Mercedes trotz Rekordjahr in Panikstimmung

Zuerst noch der Jubel, weil Mercedes 2016 mehr Autos als BMW verkaufte und Rekordabsätze erzielte, und dann innerhalb von einer Woche drei Meldungen, die von einer Panikstimmung bei Mercedes zeugen.

2016 war für Mercedes das beste Jahr in der Firmengeschichte. Nicht nur lag man mit den Verkaufszahlen vor BMW, es wurden auch erstmals über 2 Millionen Fahrzeuge in einem Jahr an Kunden ausgeliefert bei einem starken Wachstum von 11,4 Prozent.

Drei scheinbar unabhängige Meldungen von vergangener Woche zeigen aber, dass bei Mercedes Feuer am Dach ist. Die Rekordverkäufe können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stuttgarter Autobauer den Anschluss an die kommenden Änderungen in der Autobranche verloren haben.

Zuerst (27.3.2017) kündigte Mercedes seinen Rückzug aus der Entwicklung von Brennstoffzellen an. Und das nur wenige Wochen, nachdem man bei den Stuttgartern noch fest zugesichert hat, Milliarden in diese Technologie investieren zu wollen. Den Meinungsumschwung brachte eine einfache Rechnung: Batterien für Elektrofahrzeuge sind bereits billiger als Brennstoffzellen und in Einzelfällen auch billiger als Verbrenner.

Dann (29.3.2017) kam die Meldung, Mercedes ziehe die Verfügbarkeit der geplanten Elektroautoserie um drei Jahre vor. Statt 2025 sollen zehn Modelle bereits ab 2022 erhältlich sein. 2022! Neun Jahre nachdem Tesla sein Model S das erste Mal ausgeliefert hat. Sechs Jahre nach der Verfügbarkeit des Tesla Model X. Und fünf Jahre nach der Verfügbarkeit des Tesla Model 3. Die Gründe sind klar: Mercedes kommt immer mehr unter Druck auch bei seinen Diesel und Benzinern geschummelt zu haben, und die Ankündigung mehrere Städte, erste Dieselfahrverbote einzuführen klingen auch nicht zu gut. Dabei hat Mercedes 90.000 Mitarbeiter zu viel. Nämlich diejenigen, die um das Aggregat herum beschäftigt sind. Mit Elektrofahrzeugen braucht man die nicht mehr, und die sind auch kaum auf Batteriechemie umschulbar.

Und zum Schluss (3.4.2017) vermelden Bosch und Mercedes eine engere Partnerschaft in der Entwicklung von selbstfahrenden Autos. Zwar forscht Mercedes bereits seit den 1980er Jahren an dieser Technologie und hatte auch einige Erfolge, so ist man aus eigener Schuld gewaltig ins Hintertreffen geraten. Google-Waymo, Tesla, Uber, GM Cruise oder Volvo sind Mercedes (und Bosch) in der Entwicklung weit voraus. Irgendwie sieht diese Partnerschaft wie die ‚Walking Dead‘ aus. Zwei Fußlahme versuchen durch zusammentun schneller zu laufen.

Tesla steht davor, deutschen Automachern in wenige als einem Jahr einen zweifachen Todeskuss zu versetzen. Zuerst mit dem Beginn der Model 3 Auslieferung ab Juli 2017, und dann mit der Aktivierung der Software für das Autopilot Hardware Kit 2, das bereits für autonomes Fahren ausgerichtet ist. Bis dato hat Tesla bereits 50.000 Autos damit ausgeliefert. Mit einem Schlag werden mit dem Softwareupdate 100.000 und mehr Teslas selbstfahrfähig sein und Daten generieren, die die Selbstfahrtechnologie rasch verbessern werden. Während deutsche Hersteller wie Mercedes noch diskutieren, ob das überhaupt von den Kunden gewünscht wird, hat Tesla diese Autos bereits auf den Straßen.

Mercedes befindet sich im ‚Peak Horse‘-Moment. Der Höchststand an Pferden in den USA gab es im Jahr 1915 mit 21 Millionen. Ein Pferd auf drei Amerikaner. Und das als bereits Autos die Strassen dominierten, wie auf den Bildern unten aus dem Jahr 1900 und 1913 zu sehen ist. Mercedes befindet sich im ‚Peak Car‘-Moment, und die drei Meldungen der vergangenen Tagen zeigen, dass man das verstanden hat und panikartig spät aber doch reagiert.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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