Waymos behindern Einsatzfahrzeuge: ein relevantes Problem oder nicht?

Aktuell kursieren einige Videos von Waymos, die nicht nur Schwierigkeiten haben, den Anweisungen von Einsatzkräften zu folgen, sondern diese teils vollständig behindern. Das hat sowohl lokale wie auch die Bundesbehörden auf den Plan geworfen, die verstehen wollen, wie häufig das geschieht und die Google-Schwester Waymo dieses Problem lösen will. Hier sind einige der Zwischenfälle der letzten Wochen und Monate.

Das folgende Video stammt aus Dallas, wo ein quergestelltes Waymo, das erst nach Intervention mit der Waymo-Betriebszentrale manuell von einem Feuerwehrmann weggefahren werden konnte, den Einsatzkräften den Weg zu einem Hausbrand mit tödlichen Ausgang verstellte.

Ein anderer Zwischenfall mit einem Waymo ereignete sich bei einer Massenschießerei, wo ein Waymo über die Fahrbahn quergestellt Einsatzkräfte zu blockieren scheint.

Das folgende Waymo fuhr in einen wegen eine Feuers abgesperrten Bereiches in Hollywood,

In diesem Video aus Los Angeles fährt ein Waymo unbekümmert in eine Szene, wo mehrere Polizeifahrzeuge ein Fahrzeug angehalten haben und die Polizisten mit gezückten Waffen den Fahrer zum Aussteigen bewegen.

Und hier ein Video aus San Francisco, wo ein Waymo in der Kreuzung steht und gleich drei Einsatzfahrzeuge behindert:

Wie werden Robotaxis und Einsatzkráfte geschult?

Robotaxis werden auf Einsatzfahrzeuge und die Interaktion mit Einsatzkräften trainiert. Sie müssen erkennen, dass Einsatzfahrzeuge im Einsatz sind, wie in den USA vorgeschrieben entsprechend Platz für sie machen, und auch erkennen ob sie selbst gemeint sind. Ein solches Beipiel gibt’s hier:

Waymo verbringt auch einige Zeit damit, die Robotaxis auf das Erkennen von Einsatzfahrzeugen zu trainieren, und entsprechende Reaktionen daraus abzuleiten. Dazu zählen auch Gesten von Einsatzkräften und Personen, auf die manchmal besser, manchmal allerdings schlechter oder im falschen Moment reagiert wird. Waymo wiederholt diese Übungen in jeder neuen Stadt, in der sie den Robotaxidienst aufnehmen, um auch die örtlichen Einsatzkráfte zu schulen, wie Robotaxis funktionieren und wie sie mit ihnen umgehen müssen. Waymo stellt dabei eigene Schulungsmaterialen bereit auf seiner Website bereit, wei auch die Governors Highway Safety Association.

Wie ernst ist das Problem?

Die Feuerwehr von San Francisco (SFFD) vom 22. April 2025 bis zum 1. Mai 2026 31 Vorfälle zur Behinderung von Einsatzkräften durch Waymos aufgezeichnet und berichtet.

William Riggs, Professor an der Universität von San Francisco, beschäftigt sich intensiv mit autonomen Autos und berät dabei die Behörden und Industrie. Er warf in einem LinkedIn-Post auch die von mir schon gestellte und berechtigte Frage auf, wie ernst das Problem wirklich sei. Und dazu werden Vergleichsdaten benötigt. Wenn die Feuerwehr von San Francisco (SFFD) 31 Vorfälle berichtet hat, müssen wir das in den Kontext der Anzahl der Waymos und der gefahrenen Kilometer stellen, und das mit Vorfällen mit menschlichen Fahrern vergleichen. Riggs schreibt:

Aber genau das ist ja das Problem. San Francisco hat ein spezielles Meldesystem für Vorfälle mit autonomen Fahrzeugen eingerichtet – die nur einen winzigen Teil des gesamten Verkehrsaufkommens auf unseren Straßen ausmachen –, verfügt jedoch über nichts Vergleichbares für menschliche Fahrer. Jedes Mal, wenn ein autonomes Fahrzeug den Eindruck erweckt, ein Einsatzfahrzeug zu blockieren, zu zögern oder Rettungseinsätze zu behindern, gibt es einen Mechanismus, um dies zu dokumentieren; bei menschlichen Fahrern ist das nicht der Fall. [..]

Dies wird nicht systematisch erfasst, und als Forscher und Politikanalysten müssen wir bei unseren Bewertungen systematisch vorgehen. Wir sollten nicht nur fragen: „Wie viele Vorfälle mit autonomen Fahrzeugen gab es?“, sondern auch verstehen: „Im Vergleich zu was?“ Ohne einen vergleichbaren Datensatz zu Fahrzeugen mit menschlichem Fahrer ist es schwierig, Schlussfolgerungen über die relative Leistung oder das relative Risiko zu ziehen.

Mit anderen Worten: es gibt keine Aufzeichnungen zu Zwischenfällen mit menschlichen Fahrern. Dabei können wir annehmen, dass bei beinahe 500.000 in San Francisco registrierten Fahrzeugen im Vergleich zu den 1.000 in der gesamten San Fancisco Bay Area eingesetzten Waymos doch auch der eine oder andere Zwischenfall mit menschlichen Fahrern vorliegen muss. Nicht nur der eine oder andere, sondern vermutlich tausende oder sogar zehntausende im selben Zeitraum.

Selbstverständlich müssen die Hersteller von autonomen Autos die Algorithmen verbessern, um die Interaktion mit Einsatzkräften zu verbessern. Das ist gar keine Frage. Doch ohne Vergleich sieht es eher so aus, also ob die technologische Neuigkeit sich besser für Nachrichten und Aufregung eignet, als das was wir über die Jahre normalisiert haben. Hund beißt Mann sind bekanntermaßen keine Neuigkeiten, aber ein Mann der einen Hund beißt, das lässt sich bringen.

Menschen behindern Einsatzfahrzeuge

Wie ernst das Problem der Behinderung von Einsatzfahrzeugen und -kräften ist, wird aus ein paar Videos aus aller Welt deutlich. Hier ist ein Beispiel aus Deutschland, das ein ziemlich unverständliches Verhalten eines Autofahrers zeigt, der den Weg für die Feuerwehr bei einer Einsatzfahrt einfach nicht freimachen will.

Hier ein Beispiel aus Birmingham, wo ein in zweiter Spur abgestelltes Fahrzeug einen Feuerwehrwagen im Einsatz blockiert.

Im Juni kam mir eine Szene in meiner Heimatstadt Wien unter, als an einer sehr belebten Kreuzung bei der Urania ein Rettungsfahrzeug versuchte, bei Rot die Kreuzung zu queren, also ein Fußgänger mit aufgesetzten Kopfhörern völlig selbstvergessen die Straße querte und genau vor die Rettung lief. Hier ein Video an gerade erwähnten Kreuzung, wo ein Jugendlicher ohne zu schauen beinahe dem Rettungswagen in den Weg läuft.

Auch Radfahrer zeigen Einsatzfahrzeugen wenig Beachtung und riskieren dafür sogar ihr Leben, wie man in diesem unglaublichen Beispiel sehen kann. Auch hier trägt der Fahrradfahrer Kopfhörer und scheint das Einsatzfahrzeug nicht zu hören.

Behörden sind somit aufgefordert, Daten zu solchen Zwischenfällen für alle Verkehrsteilnehmer zu sammeln und entsprechende Maßnahmen zur Verbesserung der Situation vornehmen und vorschreiben, aber nicht selektiv für eine einzige Gruppe von Verkehrsteilnehmern.

Hinweis: Jonathan Slotkin, ein amerikanischer Neurochirurg, hat einen Beitrag geschrieben, in der er auf das Paradox hinweist, dass wir von Maschinen Perfektion erwarten, aber von Menschen verursachtes Gemetzel hinnehmen.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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