Die Machtergreifung der Lieferroboter

Wenige von uns sind tatsächlich Robotern im Alltagsleben begegnet. Wir mögen zwar einen Roomba haben, der mehr schlecht als recht unsere Wohnung saugt, aber damit hat es sich schon. Dabei bieten robotische System eine Reihe von Vorteilen, und könnten unverzichtbar werden.

Selbst wenn in einer Krise Ausgangssperren verhängt werden und die Wirtschaft beinahe zum Stillstand kommt, lebensnotwendige Güter müssen transportiert werden. Menschen müssen essen, brauchen Klopapier, sind auf Medikamente angewiesen. Jeder Fahrer, der dabei in einem LKW oder Lieferfahrzeug sitzt, ist gefährdet, sich oder andere mit dem Virus anzustecken.

Autonome LKWs und Lieferfahrzeuge, oder kleinere Lieferroboter wurden bislang im besten Fall als Kuriosität betrachtet, im schlechtesten Fall als Arbeitsplatzvernichter. Tatsächlich stand weltweit in den vergangenen Jahren die Logistikbranche vor der Herausforderung, für die boomenden Transportanforderungen ausreichend Fahrer zu finden. Gleichzeitig gibt es Druck von Städten und Regionen, Verkehr und damit Lieferfahrten zu einzuschränken.

Aber auch autonome Autos, die als Robotaxi Menschen transportieren, scheinen bislang als etwas, das wenn nicht „technisch unmöglich“, so doch als Fahrspaßverderber zu gelten. Andere wiederum sehen darin eine Attacke auf öffentliche Verkehrsmittel, die als der einzige Heilsbringer im Kampf gegen Verkehrskollaps und Klimakrise gelten.

Mit der Corona-Virus-Krise erleben Lieferroboter wie die Starship Technology einen unerwarteten Boom. Nachdem schon seit einigen Jahren unter anderem in Redwood City getestet wurde, sind sie seit April 2020 auch in Mountain View unterwegs. Ich habe ein halbes Dutzend dieser Kühlboxen Rädern über mehrere Tage hinweg auf der Castro Street und in der Nachbarschaft gesehen.

In Peking hat das dort beheimatete Start-Up Neolix Technologies Nahrung und Medikamente mit Lieferrobotern zugestellt. Das Unternehmen hat gerade erst 29 Millionen Dollar (26,6 Millionen Euro) an Risikokapital aufgestellt und verwendet Baidus Betriebssystem Apollo für autonome Fahrzeuge. Auch andere Unternehmen wie Starship Technologies, KiwiBot, Waymo, Udelv. ThorDrive oder Navya sind einige von dutzenden Unternehmen, die Lieferroboter oder Lieferfahrzeuge entwickeln. Starship Technologies hat beispielsweise seine Auslieferservice seit März 2020 erweitert und in andere Städte – wie eben Mountain View – ausgedehnt.

Nicht nur Lieferungen in der Öffentlichkeit sind eine Herausforderung in einer Pandemie. Die Zustellung von Essen und Lebensnotwendigstem an Kranke und Pflegebedürftige in Spitälern und Pflegeheimen können mit Lieferrobotern die Ansteckungsgefahr verringern.

Die Roboter beginnen die Welt zu erobern. Und damit sie auch zunehmend Aufgaben übernehmen können, sollten wir auch daran denken, wie wir Städte und Gebäude robotergerecht bauen.

Dieser Beitrag wurde auch auf Englisch veröffentlicht.

8 Kommentare

  1. Es wird keine flächendeckende Einführung von Robotern geben. Denen droht nämlich das gleiche Schicksal wie einem Porsche in Connewitz oder der Rigaer Straße: Tod durch Feuer oder Pflastersteine.

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    1. Wahrscheinlich gibt’s dort bis heute auch keine Autos? Telefonmasten? Internet? Straßenlaternen? Weil sie vermutlich auch den Tod durch Feuer und Pflastersteine erlitten haben?
      Herrschen dort noch Pferde und Rauchzeichen vor?

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      1. In der Rigaer Straße erscheind die Polizei nur noch als Hundertschaft in zugstärke und mit Vollschutz, vielen Anwohnern wurde dort schon das „Mittelklassefahrzeug“ angezündet. In Connewitz brennen auf allen Baustellen Kräne und Bagger, den dort arbeitenden Baufirmen werden die Fahrzuege angezündet, eine Immobilienhändlerin wurde zu Hause zusammen geschlagen und musste mehrere Tage ins Krankenhaus. Und so weiter…

        Oder anders: Das sind Zentren der gewaltbereiten Antikapitalisten und deswegen ist da jeden Tag G-20 Gipfel aka Olaf-Scholz-Hafengeburtstag.

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      2. Das ist aber ein ganz anderes Problem und hat mit Lieferrobotern an sich nichts zu tun.
        Deshalb ist dieser Kommentar hier eigentlich unnötig, denn mit solchen nicht stellvertretenden Gegenden findet man immer Gründe, warum etwas sich „NIE“ durchsetzen wird.
        Oder meinst Du, Lieferroboter sollten nicht entwickelt werden, nur weil sie in Deiner Gegend „NIE“ zum Einsatz kommen werden?

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  2. Die Angehörigen dieser Gruppen ziehen auch durch die Städte und schneiden die Bremsen an Scootern durch, werfen diese in Flüsse, von Parkhäusern, lackieren die QR.Codes und Displays, etc… Deswegen schrieb ich auch von der „flächendeckender Einführung“. außerhalb urbaner Strukturen werden Roboter aus diversen Gründen nicht zum Einsatz kommen, in urbanen Strukturen legilich in kleinen Bereichen. Und zwar alleine dort wo aufgrund entsprechenden Publikums und effektiver Repression der Staatsmacht Anschläge auf Technik kaum möglich sind. Das trifft aber nur auf die wenigsten Stadtteile zu.

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    1. Hmm, nur weil es möglich ist Technik zu sabotieren, wird es nicht plötzlich Horden von Menschen geben, die diese Sabotage auch wirklich durchführen.
      Warum ein Pizzaauslieferroboter irgendwie „kapitalischtischer“ als ein prekär-bezahlter Mindestlohn-Lieferando-Scheinselbstständiger sein soll, verstehe ich auch nicht. Von daher wird sich der Antifa-Hass auf die Roboter dann doch wohl in Grenzen halten.

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