Teslas Status der Full Self Driving Beta: Analyse von Voyage-CEO Oliver Cameron

Viele Diskussionen mit mehr oder weniger sattelfestem Wissen gibt es, seitdem Tesla die Full Self Driving Beta an einige ausgewählte Kunden ausgeliefert hat, und dies seitdem eifrig Videos posten.

Nun hat der Gründer und CEO des in Palo Alto basierten Selbstfahrtechnologiestart-Ups Voyage seine Kommentare und Einsichten zu den veröffentlichten Videos in einem längeren Tweet gepostet. Cameron ist selbst Besitzer eines Tesla Model 3 Performance und arbeitet mit seinem Team daran, fahrerlose Robotaxis zu entwickeln. Aktuell fahren die Voyage-Taxis in zwei Rentnerdörfern in Kalifornien und Florida und sollen schon bald auch den vollständig fahrerlosen Testbetrieb aufnehmen.

Ich habe seine Kommentare und Einsichten aus dem Tweet übernommen, und der leichteren Lesbar- und Verständlichkeit halber neu formatiert und annotiert.

Analyse

Tesla Full Self Driving (FSD) ist aus mehreren Gründen ein polarisierendes Thema im Bereich der Entwicklung autonomer Fahrzeuge (AV):

  • Keine Verwendung von voraufgezeichneten High-Definition (HD)-Karten;
  • Die Welt mit Kameras wahrnehmen (kein LiDAR!);

Viele denken, dass Tesla FSD sich sehr von den meisten anderen Selbstfahrertechnologien unterscheidet, aber man kann es auf diese beiden Gründe reduzieren. Was Tesla FSD damit erreichen kann:

  • durch die Generierung einer Karte während der Fahrt, anstatt eine zuvor aufgezeichnete Karte vorzuladen, kann die FSD theoretisch überall fahren;
  • Kosteneinsparungen können durch weniger Sensormodalitäten realisiert werden;

Dennoch bleiben enorme Herausforderungen bestehen. Man denke daran, dass Waymo gerade erst die Fahrten ohne Fahrer (d.h. ohne Sicherheitsfahrer) offiziell freigegeben hat, wobei sowohl eine vorab aufgezeichnete Karte als auch zusätzliche Sensormodalitäten (LiDAR sowie Kameras und Radargeräte mit höherer Auflösung) verwendet wurden. Sprechen wir doch mal über diese Herausforderungen und schauen uns dazu einige Beispiele an.

Herausforderungen bei Straßenkarten

Im folgenden Video scheint die Tesla FSD diesen Median nicht zu erkennen und versucht daher, auf der falschen Straßenseite zu fahren. Ist dies ein „Grenzfall“, den es auszubügeln gilt, oder ist es eine ungeheuer große technische Herausforderung, Verkehrsregeln in Echtzeit abzuleiten?

Im nächsten Video scheint die Tesla FSD nicht zu verstehen, dass dies eine Einbahnstraße ist, die den Spurwechsel nach links verhindert. Die Menschen erkennen dies intuitiv anhand der Richtungen parkender Autos (und Schilder). Die maschinelle Intelligenz ist nicht ganz auf diesem Niveau.

Im folgenden Video bin ich mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, was hier vor sich geht. Die Fahrtroute des Fahrzeugs wechselt immer wieder von links nach rechts, so dass der Fahrer eingreifen muss, wenn das Fahrzeug auf den Bordstein zufährt. Aus diesem Grund müssen die Fahrer stets aufmerksam sein.

Meine Meinung: Kein Unternehmen verwendet eine voraufgezeichnete HD-Karte, weil es die zusätzlichen Kosten liebt. Sie tun dies, weil die Ableitung von Straßenmerkmalen in Echtzeit eine außerordentlich schwierige Herausforderung darstellt. Vielleicht kann Tesla dies kurzfristig mit einer Genauigkeit von 99,9 % tun, aber ist das gut genug?

Herausforderungen bei der Erkennung

In diesem Fall im nächsten Video scheint die FSD kurz davor zu sein, ein Signal zu geben, das ein Eingreifen erfordert. In der Visualisierung werden keine Objekte erkannt. Ist dies ein „Randfall“, den weitere Daten ausbügeln werden? Oder ist es, dass die Tiefenschätzung alleine mit Kameras fehleranfällig ist?

Im nächsten Beispiel beschließt die FSD, an einer ungeschützten Kreuzung auch dann weiterzufahren, als ein Fahrzeug im Querverkehr von rechts entgegenkommt. Dies erfordert das Eingreifen des Fahrers. Vielleicht hat die Dunkelheit die Reichweite der Kameras und Bildverarbeitungsalgorithmen eingeschränkt?

Meine Meinung: Kein Unternehmen fügt LiDARs zu seinen autonomen Autos hinzu, weil sie die zusätzlichen Kosten lieben. Sie tun dies, weil LiDAR die Schwächen von Kameras (wie das Sehen in der Dunkelheit) und Radargeräten unglaublich gut ergänzt.

Zusammenfassung

Angesichts der „Beta“-Bezeichnung der FSD ist mit dieser Art von Problemen zu rechnen. Die obigen Ausschnitte wurden jedoch aus nur 7 Minuten Fahrzeit entnommen. Wenn ich diese Art von Problemen mit dieser Häufigkeit sehe, dann halte ich es für bedenklich, dass dieses System in absehbarer Zeit für ein vollständiges autonomes Fahren bereit sein soll.

Nun sollten wir auch anerkennen, dass die Tesla FSD eine verdammt gute Leistung ist. Sie ist mit einem relativ kleinen Team aufgebaut worden, und es gibt viele beeindruckende Interaktionen. Wenn Sie zum Beispiel keine voraufgezeichnete HD-Karte zur Lokalisierung oder kein LiDAR haben, kann es schwierig sein, die genaue Nähe von Objekten mit der erforderlichen Granularität genau zu erkennen. Daher war diese leichte Abweichung für ein geparktes Fahrzeug im nächsten Video ziemliich beeindruckend!

Die Erkennung von Ampeln ohne Codierung der Positionen in einer zuvor aufgezeichneten HD-Karte ist von Natur aus ein datengesteuertes Problem. Aus den wenigen Videoclips, die ich gesehen habe, ist die FSD in der Lage, nicht nur den Ampelstatus, sondern auch die Relevanz der Ampeln für jede Fahrspur genau zu erkennen. Schön!

Auch wenn ich auf einige Fehler der FSD hingewiesen habe, die Straßenverkehrsregeln in Echtzeit abzuleiten, ist es immer noch super beeindruckend, ihre Fortschritte sind hier zu sehen.

Nach Abwägung der derzeitigen Schwächen und Stärken des Systems (wenn auch mit begrenzten Daten) wird deutlich, dass die FSD eine beeindruckende technologische Leistung ist.

Steht ein vollständig selbstfahrender Tesla unmittelbar bevor? Nach den wenigen Daten, die ich habe, lautet die Antwort nein. Die FSD hat sich eines komplexen Problems angenommen und es ohne voraufgezeichnete HD-Karte und mit reduzierten Sensormodalitäten noch komplexer gemacht. Ihr Datenvorteil hilft, aber angesichts dieses Ausgangspunkts ist unklar, ob er aussagekräftig ist.

Die Tatsache, dass wir nicht bald vollständig selbstfahrende Teslas haben werden, bedeutet nicht, dass wir uns nicht für die Tesla FSD begeistern können. Es ist gut und begrüßenswert, vielfältige Ansätze zu sehen. Sie treibt unsere Industrie an, den Kunden ein besseres Produkt zu liefern. Herzlichen Glückwunsch an Tesla zur Auslieferung. Jetzt aber auch dann mit Fahrerüberwachung!

Mein Vorbehalt: All dies sind Spekulationen, die nur auf dem basieren, was ich in den Videos sehen kann. Ich bin sicher, dass ich an vielen Stellen falsch liege, also nehmt bitte das Obige nicht zu ernst.

Quellvideos

Twitter

Hier zusammenfassend nochmals der vollständige Thread auf Twitter:

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

2 Kommentare

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