Ubers Scheißmonat – Part Deux

Knapp ein Jahr ist es her, als die Turbulenzen  bei Uber einen Höhepunkt erreichten. Im Februar 2017 trafen gleich mehrere selbstverschuldete Desaster von sexueller Belästigung bis zu gefährlichen Szenen beim Testen autonomer Fahrzeuge ein, die letztendlich auch zum Abgang von Uber-CEO Travis Kalanick führten.

Seitdem folgten der Gerichtsprozess um den Diebstahl von Firmeneigentum mit Waymo, der durch eine außergerichtliche Vereinbarung mit der Abgabe von Firmenanteilen an Waymo im Wert von 245 Millionen Dollar (198 Millionen Euro) beendet wurde. Und jetzt der tödliche Unfall mit einem selbstfahrenden Auto von Uber.

Und die bisher bekannt gewordenen Details zum Unfall scheinen hinzudeuten, dass Uber aus dem vergangenen Jahr und trotz neuer Führung nur wenig gelernt hat.

Da sind zuerst mal die absoluten Zahlen, die zeigen wie weit Uber von führenden Konkurrenten wie Waymo bei der Sicherheit seiner Fahrzeuge ist. Im jüngsten kalifornischen Disengagement Bericht 2017, den alle Hersteller abgeben müssen, die das ganze letzte Jahr in Kalifornien autonome Fahrzeuge getestet haben, weist Waymo alle 9.000 Kilometer auf. Mercedes am untersten Ende der Skala alle 2 Kilometer.

Disengagements 2017
Disengagements per 1.000 Kilometer (2017)

Uber musste für das Jahr 2017 noch nicht berichten, aber geleakte Zahlen vom März 2017 sprechen von einem Disengagement alle 1,6 Kilometer, die jüngsten Berichte der New York Times von knapp alle 20 Kilometer. Arizona verlangt keinen Disengagementbericht. Dort testen heute neben Uber auch Waymo und GM Cruise.

Der Grund warum Uber überhaupt in Arizona ist, resultiert aus dem Scheißmonat von 2017. Uber hatte nicht mal eine Testlizenz für Kalifornien angemeldet, und als die Verkehrbehörden mit dem Entzug der Betriebsgenehmigung drohten, zog Uber einfach alle Autos ab (das Artikelfoto oben zeigt übrigens den Abtransport der Fahrzeuge aus San Francisco) und brachte sie nach Arizona, wo der dortige Gouverneur das Unternehmen mit offenen Armen und laxen Regeln willkommen hieß.

Obwohl kurz danach ein neuer CEO übernahm, neue Firmenstrukturen aufgezogen wurden um die aggressive Firmenkultur zu ändern und Uber doch noch eine Testlizenz für Kalifornien löste, zeigen die bekanntgewordenen Details zum tödlichen Unfall, wie sehr Uber sich selbst im Weg steht, und das zum Schaden der Öffentlichkeit und den anderen Unternehmen die selbstfahrende Autos entwickeln.

Das von der Tempe-Polizei veröffentlichte Video zeigt zwar eine Außenaufnahme, wo das 49-jährige Unfallopfer plötzlich aus dem Schatten auftaucht, die Innenansicht zeigt aber eine Sicherheitsfahrerin, die abgelenkt ist und nicht auf den Verkehr achtet.

Auch ist es für Experten erstaunlich, dass die Sensoren die Frau nicht erfassten und eine Bremsung einleiteten. Laut Insiderberichten war das Lidar abgeschaltet um eine reine Kameraerkennung zu testen. Und diese Tatsache alleine ist erschreckend. Das Lidar nicht mal als Backup-System bei den Tests zu haben, um doch noch eingreifen zu können, fordert solch einen Unfall geradezu heraus.

Die Sichtbarkeit der Verkehrssituation auf dem Video der Uberkamera steht Videoaufnahmetest von anderen Tests gegenüber, die deutlich besser sind.

Die Verkehrsbehörden stellten die Straßensituation am Tag darauf mit dem Unfallfahrzeug nach. Keine Rede von plötzlichem Aus-dem-Schatten-treten des Unfallopfers.

Ubers Strategie, all seine Anstrengen auf Brechen und Biegen durchzubringen, hat hier einen gewaltigen Dämpfer erhalten. Bis auf weiteres sind alle Testfahrten angehalten. Das Ziel noch vor Ende des Jahres eine kommerzielle autonome Taxiflotte auf die Straße zu bringen damit in weite Ferne gerückt. Und hat damit die Frage, ob Uber überhaupt moralisch und technisch in der Lage ist, solch eine Technologie zu entwickeln in den Mittelpunkt der Diskussion gestellt.

Die Technologie an sich ist damit nicht in Frage gestellt, sehr wohl aber welches Verhalten von Unternehmen wir dabei sehen wollen. Aus den heute vorliegenden Erfahrungen sollte Uber nicht darunter sein.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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