Waymos Exodusproblem? Zu viel Geld für die Mitarbeiter

Waymo riding into dawn

Googles Selbstfahrtechnologie-Spinoff Waymo leidet seit einiger Zeit an einem kontinuierlichen Abgang von talentierten Mitarbeitern. Und das Problem liegt laut einem Bloomberg-Bericht am Geld. Nämlich zu viel Geld für die Mitarbeiter.

Aber zuerst mal langsam. Googles Projekt zur Entwicklung von selbstfahrenden Fahrzeugen begann 2009, als der Gewinner des DARPA Grand Challenge, Sebastian Thrun, bei Google eingestellt wurde und mit ihm eine Reihe von anderen Teilnehmern dieses Wettbewerbes. Googles Projekt hat einen Wettlauf bei Automobilherstellern, digitalen Unternehmen wie Apple oder Baidu und neuen Start-ups hervorgerufen.

Einige der neuen Start-ups wurden von ehemaligen Googlern gegründet. So beispielsweise Ot.to, ein autonomes LKW-Start-up, das im Jänner 2016 von Anthony Levandowski gegründet und bereits im August von Uber um 700 Millionen gekauft wurde.

Sebastian Thrun selbst verließ Google bereits 2011, um die Online-Universität Udacity zu gründen, auf der er unter anderem auch einen Abschluss für Selbstfahringenieure anbietet.

Im Sommer letzten Jahres ging dann Chris Urmson, der vor kurzem mit seinem neuen Start-up Aurora auftauchte. Und gleich in eine gerichtliche Auseinandersetzung mit Tesla geriet.

Ein anderes Team gründete Argo, das gerade in die Schlagzeilen geriet, weil Ford über die nächsten fünf Jahre in das Start-up insgesamt eine Milliarde Dollar investieren will.

Das Google Projekt war vor zwei Jahren unter die Forschungseinheit X geschoben worden und graduierte im Herbst letzten Jahres  und wurde zum eigenen Unternehmen, das sich nun um die Kommerzialisierung der Technologie kümmern soll. Gerüchte um die Abgänge von Leuten wie Levandowski und Urmson führten die unterschiedlichen Erwartungen zur Markteinführung der Selbstfahrtechnologie an. Den Beteiligten war es zu langsam voran gegangen. Levandowski beispielsweise sieht Lastwagen als den ersten Markt für autonome Vehikel und entschied sich deshalb Ot.to mit anderen Kollegen zu gründen. Auch scheint es mit dem neuen Waymo-CEO John Krafcik unterschiedliche Ansichten über die Richtung der Technologie gegeben zu haben.

Nun hat sich Bloomberg dieser Menge an Abgängen angenommen und die Gründe untersucht. Dabei hat sich überraschend ein Faktor als möglicher Abgangsbeschleuniger herauskristallisiert: die Gehälter und Boni.

Projektmitarbeiter erhielten Boni, die an den Projektwert gekoppelt waren. Das ist im Silicon Valley an sich nichts Unbekanntes. Mitarbeiter von Start-ups verzichten oftmals auf üppige Gehälter, indem sie darauf wetten, dass die gleichzeitig eingeräumten Aktionenoptionen bei einem späteren Börsengang ein vielfaches Wert sein werden. Frühe Mitarbeiter von Unternehmen wie Google, Twitter, oder Facebook wurden zu Multimillionären, nachdem das Unternehmen an die Börse gegangen war.

Oftmals entscheiden sich die Mitarbeiter nach dem Erhalt der Auszahlung ihr Unternehmen zu verlassen und sich eigenen Projekten und Start-ups zu widmen. Mit der Nachfrage nach erfahrenen Selbstfahringenieuren sind auch andere Firmen bereit, astronomische Summen zu zahlen und den Leuten freie Hand zu bieten.

Und genau das scheint zu passieren. Die Ausgliederung als Waymo und die hohen Bonuszahlungen führten gerade in einem Moment, wo das Unternehmen auf eigenen Beinen stehen muss, zu einem Exodus an Schlüsselfiguren. Ein Mitarbeiter beispielsweise erhielt als Bonus das Sechzehnfache seines ohnehin schon üppigen Grundgehaltes.

Obwohl Waymo bei der Technologieentwicklung klar die Nase voran hat (wie auch in den Disengagementberichten von Kalifornien zu entnehmen ist), so kommt der Mitarbeiterabgang in einer kritischen Phase des Unternehmens.

Hier ist ein Video von Bloomberg mit der Analyse:

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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