Interview mit Einride-CEO Robert Falck

Während das schwedische Start-Up Einride die ersten Testfahrten mit seinem autonomen Lastwagen für die deutsche Supermarktkette Lidl vorbereitet, saß ich mit Einride-CEO Robert Falck zusammen, der momentan in den USA ist um eine Logistikkonferenz zu besuchen und Gespräche mit möglichen Kunden und Investoren zu führen. Falck wird am kommenden Montag, dem 8. Jänner, einen öffentlichen Vortrag  in Stanford geben. Der Eintritt ist gratis.

Falck war bis 2016 Direktor für Produktionsengineering der Dieselantriebe bei Volvo und startete im September 2016 gemeinsam mit Filip Lilja das Unternehmen um den konservativen Lastwagenmarkt aufzurollen.

Einride hat seine Firmenzentrale in Stockholm und stellt gerade eine Serie A Finanzierungsrunde auf. Bislang hat das Unternehmen Investitionen von einigen Angeln erhalten. Momentan hat Einride 25 Mitarbeiter, die aus verschiedenen Ländern kommen. Einrides CTO Pär Degerman war Entwicklungsleiter beim schwedischen Lastwagenhersteller Scania.

T-Pod

Einride bereitet gerade die Testfahrten mit Lidl vor, die im Herbst beginnen sollen. Dabei soll der elektrisch betriebene T-Pod eine zwei Kilometer lange Strecken zwischen dem zentralen Warenlager und einer Filiale völlig autonom fahren. Die Strecke ist, wie Falck betont, ‚halbkomplex‘, mit vereinzelten Fußgängern und Verkehr. Die Autonomiestufe des Fahrzeugs liegt bei Level 4, und muss auch so sein, da das Fahrzeug nicht mal mehr Platz für einen Sicherheitsfahrer hat. Es gibt keine Fahrerkabine und kein Lenkrad mehr. Damit das klappt ist das Fahrzeug mit fünf 77GHz Radarsensoren, einer Objekt- und Fahrbahnmarkierungserkennungskamera, vier Velodyne LIDAR-Sensoren, und vier separaten Kameras für einen das Fahrzeug fernsteuernden Operator ausgestattet. Phantom.ai plant unter anderem einen ähnlichen Ansatz um überforderten autonomen Fahrzeugen mit gestrandeten Passagieren aus schwierigen Situationen zu helfen. In Einrides Fall wird der Operator dann übernehmen, wo Level 4-Fahren für den T-Pod nicht möglich ist.

Falck erwartet, dass die T-Pods um die $500,000 kosten werden. Das Unternehmen bereitet ein Fahrzeug für die Tests mit Lidl in Schweden vor, ein Exemplar befindet sich gerade in den USA, und eines wird gerade produziert. Ein paar Prototypen sind im Testeinsatz. Falck ist zuversichtlich, dass sie die Produktion bereits hochfahren können. 2020 sollen dann 200 Fahrzeuge pro Jahr produziert werden.

Einride erhielt auch eine Testgenehmigung vom schwedischen Transportministerium. Neben Lidl befindet sich das Unternehmen in Verhandlung mit anderen Kunden.

Lastwagenmarkt ist reif für Disruption

Gemäß Falck wartet der Lastwagenmarkt auf die Disruption. Es ist ein sehr konservativer Sektor, der „in den 90er stecken geblieben ist“. Der Wettbewerb wird vor allem bei der Montage, Verkauf und Getriebe getrieben. Die Kunden sind zumeist selbst die Fahrer, die den LKW besitzen (oder leasen), und das in einem Wirtschaftszweig, wo die Marge gerade mal zwischen ein und zwei Prozent liegt. Die Hersteller verkaufen mehr oder weniger die Fahrzeuge über „die größte Fahrerkabine“.

Wären die Hersteller wirklich ernsthaft an den Änderungen interessiert, dann würden sie mit ihren eigenen Kunden in den Wettbewerb treten. Falck glaubt, dass die Zukunft der Lastwagen nicht in den Tesla Sattelschleppern dieser Welt liegt, sondern in den kleineren LKWs, fahren doch die Mehrheit der Fahrzeuge nur teilbeladen herum. Auch die Kombination mit fortgeschrittenen Fahrerassistenzsysteme sind für ihn zukunftsträchtig. insofern bezweifelt er den Wert von Platooning. „Drei Lastwagen hintereinander zu schließen, die alle nur ein Drittel beladen sind, machen einfach keinen Sinn.“

Die größten Kostenfaktoren sind nicht der Fahrer, Treibstoff oder die halbleeren Ladungen, sondern die Betriebsstunden. Ein selbstfahrender Lastwagen braucht keine Ruhepausen wie ein menschlicher Fahrer und kann somit viel kosteneffizienter betrieben werden.

Einrides Vision ist selbst Lastwagenflottenbetreiber zu werden. Mit den Big Data, die aus dem Betrieb generiert werden, kann smartes Flottenmanagement die Kosten drastisch herunterbringen und das heutige Lastwagengeschäft aus den Markt treiben.

Einride betreibt auch eine Facebook-group zu autonomer Fahrtechnologie

Hier geht’s zur Registrierung für Robert Falcks Vortrag in Stanford am kommenden Montag.

Dieses Interview wurde auch auf Englisch veröffentlicht.

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