Ein Blick auf Waymos Investmentpartner und Marktwert

Die erste externe Kapitalaufnahme der Alphabet-Tochter Waymo von 2,25 Milliarden Dollar lässt Spekulationen über die Gründe, den Stand der Technik und die weiteren Absichten blühen. So auch hier.

Danke einer Bargeldreserve von mehr als 100 Milliarden Dollar hat Alphabet es garantiert nicht nötig, externe Investoren reinzunehmen. Schon gar nicht, wenn man weiß, welches Kopfweh die verursachen können, wenn es einmal nicht so läuft wie erwünscht. Die genannten Investoren waren:

Eine illustre Runde! Silver Lake verwaltet um die 43 Milliarden US Dollar, der Canada Pension Plan investment Board um die 313 Milliarden US Dollar, und die Mubala Investment Company aus Abu Dhabi an die 100 Milliarden US Dollar an Kapital und Werten.

Eine andere Geschichte stellen Magna, A16Z und AutoNation dar. Magna baut im Auftrag von Jaguar den iPace, den Waymo als 5. Fahrzeugplattform verwendet und von dem Optionen auf 20.000 Stück vorliegen. Mit Magna, das vom Austro-Kanadier Frank Stronach gegründet wurde, hat sich Waymo einen erfahrenen Fertigungspartner und Tier-1-Zulieferer aus der Automobilbranche an Bord geholt und lässt auf eine zukünftig noch engere Zusammenarbeit schließen. AutoNation kann vor allem mit seinem Management und der Wartung von großen Flotten und einer US-weiten Infrastruktur an Werkstätten punkten. Auch kann man erwarten, dass AutoNation beim Launch der einzelnen Waymo One Robotaxi-Flotten in den jeweiligen US-Regionen mit Wissen und tatkräftigem Anpacken hilfreich sein wird.

Andreessen Horowitz, gegründet von zwei Gründergiganten im Silicon Valley, haben bereits Mobilitätsunternehmen im Portfolio. So hält A16Z Anteile am Ridesharing-Unternehmen Lyft, dem Entwickler autonomer Fahrtechnologie CYNGN, Simulationssoftwarehersteller für autonome Autos, Applied Intuition, Deepmap, das hochauflösende Navigationskarten für autonome Autos herstellt, Smartcar, das offene Programmierschnittstellen für Mobilitätsanwendungen anbietet, oder dem Mikromobilitäts-Unternehmen Lime. Auch instacart, das Online-Supermarkteinkäufe liefert, gehört zum Portfolio. Man sieht schon, es gibt einiges an Überschneidungen und vor allem Ergänzungen in diesem Portfolio.

Alphabet hat sich für Waymo also eine Reihe von strategischen Partnern rein geholt, die den Marktstart der Technologie beschleunigen sollen. Alleine der staatliche Partner aus Abu Dhabi könnte vielleicht andeuten, dass die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate zu einem ersten Gebiet für den kommerziellen Betrieb von Waymo One wird.

Bewertung

Wie viel Anteile hat Alphabet nun mit den 2.25 Milliarden Dollar vergeben? Oder anders gefragt: wie viel ist nun Waymo somit wert?

UBS und Morgan Stanley gingen schon vor einiger Zeit von einer möglichen Marktbewertung von Waymo von bis zu 250 Milliarden Dollar aus, wobei sie zwischenzeitlich die Bewertung wieder auf um die 170 Milliarden Dollar runtergeschraubt haben. Bemerkenswert auf alle Fälle, berücksichtigt man die bisherigen Einnahmen, die vermutlich im unteren einstelligen Millionenbereich liegen dürften, wenn überhaupt. Stellt man die seit 2009, dem Beginn der Entwicklung, von um die 10 Milliarden Dollar gegenüber, dann ist die Bewertung definitiv „interessant“. Zum Vergleich: das heute wertvollste Automobilunternehmen ist Toyota mit um die 200 Milliarden Dollar Bewertung, gefolgt von Tesla, das ein Viertel weniger wert ist.

Allerdings schätzte UBS auch, dass Waymo bis 2030 alleine 60 Prozent des weltweiten Marktes für autonome Autos dominieren wird. Bei einem weltweiten Transport- und Mobilitätsmarkt, der heute auf 7 Billionen Dollar geschätzt wird, kann man das Einkunftspotenzial deutlich erkennen. Manche schätzen, dass sich dieser Markt in den nächsten 10 bis 20 Jahren sogar verdoppeln wird.

Berücksichtigt man auch, dass bislang Google/Alphabet alle Ausgaben für die Entwicklung der Selbstfahrtechnologie von Waymo gestemmt hat, und die Technologie Waymo Driver bereits sehr fortgeschritten und nicht mehr weit vor der Marktreife steht, dann können die vergebenen Anteile an diese externen Investoren nicht die üblichen Dimensionen für ein erstes externes Investment erreichen. Fünf bis zehn, oder sogar mehr Prozent an Anteilen wird es hier nicht gegeben haben. Das wären bei 5% eine Bewertung von 45 Milliarden und bei 10% 22,5 Milliarden. Das scheint viel zu niedrig.

Angesichts der UBS und Morgan Stanley Bewertungsversuche, könnten die 2,25 Milliarden tatsächlich 1 Prozent Anteile sein, was die Bewertung bei 225 Milliarden Dollar ansetzen würde. Zwei Prozent Anteile wären dann 112,5 Milliarden Dollar. Vielleicht ist es aber ganz simpel und entspricht 2,25 Prozent, bei einer Bewertung von 100 Milliarden Dollar.

Was meint Ihr?

UPDATE: Sowohl die Financial Times als auch The Information berichten, dass die Bewertung bei 30 Milliarden Dollar liegt. Waymo-CEO John Krafcik hatte sich mehr vorgestellt, es wurde aber nicht geboten.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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