Mercedes-Benz stellte elektrische Nebelgranate vor

Vergangene Woche fand die berühmte Pebble Beach Concours d’Elegance Automobilwoche in Monterey in Kalifornien statt, bei der sich Automobillegenden ein Stelldichein geben. Neben perfekt gepflegten eleganten Oldtimern aus den Anfängen der Automobilgeschichte treten dort auch die neuesten Vertreter von Eleganz und Protz auf.

So war auch Daimler mit einer Hommage an das Model W 125, besser bekannt als Silberpfeil, von 1937 vertreten. Der einsitzige Vision EQ Silberpfeil von 2018 unterscheidet sich in einem wesentlichen Element von seinem Urahnen: er fährt elektrisch. Laut Hersteller erreicht er 400 Kilometer Reichweite dank seiner 80kWh Batteriepacks im Wagenboden. Damit kriegt er 750 PS auf die Straße.

Gemäß Gorden Wagener, seines Zeichens Chief Design Officer bei Daimler, war Mercedes-Benz bereits vor 80 Jahren Geschwindigkeitspionier. Damals hatte der Silberpfeil mit Rudolf Caracciola als Lenker den bis 2017 ungebrochenen Geschwindigkeitsrekord von 432,7 km/h auf öffentlichen Straßen aufgestellt.

Als weiteres Detail kommt das Fahrzeug mit einem Augmented Reality-System, das den Fahrer gegen virtuelle Fahrer auf einer virtuellen Rennstrecke auf dem Panoramadisplay um die Wette fahren lässt. Und wer’s braucht und wem’s abgeht, der kann sich auch Dinosauriersaftmotorengeräusch einspielen lassen, entweder vom aktuellen Formel 1 Silberpfeil oder einem AMG Achtzylinder.

So schön das Fahrzeug ist, und sehr es ein Konzeptauto bleiben wird, so langsam wird es mühsam. Dieser elektrische Silberpfeil ist nicht mehr als eine Nebelgranate, die davon ablenken soll, dass Mercedes im Jahr 2018 nach wie vor kein alltagstaugliches Elektroauto im Angebot hat. Auch beim autonomen Fahren wird eine Vision nach der anderen vorgestellt, wie schon auf der CES in Las Vegas im Jahr 2015 der F015, oder 2018 eben dort der Smart Vision EQ (beide übrigens so gar nicht selbstfahrend, sondern schlicht und einfach ferngesteuert).

Der Vision EQ Silberpfeil enthüllt aber eines ganz deutlich: das Herzen der Autobauer steckt im Design von solchen stromlinienförmigen Autos, das auf männliches, im Alter zwischen 30 und 50 Jahren liegenden Publikum zielt, nicht aber darin, die automobile Welt durch den besseren, künstlichen Autofahrer, oder durch nachhaltige Antriebe zu verbessern. Man tobt seine kreative Energie und Ingenieurskunst in solchen Konzeptautos aus, nicht aber in der Verbesserung der Mobilität.

So langsam werden diese Konzeptfahrzeuge zu einem Luxus, den sich gerade ein schwäbischer Autobauer gar nicht leisten dürfte. Sie ziehen immer mehr dringend benötigte mentale Energie und Aufmerksamkeit von den dringlichen Baustellen ab, wie bei der Batteriekompetenz, dem Aufholen beim arg ins Hintertreffen geratenem autonomen Fahren, oder der Schaffung eines digital-zentrisch konzipierten Fahrzeugs.

Hier ist noch ein Video von der Veranstaltung mit dem Fahrzeug (auf Englisch):

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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