Alles Lastwagen!

Lastwagen. Nicht gerade ein sexy Thema oder sonderlich populär, was Kraftfahrzeuge betrifft, möchte man meinen, und dann sind die letzten Tage die Nachrichten voll mit Ankündigungen und das Internet in höchster Aufregung. Und das nicht, weil sich wieder jemand über die vielen Brummis auf den Straßen aufregt, sondern weil elektrische und selbstfahrende Lastwagen aufhorchen lassen.

Angezettelt hat das Ganze wieder mal Tesla-CEO Elon Musk, der die Vorstellung des Tesla Sattelschleppers in einem Instagramvideo ankündigte und damit innerhalb von vier Tagen 1,6 Millionen Views und über 4.500 Kommentare generieren konnte. F.Ü.R. – E.I.N.E.N. – S.A.T.T.E.L.S.C.H.L.E.P.P.E.R!

Elon Musk: Tesla Sattelschlepper video
Tesla Sattelschlepper Video

Auch sein Tweet erhielt innerhalb von acht Tagen mehr als 122.000 Likes und über 28.000 Retweets.

Aber beginnen wir mal langsam, was wir so sahen.

Elektrische Lastwagen

Tesla stellt mit seinem Sattelschlepper definitiv alles in den Schatten. Nicht nur die Leistungskennzahlen, sondern auch das Design (und der Preis) übertrafen die Erwartungen und stellen neue Standards auf. Von 0 auf 100 km/h in mit 40 Tonnen Last in 20 Sekunden. 800 Kilometer Reichweite und ein Fahrerkabinendesign aus dem Weltraum. Nicht nur ist da ein, wie schon beim Model 3 bekannter Touchscreen, befindet sich im Cockpit, sondern gleich zwei davon. Und der Fahrer sitzt in der Mitte. Mehr Raumschiff denn LKW.

Mit einem Preis ab 200.000 Dollar liegt der Tesla Semi um 50.000 Dollar über dem Durchnittspreis von 150.000, dafür sind aber die Kilometerpreise um 25 Cent pro Meile billiger. Damit können über 250.000 Dollar pro 1,6 Millionen Kilometern (1 Million Meilen) Fahrleistung an Treibstoffkosten eingespart werden, was den höheren Kaufpreis mehr als wieder wett macht.

Auch wenn die Speditionen mit Langstrecke noch skeptisch sind, Kurzstrecken wie beispielsweise um Long Beach in Kalifornien sind begeistert. Dort sollen aus Umweltschutzgründen Diesel-LKW verboten werden und dort sind die Strecken kein Thema. Mehrere große Handelsketten haben bereits Bestellungen aufgegeben. Unter anderem hat Wal-Mart 15 Stück bestellt, die kanadische Handelskette Loblaw gleich 25.

Mit Framo spielt ein sächsisches Unternehmen vorne mit. Sattelschlepper von 7,5 bis zu 44 Tonnen werden mit einem Elektroantrieb umgerüstet. Die Reichweite liegt je nach Ladung und Fahrweise bei bis zu 165 Kilometern.

Siemens wiederum betreibt in Kalifornien zwischen den Frachthäfen von Los Angeles und Long Beach eine Teststrecke mit Oberleitungs-LKWs. Ähnliche Versuche wurden schon in Deutschland und Schweden durchgeführt, auch wenn sie für lange Autobahnstrecken unpraktikabel sind.

Siemens_EV.jpg

Autonome Lastwagen

Tesla Sattelschlepper sieht nicht nur futuristisch aus, er ist auch mit Teslas Autopiloten ausgestattet. Auch wenn Elon Musk und jeder andere LKW-Hersteller vorsichtig mit Aussagen ist, so ist es klar, dass das Ende von LKW-Fahrern eingeläutet ist.

Zuerst werden die Fahrer noch mitfahren und das autonome Fahren auf Autobahnen überwachen. Dann werden die LKWs ohne Fahrer in der Kabine auf diesen unterwegs sein und bei den Abfahrten ein menschlicher Fahrer zusteigen und sie durch das Stadtgewirr lenken. Und dann, vermutlich rascher als die meisten denken, werden LKWs keine Fahrer mehr brauchen.

Einige zeigen das bereits vor. Das kalifornische Start-up Embark überraschte mit der Meldung, dass seit Oktober kommerzielle Fahrten mit autonomen LKWs auf einer 1.040 Kilometer (650 Meilen) langen Strecke zwischen El Paso in Texas und einem Verteilerzentrum in Palm Springs in Kalifornien durchgeführt werden. Die Fracht umfasst vor allem Kühlschränke.

Embark LKW auf dem Highway
Embark Sattelschlepper auf dem Highway

Uber hat ähnliches schon im Oktober letzten Jahres vorgezeigt, als eine Lieferung von Budweiser Bierdosen über 300 Kilometer zugestellt wurden.

Das in Mountain View in Kalifornien beheimatete Start-up Peloton wiederum hat mit der Produktion seines Platooning-Nachrüstkits begonnen. Ab nächstem Jahr können dann die bestehenden LKWs mehrerer Hersteller umgerüstet und in Konvois eingesetzt werden. Eine höhere Sicherheit und weniger Treibstoffverbrauch sind dabei angepeilt.

Sharing Economy

Uber stellte ein Video online, in dem das Ridesharing-Unternehmen dasselbe Prinzip  auf Frachten umgelegt zeigt. Frachttransporte mit LKWs sind heute nach wie vor erstaunlich analog und ineffizient. Stundenlange Wartezeiten um Frachtdokumente auf Papier nachzuprüfen, viele leer oder halbleere Fahrten über Distanzen die man sich hätte sparen können, werden von Uber mit Uber Freight angepackt.

Näher gebracht wird das allerdings nicht mit dem Runterrattern von Daten und Fakten, sondern mit einer menschlichen Geschichte. Die eines Lastwagenfahrers, der zu viele Familientermine verpasste, weil er auf der Strasse unterwegs war. Die Funktion „Bring mich nach Hause“ („Bring me home„) hilft dem Fahrer eine Fracht zu finden, die ihn in die Nähe seines Wohnortes bringt.

Schlußfolgerung

Wer hätte vor kurzem noch gedacht, dass Trucking so sexy sein kann? Das Interesse an Elektrifizierung und Selbstfahrtechnologien schwappt von PKWs auch in die LKW-Sparte. Angesichts des steigenden Transportbedarfs, Mangels an Fahrer, übermässig hoher Anteil an Unfallverursachern, und steigendem Umweltbewusstsein eine Entwicklung die wir nur unterschreiben können.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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