Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen Oder Die Katastrophe mit Ansage um den Mercedes EQC

Die Welt und der Spiegel haben mit Berichten aufhorchen lassen, die Zweifel an der Elektromobilität aufkommen lassen würden, wenn man nicht die tatsächlichen aktuellen Zulassungsstatistiken betrachtet.

China

In der Spiegel-Meldungen geht es um das Auslaufen der Kaufförderungen für Elektroautos in China, bei der die Schlagzeile Elektromobilität in China – Der lange Marsch zurück den Eindruck vermittelt, dass China keine Zukunft in Elektroautos mehr sieht. Das stimmt so nicht, denn wie in vielen Ländern und Regionen (und ich kann da von Kalifornien aus eigenen Erfahrungen sprechen), werden anfänglich staatliche Förderungen und Steuernachlässe als Anreiz zum Anschieben einer Technologie eingeführt, die dann nach einiger Zeit weniger werden, bis sie ganz abgeschafft werden. Und genau das passiert jetzt in China, wo es trotz der Einstellung der Förderungen nach wie vor Mittel gibt, Elektromobilität zu fördern: und das sind Pakete, die die Verfügbarkeit von Kennzeichen, Gratisparken, Gratisladen, oder der Mitbenutzung von Bus- oder Expressspuren beinhaltet. Keine Rede also vom „langen Marsch zurück“ bei Elektroautos in China.

Mercedes EQC

Die Meldung von der Welt wiederum hat einen ganz anderen Charakter. Der Mercedes EQC, der erste rein batterieelektrische SUV von Mercedes, der im September 2018 mit großem Trara vorgestellt worden war, hat sich im November 2019 laut Zulassungsstatistik des Kraftfahrbundesamt in Deutschland sagenhafte 55(!) Mal verkauft – oder korrekter gesagt – 55 Stück, darunter 19 der AMG-VErsion, wurden bundesweit zugelassen.

Diese Zahl ist, gelinde gesagt, eine Katastrophe, die an die Einführung des Mercedes S von 1991 erinnert, der damals gerade mal auf einen Kundenkreis von 1 optimiert worden war: Helmut Kohl. Auch wenn sich die S-Klasse ursprünglich gut verkaufte, wurden aufgrund der Dimensionen und des Gewichts des Fahrzeugs sehr rasch die Nachteile erkenntlich – und viele S-Klasse-Fahrzeuge tauchten als Eintauschwagen bei BMW-Händlern auf, weil die Kunden dann auf einen 7er BMW umgestiegen waren.

Dabei war der EQC eine Katastrophe mit Ankündigung. Ich habe hier schon vor einem Jahr mal alles aufgelistet, was am EQC vermasselt war. Und als dann Journalisten zum ersten Mal das Auto zum Testen in die Hand bekamen, wie eben Nando Sommerfeldt von der Welt vor ein paar Tagen, dem es nicht möglich war einen Trip von 180 Kilometern im Winter mit vollgeladenem Fahrzeug ohne Zwischenladen zu beenden, war wohl jedem klar, dass „Das Beste oder Nichts“ als Mercedes-Leitspruch seine Gültigkeit verloren hatte.

Was Du tust ist was du bist

Dieses Versagen in Elektromobilität geht bei Mercedes ganz klar auf den langjährigen CEO Dieter Zetsche zurück, der mit Elektromobilität so gar nichts zu tun haben wollte.

Die Denke, dass man den eigenen Kunden kein Auto zutrauen wollte, dass sich zu sehr vom Bekannten unterschied, war ein Schuss ins eigene Knie. Vor allem der einfache Leistungsvergleich mit dem Angebot von einem Konkurrenten wie Tesla, ließ bei den Kunden den bitteren Beigeschmack zurück, dass man sie bei Mercedes für dumm verkaufen wollte. Der EQC ist einfach zu teuer und zu schlecht. Eine Kombination, die keinen Verkaufsschlager erzeugt.

Zulassungszahlen Deutschland

Obwohl die Zulassungszahlen für den Dezember in Deutschland noch nicht vorliegen, so zeichnen die Hochrechnungen und aktuellen Zahlen ein klares Bild. Die Zulassungskurve für rein batterieelektrische Autos in Deutschland zeigt ein exponentielles Wachstum. Obwohl die 2019er Zahlen den Dezember noch nicht beinhalten, liegen sie schon um fast 60 Prozent höher als 2018. Eine Extrapolation wird vermutlich 72 Prozent mehr Neuzulassungen für Elektroautos in den letzten 12 Monaten ausweisen, als für das Jahr 2018.

Anzahl der Neuzulassungen von Elektroautos in Deutschland von 2003 bis 2019* (C) Statista

Andere Länder

Die Zahlen aus anderen Ländern und von anderen Herstellen zeichnen ein ebensolches Bild. Zuerst mal hat Tesla einen Rekordabsatz geschafft und im 4. Quartal 2019 zum ersten Mal die Schallmauer von 100.000 ausgelieferten Fahrzeugen durchbrochen (genau: 112.000 Fahrzeuge). Alleine in den Niederlanden dominiert Tesla die Zulassungsstatistiken mit 12.062 ausgelieferten Model 3 im Dezember. Vergleichsweise gut hat sich auch der Audi e-tron in Deutschland (192 im November 2019) und wirklich gut in den Niederlanden (3.037 im Dezember 2019) verkauft.

Mit anderen Worten: es gibt eine Nachfrage nach guten Elektroautos. Die Schuld für das mangelnde Interesse am eigenen Angebot (BMW, Mercedes, ihrr seid gemeint!) lässt sich nicht auf die Kunden schieben, sondern ist vor allem beim eigenen mangelhaften Angebot zu suchen.

Vor einigen Monaten wurde ich als Tesla Model 3-Besitzer von einem deutschen Hersteller mal befragt, was eines der eigenen Elektroautos alles können müsste, damit ich von Tesla zu ihnen wechsle. Das habe ich mal in dieser Zusammenfassung aufgezählt und da lassen sich gleich etliche Elemente erkennen, die unabdingbar sind.

Was jetzt auf der CES?

Ich trau es mit ja schon gar noch mehr vorhersagen, aber ab diese Woche Montag eröffnet die Consumer Electronic Show CES in Las Vegas ihre Pforten, und in den letzten Jahren haben sich weder Mercedes noch BMW dort ausgezeichnet. Ich bin mir sicher, dass ich dort wieder auf dem Mercedes-Stand als wichtigstes vorgestelltes Fahrzeug einen Verbrenner sehen werde, und am Abend auf dem berühmten Strip – dem Las Vegas Boulevard – wohl mal wieder auf einem Block ein oder zwei Spuren abgesperrt werden, damit Mercedes das nächste, bereits ungezählte autonome Konzeptauto ferngesteuert vorführen wird – während andere wohlgemerkt ihre eigenen autonomen Autos als Robotaxis für Messebesucher einsetzen werden.

Bei BMW selbst sieht es nicht besser aus. Das Stiefkind i3 hat zum Sterben zu viel, aber zum Leben zu wenig. Und anstelle die Entwicklung der eigenen Elektrosparte voranzutreiben stellt man eher wieder Wuchtbrummen aus. Ich werde auf der CES vermutlich wieder dieselben x7, x8, x9 …x23 sehen, wie jedes Jahr, aber keine Elektroautos.

Gespannt bin ich auf den VW ID.3 und hoffe, dass ich den auf der CES sehen werde. Ansonsten werden sicherlich Byton, Nio und andere einen Eindruck dort hinterlassen und zeigen, wie sehr sich die Welt gewandelt hat. Das Traurige daran ist, dass die Chefingenieure vieler dieser Neueinsteiger aus dem deutschsprachigen Raum stammen, aber deren Mindset ein ganz anderes ist, als das was wir zuhause zulassen.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

7 Kommentare

  1. Die Möglichkeit, dass man die Zulassungen des EQC nach 2020 hieven wollten, um die Flottenemissionen für dieses Jahr zu senken und damit Strafzahlungen zu mildern, wurde außer Acht gelassen?

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    1. Das ist ein ziemlicher lahmer Grund. Wenn man nämlich die Zuversicht hätte, dass man auch im nächsten Jahr mehr als genug solcher Fahrzeuge verkauft, um die Flottenwerte senken zu können, dann muss man nicht mit solchen Tricks arbeiten.

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      1. Mercedes könnte vermutlich nicht mal genug davon produzieren, um Strafzahlungen zu entgehen. Also warum nicht das noch mitnehmen?

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    1. Elektroautos haben einen sehr schlechten Wirkungsgrad und sind sehr teuer, belasten zudem die Umwelt sehr stark. Deswegen finden sie nur dank gigantischer staatlicher Subventionen einen Käuferkreis auf sehr niedriger Basis. Richtig reinknallen wird es, wenn die Konjunktur abebbt, was sich derzeit ja schon ankündigt in vielen Bereichen. Dann wird es immer schwieriger, dem Steuerzahler zu erklären, warum er dazu gezwungen wird, Millionären ihre teuren Spielzeuge zu finanzieren.
      Das Elektroauto wird ein ähnliches Desaster erleben wie die sog. erneuerbaren Energien bzw. die Energiewende.

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