Der Albtraum Tesla wird nicht verschwinden

Keine Woche vergeht, in der nicht Schlagzeilen von der baldigen Pleite des Elektroautopioniers Tesla aus Kalifornien sprechen. Seit der Gründung des Unternehmens und vor allem seit der charismatische Paypal-Mitgründer Elon Musk die Leitung übernommen hat, wollen diese Meldungen nicht aufhören. Sechzehn Jahre nach der Gründung ist Tesla aber immer noch da, und hat in der Automobilindustrie alles auf den Kopf gestellt. Mit dem Roadster, dem Model S, dem Model X und nun dem ersten Fahrzeug für die breite Masse, dem Model 3, hat Tesla nicht nur gezeigt, dass gute und erschwingliche Elektroautos möglich sind, sondern auch von Kunden gewünscht und gekauft werden. Und die angekündigten Fahrzeuge wie der neue Model Roadster, das Model Y und der Tesla Sattelschlepper brechen in immer mehr Bereiche der Autoindustrie ein.

Mit diesen Erfolgen zwang Tesla fast alleine die gesamte Autobranche umzudenken und elektrische Fahrzeuge zu entwickeln. Und dabei unerwähnt sind noch der Autopilot, das Over-the-Air-Updating der Fahrzeuge und jede Menge anderer Details, die entweder nicht als wichtig oder möglich betrachtet wurden. Mit all diesen Änderungen müssen traditionelle Hersteller umdenken, massive Investitionen in neue Technologien machen, und zugleich nachdenken, wie sie mit Mitarbeitern und Expertise aus alten Technologien umgehen sollen. So stehen bei nüchterner Betrachtung hunderttausende Arbeitsplätze alleine im deutschsprachigen Raum auf dem Spiel.

Kein Wunder, dass man nervös ist und den Albtraum Tesla lieber früher als später weg haben will. Wann immer ich im Silicon Valley Delegationen aus Europa begegne, die sich oft aus Autoexperten und Politikern mit starker Automobilindustriepräsenz im eigenen Land zusammensetzen, höre ich den Satz

„Tesla ist ja eh bald Pleite!“

Doch ist da mehr der Wunsch der Vater des Gedanken (siehe auch Satzbausteine für Tesla-Haters), denn bisher ist Tesla nach wie vor nicht Pleite, und kann offensichtlich ohne Probleme hohe Mengen an Geld aufstellen.

Elon Musk hat bereits 2004 in das Unternehmen eigenes Geld investiert und seither es immer wieder geschafft, Tesla vor dem Bankrott zu retten, und das gelang ihm gleich mehrmals. Der Moment als er 2008 im Jahr der Wirtschaftskrise noch zu letzter Stunde am 24. Dezember als wahres Weihnachtswunder doch nochmals dem Tod von der Schippe sprang, davon berichtete Musk vor einigen Jahren.

Auch 2013, gerade als das Model S ausgeliefert werden sollte, war Tesla so knapp in finanziellen Ressourcen, dass Musk einen Käufer suchte. Und die Google-Gründer, mit denen Musk ein spezielles Freundschaftsverhältnis verbindet und bei denen er regelmäßig im Silicon Valley übernachtet, hatten bereits einen Kaufvertrag fix und fertig vorliegen, mit der Auflage dass Musk für die weiteren 8 Jahre Tesla bis zum Verkaufsstart des Model 3 führen würde. Gleichzeitig war offensichtlich auch Apple daran interessiert, Tesla ein Angebot zu machen, das Musk nicht ausschlagen hätte können.

Als Musk im Frühjahr 2018 öffentlich mit der Idee gespielt hatte, Tesla von der Börse zu nehmen und zu privatisieren, war Volkswagen innerhalb von ein paar Tagen an Tesla herangetreten und hatte angeboten, dass sie 30 Milliarden Dollar stemmen könnten.

Und auch wenn Musk noch letztes Jahr gesagt hatte, keine Kapitalaufnahmen mehr zu benötigen, so war das nach den Verlusten im ersten Quartal 2019 doch notwendig geworden. Aus den angepeilten 2 Milliarden Dollar wurden 2,7 Milliarden.

Rechnet man die bisherigen Verluste von Tesla über die Jahre hinweg zusammen, dann hat das Unternehmen bis dato (Quelle Forbes & Jahresberichte) durch 4,828 Milliarden Dollar verbrannt und gleichzeitig über 21 Milliarden an Kapitalaufnahmen erhalten. Diese Werte sind allerdings nicht einfach verbrannt und verloren, sondern es ist in Form gleich dreier Gigafactories, der Tesla-Fabrik in Fremont, dem weltweiten Ladestationsnetzwerk, und unter anderem einem unglaublichen Markenwert vorhanden.

Diese 4,8 Milliarden Dollar mögen nach viel klingen und sind es auch, man stelle das aber in Relation zu den Strafzahlungen die Volkswagen alleine bisher wegen des Dieselskandals zahlen musste: 29 Milliarden Dollar! Ohne noch dabei den Wertverlust der Marke hinzuzurechnen. Da hätte man alleine aus den Strafzahlungen sechsmal die bisherigen Tesla-Verluste zahlen können – und hätte sicherlich wirtschaftlicher und zum Wohle der Menschheit gehandelt.

Liest man den Tenor der jüngsten Meldungen in deutschen Medien, dann steht Tesla scheinbar schon wieder vor der unmittelbaren Pleite. Doch all die Jahre haben eines gezeigt: es gibt so viele Interessenten an Tesla, dass egal was auch immer passiert, Tesla da bleiben wird. Vielleicht ist es dann nicht mehr Tesla alleine oder Elon Musk das Aushängeschild des Unternehmens, aber der für deutsche Hersteller so große Albtraum Tesla wird nicht weggehen. Dieses sich Einreden, dass Tesla bald weg sein wird und man damit wieder alles „normal“ wird und man sich endlich nicht mehr mit solch Dingen wie Elektroauto oder autonomes Fahren beschäftigen muss, wird nicht geschehen. Tesla hat diese Gleichungen und Erwartungen für immer geändert.

Tesla wird auch das nächste Jahrzehnt präsent sein und das Tempo vorgeben, und darauf sollten sich deutsche Hersteller lieber heute als morgen oder gar nie einstellen. Nur dann wird man die Bedrohung ernst nehmen und seine eigenen Anstrengungen intensivieren.

Dieser Artikel ist auch auf Englisch erschienen.

12 Kommentare

  1. Dein Weblog hier ist für mich das originellste Auto-Blog, das ich kenne. Du hast meinen allergrößten Respekt und Anerkennung. Danke für die vielen Artikel, die wirklich interessante, andere Sichtweisen auf die Zukunft und Gegenwart der Automobilität zeigen.

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    1. Ooops, ich merke gerade, dass mein Kommentar so allgemein und nichts sagen gehalten ist, wie die typischen Spam-Kommentare, die ich auch stets auf meinem Weblog vorfinde. Sorry dafür, war wirklich ernst gemeint!

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  2. Schöne Zusammenfassung, immer wieder auf Kante gelaufen, aber doch die Kurve bekommen, sowas wäre in DE nicht möglich gewesen. Sogar Daimler investierte 2008 und hat damit letztlich den Motor für die E-Mobilitätsinnovation am Leben erhalten. Vermutlich haben sie aber soweit gar nicht gedacht, es ging ihnen vermutlich nur darum, ihre Smart-E-Kleinflotte nicht sterben zu sehen, weil ihnen das sonst die CO2 Flottenbilanz verhagelt hätte. Liege ich richtig oder ist das ein Märchen?

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  3. In allem respekt. Habe sogar Ihr Buch gekauft und gelesen in meinen Ferien.

    Was sie provezeihen wird nur leider nie ganz eintreffen. Wir menschen lieben das Auto und wollen es selber fahren und besitzen. Und vorallem Hören!

    So wie sie es darstellen wird das auto zu einem gebrauchsgegenstand und das wird nie passieren.

    Es gibt zuviele menschen die sich das auto nicht nehmen lassen!

    Und die wirtschaft hängt zu sehr auch davon ab. Ich bin 25 jahre und seit 3 jahren selbständig mit einer kfz werkstatt und handel mit sehr gübstigen gebrauchten vis 2000.-
    Hatte auch cor mal 2 3 eautos zu kaufen. Alle über 6 jahre sind jetzt schon schrott ebtweder motor oder akku.
    Es wird eine misch gesellschaft max. Geben. Ca. 30% elektro und 70% verbrenner. Weil es zu wenig emotionen und zu viel umstand bietet.

    Alternativ wäre künstlicher kraftstoff super!

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    1. Bist schon mal Tesla gefahren? Das ist ein Elektroauto, das Dir zu verstehen gibt, warum sie gewinnen werden und Verbrenner sterben.
      „Wir Menschen“ haben auch Pferde geliebt und Männer mussten darüber fachsimpeln können, wenn sie wer sein wollten. Wie wichtig sind Pferdegespräche heute in Deinem Umfeld?

      Ich habe gerade ein Model 3 gekriegt. Da gibt es keinen Serviceplan, ich muss nicht mehr regelmäßig in eine KFZ-Werkstatt. Gerade mal Reifen muss ich wechseln und Scheibenwasser nachfüllen lassen. Dein Job ist gefährdet. Du wirst als heute 25-jähriger in spätestens 10 Jahren umgeschult haben oder Dich auf Elektroautos spezialisiert haben müssen. Wenn Du Dir das heute verleugnest, dann wirst Du ein massives Problem in 5-10 Jahren haben.

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