwaresuite hält sich Waymo nach wie vor zurück, und verweist wieder mal, dass die Kosten der LiDARs um 90 Prozent gesenkt werden konnten. Bei einem Velodyne LiDAR, wie Waymo sie noch vor wenigen Jahren einsetzte bevor die Eigenentwicklung der Hardware aufgenommen wurde, musste man mit Kosten von 75.000 US Dollar rechnen. Es wird geschätzt, dass ein heutiger Sensorstack, wie ihn die meisten Selbstfahrtechnologie-Entwickler von der Stange verwenden, zwischen 150.000 und 250.000 US Dollar kosten. Die Kosten für den gesamten Stack der 5. Generation könnten sich für Waymo bereits zwischen 50.000 und 100.000 Dollar eingependelt haben.

Steht die Massenproduktion bevor?

Betrachtet man die Ausarbeitung und das Design der Sensorhardware, dann sieht das schon verdächtig nach Serienreife aus. Kombiniert man dieses Detail mit der zeitgleich erfolgten Ankündigung, dass Waymo zum ersten Mal externe Investoren aufnahm und 2,25 Milliarden Dollar an Kapital einhob, inklusive Magna, dem Unternehmen das den Jaguar iPace in Serie baut, und berücksichtigt man die Tatsache, dass Waymo schon vor 2 Jahren ankündigte, eine Kaufoption auf 20.000 Jaguar iPace zu haben, dann wird man den Verdacht nicht los, dass Waymo relativ kurz davor steht, diesen Fahrzeugtypen mit der 5. Generation des Waymo Driver auf den Markt zu bringen.

Die Kalkulation bei einem voll ausgestatteten Fahrzeug (iPace plus Waymo Driver) von zwischen 80.000 bis 100.000 US Dollar, würde zwischen 1,6 und 2,0 Milliarden Dollar für 20,000 Jaguars kosten. Weiteres Geld flöße dann noch in den Aufbau der Service-Center, und schon wären die 2,25 eingehobenen Milliarden Dollar gut investiert.

Das Unternehmen selbst scheint in gewisser Weise bereits sehr sicher mit dem Stand der Technologie zu sein. Die aufgetauchten Videos von fahrerlosen Waymos – selbst in Schulzonen – zeugen davon. Wir wären somit nicht überrascht, wenn dieses Jahr bereits der große Rollout der Technologie in verschiedene Städte und Gemeinden in den USA beginnt.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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