Steht Waymo unmittelbar vor dem Start seines Robotertaxiservices?

Die Gerüchte verdichten sich, dass die Google-Schwester Waymo unmittelbar vor dem Start seines Robotertaxiservice steht. Google/Waymo begann 2009 mit der Entwicklung von autonomen Autos und hat bis dato über 14 Millionen gefahrene Kilometer im autonomen Modus angesammelt, der bei weitem überwiegende Teil davon um urbanen Gebiet. Jeden Tag fahren Waymo-Autos in Mountain View und Chandler 40.000 Kilometer, und das selbst am Wochenende. Hier im Video ist eine Sammlung an Begegnungen von Waymo-Autos und anderen autonomen Fahrzeugen im Silicon Valley.
https://www.youtube.com/watch?v=LuozS6B8VSo
Seit einem Jahr sind mehrere hundert Anwohner von Chandler Teil des Early-Rider-Programm, bei dem sie die Fahrzeuge im Testbetrieb als Passagiere benutzen. Im Jänner hat Waymo-CEO John Krafcik über die weiteren Pläne und Zukunft des Programms gesprochen, und seither haben sich die Aktivitäten intensiviert. So wurden 62.000  Fiat-Chrysler Pacifica Minivans und 20.000 Jaguar iPace bestellt, die mit Waymo-Technologie ausgestattet werden sollen. Damals kündigte Krafcik an, dass ab Herbst innerhalb von wenigen Jahren diese autonomen Fahrzeuge ihren Betrieb – wohlgemerkt: kein Testbetrieb mehr – aufnehmen sollen. Zum Vergleich: New York City hat insgesamt 13.000 Taxis mit 40.000 Taxifahrer, in den ganzen USA gibt es an die 233.000 Taxifahrer. Nun kommt Waymo und stellt dem 82.000 Robotertaxis entgegen. Zwischenzeitlich hat die kalifornische Verkehrsbehörde DMV eine Möglichkeit geschaffen, eine Lizenz für den Betrieb solcher Autos ohne Fahrer an Bord zu erlauben, auch wenn seit der Einführung dieser Lizenz am 1. April 2018 noch keines der drei ansuchenden Unternehmen (Waymo, GMCruise, Phantom.auto) diese Genehmigung erhalten haben. Auch die California Public Utility Commission (CPUC), die unter anderem für die Regulierung von Taxidiensten zuständig ist, hat die die Bestimmungen um autonome Autos erweitert, wenn auch mit Einschränkungen. So dürfen keine Fahrten von und zum Flughafen durchgeführt werden, noch darf Geld für den Taxidienst verlangt werden. Im Mai 2019, wenn die nächste Sitzung der CPUC zu diesem Thema stattfindet, wird erwartet, dass auch diese Einschränkungen fallen werden.

Gerüchteküche

Die letzten Tage und Wochen aber verdichteten sich die Gerüchte, die Hand in Hand mit den bisher bekannten Fakten gehen und ein klares Bild ergeben. So berichtete eine anonyme Quelle von verstärkten Einstellungsaktivitäten Waymos. Hunderte und tausende autonome Autos zu den bisherigen 600 benötigen entsprechend Personal. Die Informationen die aus diesen Recruiting-Veranstaltungen durchsickern, sagen folgendes:
  • Noch 2018 soll der Betrieb in ganz Phönix aufgenommen werden. Das abgedeckte Gebiet umfasst 259 Quadratkilometer (im Vergleich: Stuttgart hat 207 km2, Wien 414 km2)
  • Als Vorbereitung für den Start wurde ganz Phönix von Mappingfahrzeugen erfasst. Autonome Autos benötigen hochpräzise Straßenkarten, die u.a. auch zentimetergenau Gehsteigkantenhöhen oder die Position von Fahrspuren oder Straßenschildern enthalten.
  • Im Frühjahr soll der Betrieb auf San Francisco und Mountain View ausgedehnt werden.
  • Die Fahrzeuge selbst sollen dann nach einer Übergangsphase der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden, also nicht nur ausgesuchten Early-Ridern, sondern den Anwohnern.
  • Von technischer Seite her sind auch andere Wetterbedingungen abseits von Sonnenschein abgedeckt. Regen, das ein Problem für Sensoren darstellt, da es Signale verzerrt, soll gelöst sein und kein Problem mehr darstellen. An Schnee wird gerade gearbeitet, und auch das soll nach jahrelangen Vorbereitungen im kommenden Winter dann endgültig möglich sein.
Dann interviewte Forbes den Waymo CTO Dmitri Dolgov, der über die Massenproduktion der Waymo-Technologie sprach. Das bedeutet, dass Waymo mittendrin steckt, die entsprechende Anzahl an eigenentwickelten LiDARs und anderen Technologiekomponenten zu produzieren, damit die Autos damit ausgestattet werden können. Auch hat Waymo in mehreren U.S.-Städten, unter anderem Miami und Orlando, Lobbyisten angestellt, die dortige Verwaltungen vom Betrieb von autonomen Autos überzeugen sollen, um entsprechende Genehmigungen und rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Erste Fahrten sollen im Rahmen eines Early-Rider-Programms dort bereits 2019 beginnen. Ebenso tauchten Meldungen einer Waymo-App auf, mit der Benutzer ein Auto bestellen können. Auf diesen Apps waren testweise auch mögliche Fahrpreise aufgezeigt. Mit der Mietwagenfirma Avis schloss Waymo einen Servicevertrag ab, die tausenden Waymo-Autos zu warten. Mit AutoNation dann einen Vertrag, wo Autobesitzer, die ihr Auto beim Service haben, als Übergangsfahrzeug ein autonomes Waymo erhalten. Und mit Walmart wurde eine eigener Waymo-Parkplatz eingerichtet, wo Waymo-Benutzer ihre Online-Einkäufe abholen können.
Kein Wunder, dass Morgan Stanley Waymo bereits mit 175 Milliarden Dollar bewertet, und UBS Waymo im Jahr 2030 mit 60 Prozent Marktanteil bei autonomen Autos voran sieht. Auch wenn in den vergangenen Wochen auch Kritik an Waymo-Autos und deren zögerlichem Verhalten aufgetaucht, so sind die bisherigen Unfallzahlen und das beobachtete Verhalten durchaus das, was wir von autonomen Autos wollen. Die Unfallzahlen sind sehr gering und überwiegend den Fehlern von menschlichen Fahrern zuzuschieben, und sie fahren nicht zögerlich, sondern sicher und benehmen sich höflich gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern.

Auswirkungen

Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass in den nächsten Tagen und Wochen der Start von Waymos autonomen Taxiservice aus der Testphase in eine Betriebsphase tritt, die bis Ende nächsten Jahres dann zigtausende Autos umfassen und hunderte Quadratkilometer in mehreren U.S.-Städten abdecken wird. Das bedeutet, dass dann im Zeitraum von zwei bis drei Jahren im Durchschnitt jeden Tag einhundert weitere Waymo-Autos auf die Strassen kommen werden. Mit einer Betriebsdauer von bis zu zehn Stunden am Tag und einer Fahrleistung von mindestens 500 Kilometern pro Auto pro Tag, werden 10.000 Waymos am Tag 5 Millionen Kilometer fahren. Eine solche Flotte schafft dann in drei Tagen 15 Millionen Kilometer an Fahrleistung, dieselbe Strecke, die alle Waymos seit 2009 bis heute gefahren sind. Eine solche Menge an Fahrzeugen wird dann nicht nur exponentiell schneller besser (wie das genau geht, beschreibe ich hier), sondern wird Menschen in den abgedeckten Gebieten eine erste Erfahrung mit autonomen Autos geben, und das Transportsystem in den betroffenen Gegenden völlig auf den Kopf stellen. Die Verwendung und der Verkauf privater Autos wird abnehmen, von Menschen gesteuerte Taxis werden verschwinden, und öffentlicher Verkehr wird Einbrüche bei den Fahrgastzahlen sehen. All das wird massiv disruptiv auf Autohersteller wirken, die keine Selbstfahrtechnologie in dieser Qualität anbieten können. Zugleich erhoffen sich die Experten und Entwickler, dass es bis zu 90 Prozent weniger Unfälle und Verkehrsopfer geben wird, das Verkehrsaufkommen sinken, Parkplätze frei werden, und die Mobilitätskosten um bis zu 90 Prozente sinken könnten. Was für viele immer noch wie Science-Fiction klingt, die in der fernen Zukunft liegt, beziehungsweise gar nicht möglich scheint, werden wir in wenigen Tagen und Wochen live erleben. Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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