Vorläufiger Unfallbericht zu tödlichem Uber-Unfall

Die US-Verkehrssicherheitsstaatsanwaltschaft NTSB hat einen vorläufigen Bericht zum Unfallhergang und -ursache im tödlichen Unfall am 18. März 2018 mit einem autonomen Uber-Fahrzeug in Tempe in Arizona veröffentlicht.

Das Experimantalfahrzeug für die Entwicklung von autonomen Fahren war mit vor- und seitwärts gerichteten Kameras, Radar-, Navigations- und Lidarsensoren ausgestattet, sowie einer Computereinheit und Datenspeicher, die im Fahrzeug integriert waren. Das Fahrzeug war von Uber nachträglich mit einem Kamerasystem ausgestattet worden, das an der Windschutzscheibe und dem Rückenfenster angebracht war und zusätzliche Videobilder liefert, sowie einem Kamerasystem, das das Wageninnere und den Fahrer erfasste. Insgesamt war das Fahrzeug mit 10 Kamerasichten ausgestattet, deren Videos für die ganze Fahrstrecke gespeichert wurden. Dem System lag eine Navigationskarte zugrunde, in dem alle Geschwindigkeitsbeschränkungen, sowie Fahrspuren eingetragen waren.

Das vom Fahrzeughersteller Volvo mit ausgelieferte Fahrerassistenz- und Kollisionsvermeidungssystem namens City Safety war von Uber deaktiviert worden. Gemäß Aussagen von Uber verlässt sich das Fahrzeugsystem auf einen Sicherheitsfahrer, der im Notfall eingreifen muss.

Gemäß der Fahrzeugdaten registrierten das Radar und Lidar die Fußgängerin sechs Sekunden vor der Kollision, als das Fahrzeug mit 43 Meilen pro Stunde (69 km/h)  unterwegs war. Das System klassifizierte die Fußgängerin zuerst als unbekanntes Objekt, dann als Fahrzeug, dann als Fahrrad mit unterschiedlichen Erwartungen in welche Richtung es sich bewegen würde. 1,3 Sekunden vor der Kollision erkannte das System, dass es eine Notbremsung einleiten müsse um eine Kollision zu vermeiden.

Allerdings ist gemäß Uber das Notbremssystem unter Computerkontrolle nicht verfügbar, damit mögliche Fehldetektionen – sogenannte false positives – nicht zu einem unerwarteter Bremsung und damit möglichen Unfällen im Fließverkehr führen. Das Fahrzeugsystem verließ sich auf den Sicherheitsfahrer rechtzeitig einzugreifen.

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Der Sicherheitsfahrer reagierte weniger als eine Sekunde vor der Kollision durch Berührung des Lenkrads. Die Kollision geschah bei einer Geschwindigkeit von 39 Meilen pro Stunde (63 km/h), der Sicherheitsfahrer betätigte die Bremse eine Sekunde nach der Kollision. Das Selbstfahrsystem selbst arbeitete normal.

Die Videos der Fahrzeugkameras zeigen eine dunkel gekleidete Fußgängerin, die sich quer zur Fahrbahn ohne Blickkontakt in Richtung des Fahrzeugs bewegte. Das Fahrrad hatte keine seitlichen Reflektoren.

Die nach innen gerichtete Kamera zeigt eine nach unten auf die Mittelkonsole schauende Sicherheitsfahrerin. Sie gab gegenüber der NTSB an, das Selbstfahrsystem auf der Anzeige beobachtet zu haben. Sie gab auch an, dass sowohl ihr privates als auch Geschäftshandy im Fahrzeug war, sie diese aber nicht benutzt hatte. Erst nach dem Unfall rief sie damit die Rettung.

Einsatzkräfte beschäftigen, dass die Sicherheitsfahrerin zum Unfallzeitpunkt nicht betrunken war. Toxikologische Untersuchungen an der Fußgängerin zeigten positive Ergebnisse für Methamphetamine und Marihuana.

Uber hat mittlerweile sämtliche Operationen eingestellt, die Testlizenz für Arizona verloren, die Testlizenz für Kalifornien auslaufen lassen und gestern auch alle Mitarbeiter in Arizona entlassen.

Dieser Beitrag wurde auch auf Englisch veröffentlicht.

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