Wie Tesla mit den Preisnachlässen allen anderen die Luft absaugt

Eine ganze Reihe von Leuten haben aktuell Schnappatmung. Es hat nichts mit COVID oder sonstige Atemwegserkrankungen im kalten Winterwetter zu tun, sondern mit den Preisreduktionen, die Tesla ganz überraschend vorgenommen hat. Dabei hat Tesla für manche Variante der Model Y und 3 den Preis um bis zu 20 Prozent reduziert. Die europäischen Preise sehen dabei folgendermaßen aus:

Tesla ModelAlter PreisNeuer PreisRabatt
Y: Single Motor Short Range€61.990€50.99018%
Y: Dual Motor Long Range€65.990€52.99020%
Y: Dual Motor Performance€69.990€56.99019%
3: Single Motor Short Range€49.990€43.99017%
3: Dual Motor Ling Range€59.490€53.9909%
3: Dual Motor Performance€63.490€60.9904%

Diejenigen Kunden, die gerade ein Fahrzeug gekauft haben, sind die ersten, denen nun die Luft wegbleibt. In China wurden bereits Tesla Stores von aufgebrachten Kunden gestürmt, die nun einen nachträglichen Preisnachlass fordern. Kunden, die bislang mit einem Tesla liebäugelten, eilen nun nach einer Schrecksekunde auf die Tesla Website und bestellen.

Doch eine Gruppe bleibt die Luft erst recht weg: der Konkurrenz. So hat der YouTuber Farzad Mesbahi schon vor drei Wochen spekuliert, inwieweit der Ford Mach E oder der Ioniq 5 konkurrenzfähig wären, wenn Tesla neben dem nun in den USA wieder für Tesla verfügbaren Steuerrabatt beim Kauf von $7.500,- auch den Preis senken würde. Und das könnte Tesla, dank der viel höheren Profitmarge. So bescheren nach Angaben von Mesbahi der Ford Mach E und der Ioniq 5 ihren Herstellern eine Profitmarge von vier Prozent, während das Model 3 und Y eine von 18 Prozent aufweisen. Eine Reduktion von weiteren $7.500 Dollar würde das Model 3/Y billiger als den Ford Mach E machen, und in die Preisnähe des Ioniq 5 bringen. Und das mit einer größeren Reichweite, besseren Software und Performance.

Was vor drei Wochen noch wie ein unwahrscheinliches Szenario ausgesehen hatte, wurde nun zur Realität. Und damit hat Tesla der Konkurrenz eine üble Neujahrsbescherung verschafft. Tesla kann aktuell dank der nun stetig steigenden Kapaiztäten und dem Ausstoß aus den Gigafactorys locker die Nachfrage bedienen, während den anderen noch die Nachwehen der Lieferkettenproblematik zu schaffen machen und sie zu Tesla aufzuschließen versuchen. Manche Probleme sind hausgemacht. So kämpft VW immer noch mit Softwareproblemen und der Zorn der enttäuschten Kunden drückt sich immer lautstärker aus.

Tesla schnürt mit diesen Preisnachlässen der Konkurrenz die Luft ab. Es ist weniger ein Zeichen von Absatzschwierigkeiten, als den viele diesen Schachzug von Tesla betrachten, als vielmehr ein Zeichen der Stärke, dass das Unternehmen nun über ausreichende Fertigungskapazitäten, vorgesehene Kapazitätssteigerungen und die Profitmarge verfügt, um eine solche, für die Konkurrenz äußerst schmerzhafte, Maßnahme setzen zu können.

Es wird interessant zu sehen, wie diese darauf reagieren wird. Viel Spielraum hat sie jedenfalls nicht. Angesichts der rasch sinkenden Verkäufe von Benzin- und Dieselfahrzeugen, stehen deren Verkaufserlöse nicht mehr in dem Maße zur Quersubvention von Preisnachlässen der eigenen Elektrofahrzeuge zur Verfügung, wie es notwendig wäre, um Teslas Kampfansage etwas entgegenzusetzen.

Update: YouTuber Farzad Mesbahi hat nachgelegt und sich die Preisreduktionen angesehen, um Produktionssteigerungen, Inventar und zu erwartenden Gewinn für das erste Quartal 2023 zu berechnen. Quintessenz: Im Vergleich zu anderen Herstellern hat Tesla den niedrigsten Inventarbestand, und zwar halb so viel wie der Branchenprimus Toyota. Tesla hat somit kein Nachfrageproblem. Und der Gewinn im Q1/2023 wird wohl in einem ähnlichen Bereich liegen, wie im Q3/2022. Warum das so ist wird im Video gut dargestellt.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

4 Kommentare

  1. Und in sämtlichen e Auto Portalen wo ich genau das auch schreibe , mit wenigen Worten , werde ich angegriffen . Bei Sebastian e Auto Blog wird’s gleich ganz gelöscht . Wahrscheinlich sind da auch viele frustrierte VW etc Fahrer dabei . Go on Elon Musk . Yeah .

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  2. Danke, Mario, dass Sie den YouTuber Farzad Mesbahi erwähnten, das ist so ein interessanter und wertvoller Kanal, den ich so entdecken konnte! Vor allem das Video
    The psychology of Elon Musk

    hat mich als Tesla-Investor weiter gebracht und bestärkt.

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  3. Hähh?? Was ist das denn für eine abstruse Theorie? Derjenige beherrscht den Markt, der seine Produkte teuer(!) verkaufen kann, nicht billig.
    Bei marginaler Innovationsquote hat Apple den Preis für sein top iPhone von 2017 bis 2022 verdoppelt. So sehen Market Leader aus!
    Tesla schafft es nicht mehr, seine Werke auszulasten und muss daher die Preise senken und versucht rauszuramschen was geht. Sie sind auf der Spirale nach unten – da geht wohl eher Tesla gerade die Luft aus.
    70% Market Cap in einem Jahr verloren – another 70% to go. Bei einem Kurs von unter 30 sind sie dann ein ganz normaler Autobauer, der mit Rabatten und Preissenkungen um Kunden kämpft. Welcome to Reality! Das machen ja nicht mal mehr die Deutschen Autobauer – geschweige denn die Chinesen. Die 30 werden wir dieses Jahr ganz sicher sehen. Let’s go Tesla – Zero is the limit :-))

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