Historischer Meilenstein: Waymo nimmt Betrieb der ersten selbstfahrenden Taxiflotte auf

Nach 9 Jahren und 10 Millionen Meilen an Tests können wir es verkünden: Waymo ist aus der Testphase raus und hat in Phönix den Betrieb der weltweit ersten, selbstfahrenden Taxiflotte aufgenommen.

Nach jahrelanger Zurückhaltung und wohldosierten Meldungen, verdichteten sich in den letzten Wochen die Anzeichen nach einem Start von Waymos Robotertaxiservice. Die Rekrutierung von neuen Mitarbeitern nahm zu, Lade- und Einstiegszonen für Waymo vor Supermärkten in Phönix und Umgebung in Arizona tauchten auf, und auf Twitter begann Waymo sehr aktiv zu werden und Videos von den Testpassagieren zu posten. Gleichzeitig erschien ein Interview mit Waymo-CTO Dmitri Dolgov, der zur Massenproduktion der von Waymo entwickelten Sensoren sprach. Diese sollen in die von Waymo bei Jaguar und FCA bestellten 20.000 und 62.000 Autos eingebaut werden.

In einem Interview ließ Waymo-CEO John Krafcik aufhorchen. Auf die Frage nach dem offiziellen Launch meinte er:

„Ich glaube es ist schwierig einen Moment zu bestimmen, wann der Service plötzlich begonnen hat. Ich glaube aus unserer Perspektive haben wir bereits gestartet, und der Service ist bereits da draußen, aber wir werden mehr und mehr Mitfahrer und Plätze haben.“

Nachdem die erste Taxiflotte nun in Phönix ihren Betrieb aufgenommen hat, werden als nächste Orte San Francisco und Mountain View in Kalifornien in der ersten Hälfte 2019 erwartet.

Was bedeutet das für andere?

Zuerst einmal werden wir offizielle Daten erhalten, um wie viel sicherer Robotertaxis sind. Es wird erwartet, dass sie 80 bis 90 Prozent weniger Unfälle verursachen werden. Damit wird der Druck in anderen Stadtteilen ansteigen, manuelles Fahren zu verbieten und diese Robotertaxis einzusetzen.

Sobald sich Robotertaxis als zuverlässiger, günstiger, schneller und komfortabler Service behaupten, werden Menschen auf das eigene Auto verzichten. Autoverkäufe werden einbrechen, Parkplätze freiwerden und Städte sich wandeln. Der öffentliche Verkehr wird Fahrgasteinbußen erleiden und Defizite anhäufen.

Automobilbauer, die keine Selbstfahrtechnologie entwickeln und einbauen können, werden keine Autos mehr verkaufen können.

Das wird den Druck auf Taxis und Transportation Network Dienstleister erhöhen, die mit Robotertaxis im Wettbewerb stehen. Für Taxis, Uber oder Lyft wird das zu einer existenzbedrohenden Situation werden.

Wie teuer werden die sein?

Waymo hat bereits mit Preisen getestet, die sich an denen von Ridesharingdiensten wie Uber oder Lyft orientieren. Allerdings kann Waymo mit anderen Kosten kalkulieren. So sind heute 50 Prozent jeder Taxirechnung dem Gehalt des Fahrers zuzuordnen. Nimmt man eine sparsamere Fahrweise und den geringeren Energieverbrauch von Elektrofahrzeugen hinzu, die die Basis eines großen Anteils der Waymo-Flotte darstellen werden, dann werden die Preise um 80 bis 90 Prozent niedriger liegen. Ja eine Fahrt kann sogar gratis sein, da ein Einkaufszentrum, ein Kinocenter, das Krankenhaus, die Einkaufsstraße mit den Restaurants, oder der Konzertveranstalter den Kunden gratis ein Waymo schicken wird.

Und wir?

Je mehr Fahrzeuge Waymo im Vollbetrieb auf die Straßen bringt, desto größer wird der technologische Abstand zu den Bemühungen deutscher Hersteller, selbstfahrende Autos zu entwickeln.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch bei uns in Europa selbstfahrende Taxiflotten von Waymo auftauchen. Ich schätze, dass wir die ersten Flotten in spätestens drei Jahren sehen werden. Aber keine einzige von deutschen Herstellern. Diese können nur hoffen, einen Testbetrieb mit eigenen Flotten zu haben – oder eher wahrscheinlich – die eigenen Autos mit Selbstfahrtechnologien anderer Hersteller zu betreiben, nur zu diesem Zeitpunkt wird es bereits viel zu spät sein, die Führung zu behalten.

Der Oktober 2018 wird als der Monat in die Geschichtsbücher eingehen – und 2018 allgemein als das Jahr – in dem wir unsere Dominanz in der Automobilindustrie endgültig verloren haben.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

16 Kommentare

  1. “So sind heute 50 Prozent jeder Taxirechnung dem Gehalt des Fahrers zuzuordnen.” Das dürfte nicht wirklich reichen. Eher sind die Mitarbeiterkosten aktuell bei nahe 90 Prozent, mindestens aber 80 Prozent. Oder rechnen wir da irgendwie unterschiedlich?

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  2. Ich stimme in fast allen Punkten zu. Nur: Robotertaxis werden Platz in den Städten (und später auch Dörfern) bringen, sie werden die Mobilität auf den Kopf stellen. Was sie nicht lösen können, ist das noch immer wachsende Mobilitätsbedürfnis der Menschen. Städte werden eine Antwort darauf finden (müssen). Und das bedeutet nicht automatisch, dass der öffentliche Verkehr zu den Verlierern gehören wird. Ein reiner Individualverkehr, egal ob auf Kurz- oder Langstrecke kann nicht unsere Verheißung sein. Auch gesundheitlich nicht (Bewegungsmangel).

    Aber grundsätzlich ist es ein neues Zeitalter. Es wird spannend sein, die weitere Entwicklung zu beobachten.

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  3. Ist das nicht immer noch nur ein Early Rider Program in Phoenix, was nur einer handvoll ausgewählter Personen in der Stadt zur Verfügung steht? Ich habe jedenfalls keine offizielle Meldung seitens Waymo gefunden, dass der Testbetrieb jetzt in einen allgemein zugänglichen Betrieb für alle Einwohner der Stadt übergegangen ist. Wäre natürlich eine tolle Nachricht. Woher kommt die Meldung? Gibt es irgendeine verlässliche Quelle dieser Information?

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    1. Sie machen es wie schon bei Gmail. Sie haben begonnen, es sukzessive für alle Anwohner in der Phönix-Gegend zu öffnen, damit sie auch skalieren können und nicht vom Ansturm überfordert werden. Gleichzeitig fügen sie nun Autos hinzu.

      Waymo selbst sieht es bereits als gelauncht. Es ist ein ‚Softlaunch‘, der nicht extra angekündigt wird. Das ist mehr oder weniger was Krafcik gesagt hat, und das ist was ich von intern höre…

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      1. OK, danke für die Info! Dein Titel „Historischer Meilenstein: Waymo nimmt Betrieb der ersten selbstfahrenden Taxiflotte auf“ suggeriert aber, dass der Dienst schon jetzt für die Öffentlichkeit in Phoenix zugänglich ist. Was heißt „sukzessive für alle Anwohner in der Phönix-Gegend“? Bisher ist es doch immer noch nur eine beschränkte Anzahl an Personen, denen der Dienst zur Verfügung steht. Für mich heißt „nimmt den Betrieb auf“, dass jeder ihn dort nutzen kann. Der Titel ist also ein wenig irreführend. Wann also meinst du, ist der Zeitpunkt gekommen, wo jeder eine App im App- oder Playstore herunterladen kann und in Phoenix ein Waymo ordern kann?

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      2. Die Early-Rider sind Öffentlichkeit. Das waren 400 Leute, und jetzt kommen hunderte weitere hinzu und dann tausende. Das ist eine ganz normale Skalierung. Auch bei Gmail war das so. Der war für die Öffentlichkeit zugänglich, aber nicht mit einem Schlag sondern zuerst ein paar hunderten, dann tausenden und jetzt hunderten Millionen. Du kannst so einen Service nicht von null auf Millionen Benutzer an einem Tag machen.
        Alle anderen haben wenn, dann vor allem interne Mitarbeiter als Passagiere.
        Der Titel ist somit nicht irreführend. Selbst wenn sie dann in Phönix allen zugänglich gemacht haben, könnte man mit Deiner Argumentation immer noch von keinem Launch sprechen, weil er in anderen Städten und anderen Ländern nicht zugänglich ist.
        Es ist ein Meilenstein.

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  4. Klaro, das ist definitiv der Moment, in dem wir die Dominanz verloren haben: Waymo schickt 17 Maschinen auf die Strasse, die im Schnitt mit 13 km/h umherirren und VW haut 10 Mio Autos weltweit pro Jahr raus ud wird genau das auch 2019 und 2020 tun. Wollen wir wetten? Ich wette jeden Betrag 10:1.

    https://www.thestar.com/business/technology/2018/10/09/can-neuroscience-teach-robot-cars-to-be-less-annoying.html

    LOL: „Some experts have advocated for education campaigns to train pedestrians to be more mindful of autonomous vehicles. Startups and global automakers are busy testing external display screens to telegraph the intent of a robotic car to bystanders.“

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    1. Waymo hat heute bereits 600 Autos auf den Straßen und die fahren auch auf Autobahnen (mit 100+ km/h). Ich weiß also nicht, wovon Du redest und wie Du auf 13km/h kommst. Offensichtlich ein Thema, von dem Du was weißt oder Dich informiert hast oder informieren willst, aber eine Meinung hast.

      Und zu Deinem LOL: Du wirst heute schon trainiert, dass Du links und rechts schaust, wenn Du die Straße kreuzt. Dass Du bei der Ampel warten musst, wenn es rot ist und rübergehen kannst, wenn es grün ist. Genau das sind auch Education Campaigns wie man mit heutigen Autos umgeht. Findest Du das genauso lächerlich?

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      1. Ich finde es nur lächerlich hier und heute von einem Massenphänomen zu sprechen. Es gibt keine 80.000 autonomen Fahrzeuge, von denen hier immer die Rede ist.
        Autonome Fahrzeuge werden heute unter laborbedinungen eingesetzt. Nur bekannte Routen. Kein Regen, schon gar kein Schnee. Sie kriechen mit 13 km/h durchschnitt durch die Strassen – vielleicht sind es auch 15. Fahr mal mit einem Scooter neben so einem Auto her. Der ist auf 25 begrenzt. Du wirst im Stadtverkehr immer schneller sein als das Waymo Auto. Es braucht endlose dankpausen an komplexen Kreuzungen.
        Wenn die Strasse vereist ist, dann muss wieder der Mensch ran. Autos, die kein Lenkrad haben, bleiben dann in der Garage. Daran wird sich über die nächsten Jahre auch nichts ändern.
        Ja, es wird autonomes Fahren geben und ich freue mich darauf. Du bist ein Google-Fan und glorifizierst hier Waymo. Das nervt! Die komplette deutsche Automobilindustrie ist doomed und sollte am besten heute schon aufhören Autos zu produzieren. Wenn ich sowas lesen will, dann kann ich auch das Handelsblatt aufschlagen. Das ist so öde. Ich bin näher dran als Du denkst und ich habe eine sehr klare Meinung zu Waymo. Ich bin ihnen halt nicht so hörig wie Du.
        Autonome Fahrzeuge müssen mit unserer Welt klarkommen, nicht wir mit ihnen.

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      2. Das stimmt ja alles nicht, was Du sagst. Bist mal auf dem Highway 101 neben einem hergefahren? Ich bin es. Hast meine Videokompilationen von den Fahrzeugen in Mountain View gesehen? Das sind mindestens 35mph. Und ich bin neben den Drive.ai, den JingChi auf der Autobahn, den Voyage, Apple etc. hergefahren, aller viel schneller. Klar lernen die alle, und die sind alle in unterschiedlichen Stadien. Aber die Waymos sind viel weiter als Du denkst.
        Laborbedingungen? Du meinst auf abgeschlossenen Teststrecken? Nein, die fahren in der Öffentlichkeit.
        82.000 Autos sind diejenigen, die Waymo bei FCA und Jaguar bestellt hat und in die ihre Sensoren eingebaut werden, die sie nun in Massen produzierten. Ich weiß nicht woher Du die Information hast, dass es bereits 80.000 autonome Autos gibt. Es gibt knapp über 1.000 in den USA, die von den 60 Unternehmen mit kalifornischer Testlizenz betrieben werden. Waymo alleine hat aktuell 600 Stück, Apple 70, GMCruise 135 und selbst die Kleinen jeder 2 bis 25 Fahrzeuge.
        Regen hat Waymo übrigens schon gelöst und Schnee wird von diesen Winter abgeschlossen. Auch die automatische Reinigung der Sensoren ist darin inkludiert um eben Allwettertauglich zu sein.

        Darf man fragen, was Du machst und wo, weil Du sagst Du bist „näher dran als Du denkst“?

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      3. Ach ja, was soll ich sagen? Alle wissen mehr, aber keiner darf was sagen. Weil es so geheim ist, bei wem sie arbeiten.
        Konkret: ich glaube, dass Du hier bullshittest.

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      1. Ich habe auch nichts zum Jahr 2030 gesagt. Ich habe gesagt, dass mich nervt, dass hier Waymo glorifiziert wird und dass hier Zahlen hochgejubelt werden, die irrelevant sind. Wen interesssiert wie viele Autos Waymo bestellt hat? Uber soll schon in 2016 100.000 S-Klassen bestellt haben (https://www.engadget.com/2016/03/18/uber-100000-mercedes-s-class/) und wen interessiert das heute noch? Niemanden. Uber hat heute genau 0 autonome Autos in Arizona auf der Strasse, weil Sie einen Fussgänger umgebracht haben und ihr Fahrzeug das elementarste aller Maneuver „Bremsen bei Hindernis gerade voraus“ nicht hinbekommen hat.
        Stattdessen wird hier ein kolossaler Bullshit verbreitet wie „im Oktober 2018 hat die Deutsche Autoindustrie ihre Dominanz verloren“, weil Waymo in Phoenix mit ein paar mehr Autos testet.

        Benennt einfach die Seite um in „whatever google does it will be the greatest thing ever and no other individuum in the world will be able to do anyhing against it“ – dann bin ich hier weg und störe Eure Jubelfeiern nicht mehr.

        Ich gebs zu, ich bin kein bedingungsloser Google Bewunderer. Ich finde Google translate im Vergleich zu deepl aus Köln einfach nur lächerlich. Aber das darf man hier natürlich nicht sagen. Google ist einfach IMMER besser – klaro, Silicon Valley ist immer besser :-))

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    2. Ui, ich verstehe ja, dass Sie Angst haben. Ist vermutlich auch berechtigt. Denn Sie spiegeln genau diese urdeutsche Hybris und Ignoranz, die mir jeden Tag begegnet. Deutschland ist kein IT-Land. Deutschland versteht zwar viel von Chemie, aber wenig von Batterien. Ja, ich weiß, die Patente…

      Dazu kommt der große Klotz am Bein, die bald veralteten Fertigungsstraßen, die Abgas-Profis, die Commonrail-Experten…die Konzerne haben viel Geld. Aber leider nicht die besten Köpfe. Und von den guten einfach zu wenig und noch dazu werden sie falsch eingesetzt. Ja, man versucht, das Ruder rumzureißen. Aber da muss mehr kommen, damit man am Ende nicht als vereinigte Auto-Union-Karosserie-Bieger dasteht.

      Das Hauptproblem ist die Unfähigkeit zum Wandel. Der Wandel MUSSTE von außen kommen. Von innen hat er es nicht geschafft. Da gibt es viele Gründe. Einer der Hauptgründe ist: Alte Männer mit zuviel Macht.

      Google hat es eben geschafft. Sie sind startklar. Bis vor ein paar Wochen konnte man noch von „Experten“ lesen, von wegen, dass es noch 10 Jahre oder länger dauert, bis WIRKLICH autonom gefahren werden kann. (Sie spielen ja die gleiche Leier)
      Und dass das in der Stadt mit dem chaotischen Verkehr nicht absehbar ist…

      Die Deutschen hängen immer noch bei: „Wie wecke ich den Fahrer auf, wenn meine Software nicht weiter weiß?“ und verstecken sich hinter dem bescheuerten „wir machen die Sache erst, wenn sie wirklich sicher ist“. Dabei ist die Maschine schon jetzt besser als all die Smartphone-Fahrer, die ihre Sensoren kaum noch auf die Straße richten.

      Das ist leider die Realität.

      Und nein, ich bin kein Google-Freund. Und auch ich bedauere, dass Deutschland vor schweren Zeiten steht.

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